Nur eine Baumlänge von Olympia entfernt

Von: Stephan Johnen
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Die Bäume fliegen tief, und das in Zeitlupe. Foto: Johnen

Berzbuir. Wenn es um tieffliegende Weihnachtsbäume geht, gelten in Berzbuir andere Regeln als im international streng reglementierten Luftraum. Während die Schweden ihre Nordmanntannen bekanntlich erst nach Weihnachten in hohem Bogen aus dem Fenster werfen, gerieten die Bewohner des Dürener „Bergdorfes“ bereits vor dem Fest ins Schwitzen.

 Mehr als 130 Athleten haben bei der 1. Internationalen Deutschen Meisterschaft im Weihnachtsbaumweitwurf am Samstag ihre Kräfte gemessen. Die St.-Anna-Schützen hatten zu diesem Event im Rahmen des Kunsthandwerkermarktes auf dem Bauschhof eingeladen. Und im „Tannodrom“ schwirrten die Tannen nur so durch die Luft.

Eine Sportlerin, die den Dreh bei dieser in unseren Breiten eher unbekannten Disziplin schnell heraushatte, war Luna Abdulla. Die Torhüterin der Handball-C-Juniorinnen des Gürzenicher TV beförderte die Tanne 4,61 Meter durch die Lüfte. Damit übertraf sie die eigentlich beste Werferin der Mannschaft, Annika Braun, die die Nordmanntanne 3,80 Meter weit schleuderte. Lunas Geheimrezept? Vielleicht lag es an der Technik: Sie handhabte den Weihnachtsbaum wie einen Wurfspeer.

„Unser Trainer hat etwas über diese Meisterschaft gelesen und uns angemeldet“, berichteten die Mädchen der Mannschaft. Der Wettkampf sollte das Wir-Gefühl stärken. Mit Erfolg: Die Sportlerinnen hatten ihren Spaß, während die Tannen einige Nadeln ließen und Moderator Sebastian Decker witzige Haltungsnoten vergab. Bis in die frühen Abendstunden herrschte im „Tannodrom“ reger Flugbetrieb. Die Organisatoren hatten vorsorglich an Flutlicht gedacht. „Zur sommerlichen WM im Kirschkernweitspucken haben die Berzbuirer das richtige Angebot für die kalte Jahreszeit gefunden“, zollte Dürens Bürgermeister Paul Larue den Anna-Schützen seinen Respekt.

Die Idee zum Wettbewerb hatte Kassierer Friedel Lövenich von einem Kuraufenthalt mitgebracht. In Chemnitz beobachtete er die Einheimischen bei einem „verrückten“ Ritual: Sie schleuderten nach Weihnachten ausgemusterte Christbäume durch die Luft, verbrannten diese anschließend und tranken Glühwein.

„Das können wir doch aus“, dachte sich Lövenich – und die Dorfjugend war ebenfalls Feuer und Flamme für die Idee. Die Berzbuirer fügten diesen Punk ins Programm des Kunsthandwerkermarkts ein und wandelten auch das Abfackeln der Bäume um: Sie setzten stattdessen auf eine Deutsche Meisterschaft. Ein Sponsor stellt die „genormten“ Bäume für jede Wettkampfklasse zur Verfügung. So wiegt beispielsweise das Sportgerät für Herren fünf Kilogramm und das für Bambini 900 Gramm. Die im Prinzip einzige Regel lautete: „Die Wurflinie darf nicht überschritten werden.“ Stoßwurf, Überkopfschleuderwurf oder Drehschleuderwurf: Jede Technik war erlaubt, Hauptsache der Baum flog.

Der Vorsitzende der Schützen, Dietmar Hacky, hatte eigens den Deutschen Olympischen Sportbund informiert und wollte den Wettbewerb anmelden. „Das sei zwar sehr nett, aber nicht nötig“, habe die Antwort gelautet. Jetzt, wo die 1. Internationale Deutsche Meisterschaft im Weihnachtsbaumweitwurf erfolgreich über die Bühne gegangen ist, sehen sich die Organisatoren darin bestärkt, im kommenden Jahr die zweite Auflage folgen zu lassen. Wer weiß, vielleicht sind die Berzbuirer Athleten ja nur noch eine Baumlänge von Olympia entfernt?

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