Notwehr: Beim Streit dem Freund ein Messer in die Brust gestoßen

Von: Hartmut Prüss
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Düren. Am Ende der Gerichtsverhandlung blieb ungeklärt, wie genau sich eine Bluttat am 11. Juni 2011 gegen 23 Uhr zugetragen hat. Damals hatte eine jetzt 54-jährige Dürenerin ihrem Freund ein Küchenmesser in die Brust gestoßen.

Das gleichaltrige Opfer wurde von der rund 19 Zentimeter langen Messerklinge schwer verletzt und noch in derselben Nacht operiert. Die Tatwaffe verfehlte glücklicherweise, wenn auch nur knapp, das Herz. Andere innere Organe blieben, von einer Zwerchfellverletzung abgesehen, ebenfalls verschont.

Vor Gericht stellte sich schnell heraus, dass der Ausgang für die Tat offenbar ein Beziehungskrach war. Detailliert schilderte die Angeklagte den Tagesverlauf, bei dem bereits zum Mittagessen die Wodkaflasche geöffnet und im Laufe der folgenden Stunden zu zweit geleert wurde.

Am Abend schließlich bekam das Paar, das seit viereinhalb Jahren zusammen war und bei dem es auch zuweilen Streit gab, in der kleinen Etagenwohnung an der Laute-Dei-Straße erneut Zoff. Die Frau wollte eine Musik-CD laut abspielen während der Mann vor dem Fernseher saß.

Vor Gericht beteuerte die Angeklagte mit Hilfe einer Dolmetscherin, der Mann habe sie beleidigt und bedroht. Sie sei in die Küche geflüchtet und habe die Tür abgeschlossen. Der Mann habe jedoch dagegen geklopft und sie so sehr bedroht, dass sie Todesangst bekommen habe. Nachdem sie nach einigen Minuten die Tür geöffnet hatte, habe es ein Gerangel gegeben, in dessen Verlauf es zu dem folgenschweren Stich kam. Der Mann habe sich bis zum Bett des Wohn-Schlafzimmers geschleppt, während die Frau Nachbarn bat, die Polizei zu rufen.

Der Mann schilderte, er habe bei der Messerattacke im Bett gelegen. Allerdings hatten die beiden Beteiligten erhebliche Erinnerungslücken, was sicher auch auf die Blut-Alkoholwerte von 2,3 Promille bei der Frau und 1,89 Promille bei dem Opfer zurückzuführen war. Der genaue Tathergang blieb daher im Dunkeln.

Angesichts der Zweifel sprach das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Stephan Ebeling die 54-Jährige vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei. Nach Ansicht eines Psychiatrie-Professors sei nicht auszuschließen, dass der Frau zur Tatzeit eine „Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen” zugestanden werden müsse.
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