NS-Ordensburg Vogelsang: Schüler hören ungläubig den Referenten zu

Von: Gudrun Klinkhammer
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Dürener Schüler besuchten die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang. Foto: dpa

Düren/Vogelsang. „Von den Männern aus Deutschland, die in den Zweiten Weltkrieg zogen, starb jeder Zweite. Von den 2200 Männern Mitte 20, die in Vogelsang ausgebildet wurden, starben zwei von drei.“ Referent Bodo Lamp führte am Montag eine von vier Schülergruppen über das Gelände der NS-Ordensburg Vogelsang.

50 Schüler mit ihren Lehrern Frauke Schöttmer, Alexander Krüger und Markus Müller kamen vom Wirteltor Gymnasium aus Düren, 51 Schüler vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium aus Remscheid, ebenfalls in Begleitung ihrer Lehrer.

Über die Gründe, warum ausgerechnet die Männer, die in Vogelsang ausgebildet wurden, überdurchschnittlich häufig den Tod fanden, kann nur spekuliert werden. Eventuell, weil sie zu eher unflexiblen Verwaltungsfachleuten ausgebildet wurden, um im Naziregime Führungspositionen einzunehmen? Oder gerade weil sie in Vogelsang waren, der damaligen Adolf-Hitler-Schule, und sich besonders mutig geben wollten?

Jean-Marie Malaise, ebenfalls einer der Referenten, der die Schüler auf dem weitläufigen Gelände informierte: „Aus den jungen Menschen hier sollten willige Werkzeuge gemacht werden, sie sollten entindividualisiert werden. Menschen sollten es werden, mit denen Hitler alles hätte machen können.“ Staunend und manchmal fast ein wenig ungläubig hörten die Schüler aus Düren und Remscheid den Ausführungen der Referenten zu.

Zwischen 1934 und 1936 wurde die NS-Ordensburg Vogelsang gebaut. Bodo Lamp: „Fast ohne Maschinen, nur mit Hände Arbeit.“ Männer speziell für administrative Aufgaben sollten an dieser Stelle ausgebildet werden. Keiner wusste allerdings damals wirklich, erklärte Lamp seinen verblüfften Zuhörern, wie eine derartige Ausbildung auszusehen hatte, und daher gab es zunächst einen glatten Fehlstart. Das Erziehungssystem, das sich nach anfänglichem Chaos herauskristallisierte, war der konstante Wettkampf und die Selektion.

Irrsinniger Größenwahn

Von Teamarbeit keine Spur. Irrsinniger Größenwahn stand auf dem Plan, berichtete auch Jean-Marie Malaise: „Man spielte hier nicht nur mit der Architektur, sondern auch mit Naturkomponenten. Man wollte sich die Natur Untertan machen und hatte völlig verschwurbelte Ansichten.“ Hitler und Himmler nutzten Vogelsang als Bühne. Standen sie oben an der Brüstung zum Adlerhof und die jungen Menschen eine Etage tiefer in Richtung Urftsee, dann mussten die Rekruten nicht nur zu Hitler und Himmler aufschauen, sie wurden gleichzeitig von der Sonne geblendet, die jeden Tag auf ein Neues über Vogelsang hinwegwandert und eben über der Brüstung ihre Himmelsbahn zieht. Natürlich konnten die Schüler, denen teilweise die Betroffenheit ins Gesicht geschrieben war, auch immer wieder Fragen stellen.

So wollten einige von ihnen wissen, wie es denn heute mit Neonazis in Vogelsang aussieht. Es gebe durchaus immer mal wieder Probleme, sagten die Referenten. Doch werde sehr eng mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet, alle seien stringent hinter einem derartigen Problem her. Nach der Geländebegehung erlebten die Schüler den Film „Die Brücke“ aus dem Jahr 1959. Zum Abschluss diskutierten sie mit Albert Moritz, Geschäftsführer der „Vogelsang ip“.

Im Vorfeld der Vogelsang-Besichtigung hatte die Gruppe bereits den Soldatenfriedhof American Cemetry and Memorial in Henri-Chapelle in Belgien besucht, auf dem fast 8000 amerikanische Soldaten beerdigt wurden. Veranstalter der ganztägigen Schülerfahrt, die bleibende Eindrücke hinterließ, waren das Amerika Haus NRW mit Sitz in Köln, die Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen, der Kulturbetrieb der Stadt Aachen und die Akademie „Vogelsang ip“ sowie der Kiwanis Club Aachen Urbs Aquensis.

Zufrieden äußerte sich Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs der Stadt Aachen: „Heute habe ich hier eine sehr große Aufmerksamkeit bei den Schülern wahrgenommen ebenso wie eine emotionale Berührtheit und Nachdenklichkeit.“

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