Düren - Notruf: Aus dem Alltag einer Polizistin

Notruf: Aus dem Alltag einer Polizistin

Von: Anke Holgersson
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Tania Kambouri berichtete im Kulturzentrum „Komm“ von Respektlosigkeit und Gewalt gegenüber der Polizei. Die Moderation hatte Christina van Essen, Leiterin des Frauenbüros der Stadt Düren. Foto: Holgersson

Düren. Die junge Polizistin Tania Kambouri schreibt in ihrem Buch „Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin“ über ein steigendes Maß von Bedrohung, Beleidigung und Angriffen gerade muslimisch geprägter Männer, das sie täglich während ihrer Einsätze erlebe.

Am Donnerstagabend berichtete sie im Kulturzentrum „Komm“ von ihrem Buch und den Reaktionen auf den Titel, der nach seinem Erscheinen im Oktober 2015 vier Wochen lang auf der Bestsellerliste des Spiegels in der Kategorie Sachbuch stand. Der Diskussionsabend fand im Rahmen der „Lila Salongespräche“ statt, zu dem das Frauenbüro der Stadt Düren eingeladen hatte. Die Leiterin des Frauenbüros, Christina van Essen, moderierte die lebhafte Diskussion im ausverkauften Saal.

Tania Kambouri schilderte ihren Eindruck, dass es ihr als Deutsche mit griechischen Wurzeln eher möglich war, ihre Beobachtungen zu veröffentlichen. Deutsche Kollegen treffe der Rassismus-Vorwurf noch ungefilterter als sie, die selbst einen Migrationshintergrund vorweisen kann.

Es ginge ihr nicht darum, zu jammern oder anzuklagen, sagte sie, oder Menschen mit muslimischen Wurzeln zu diskriminieren. Ihr sei es wichtig, klar zu machen, dass man mit Konsequenz vorgehen müsse, ganz besonders im Umgang mit Tätern aus einem muslimisch, oft patriarchal geprägten Umfeld. Zu milde richterliche Urteile, geringe Geldstrafen und eingestellte Verfahren führten nur dazu, dass die Spirale des Respektverlustes und der Gewalt gegenüber der Polizei als Repräsentant des Staates sich schnell verschlimmere.

In anderen Bundesländern, wie zum Beispiel in Bayern, greife man härter durch, sagte Kambouri. Auch sei anderenorts die Ausrüstung der Polizei im Vergleich zu NRW weitaus besser. Damit es gar nicht erst zu kriminellen Handlungen komme, sei es auch nötig, Präventivarbeit in Schulen und Kindergärten zu leisten.

Die 34-Jährige ermutigte dazu, Probleme offen anzusprechen: Aus ihrer täglichen Arbeit und aus Gesprächen mit Kollegen in anderen Städten könne sie ableiten, dass 70 bis 80 Prozent der Straftaten, denen Polizisten im Streifendienst begegneten, von Kriminellen mit Migrationshintergrund begangen würden. Mit der massiv gestiegenen Einreise von Geflüchteten in den Jahren 2015 und 2016 habe sich die Situation noch verschärft.

„Thema ohne Tabus erforschen“

Gastgeberin Christina van Essen unterstrich, dass es wichtig sei, offen an diese Thesen heranzugehen. „Wir dürfen keine Scheuklappen aufsetzen“ sagte sie. „Stattdessen sollten wir das Thema ohne Tabus erforschen“.

Geladener Gast der Veranstaltung im „Komm“ war unter anderem Petra Kaufmann, Leiterin der Direktion Gefahrenabwehr der Kreispolizeibehörde Düren. Sie betonte, dass es im Kreis Düren nicht nur Migranten seien, die respektlos und gewalttätig seien, sondern dass sich dieses Phänomen quer durch alle Bevölkerungsschichten und Nationalitäten ziehe. Zum anderen sei der Polizei die Brisanz des Themas bekannt und man handele entsprechend.

Spätestens seit dem gewalttätigen Angriff einer Gruppe türkischstämmiger Dürener im November vergangenen Jahres auf Polizisten sei man in einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit der Staatsanwaltschaft. Damals war im Grüngürtel-Viertel ein Streit um ein Knöllchen so massiv eskaliert, dass einem Polizisten mit einem Radmutterschlüssel mehrfach ins Gesicht geschlagen wurde.

Kaufmann berichtete, es hätte sich etwas verändert und gemeinsam mit der Justiz sei man auf einem guten Weg. Im geschilderten Fall sei der Täter wegen versuchten Totschlags verurteilt worden [siehe Hinweis unter diesem Text].

Theo Happe, Kriminalhauptkommissar a.D., appellierte an die Anwesenden: „Drehen Sie sich nicht weg. Wir brauchen Ihre Beobachtungen, damit wir handeln können. Die 110 ist kein Notruf, sondern eine Service-Leistung, die man in Anspruch nehmen sollte“.

Warum sie weitermache, wurde Kambouri während der Diskussion gefragt. Ihre Antwort: „Ich will nicht resignieren. Ich liebe meinen Beruf. Es ist ein Traumberuf. Es ist gut, Bürgern helfen zu können. Aber das, was mir Angst macht, will ich klar benennen.“

Die  Kreispolizeibehörde Düren weist darauf hin, dass es bislang natürlich noch zu keiner Verurteilung eines Tatverdächtigen im Fall des Gewaltdelikts an der Scharnhorststraße Mitte November 2016 in Düren gekommen ist. Sie korrigiert damit die Aussage der Polizeidirektorin Petra Kaufmann. Die Direktionsleiterin Gefahrenabwehr/Einsatz hatte sich im Rahmen der Lesung der Polizistin Tania Kambouri im Dürener Komm-Zentrum am vergangenen Donnerstag dahingehend geäußert, dass „der Täter wegen versuchten Totschlags verurteilt worden“ sei.

Das entspricht nicht den Tatsachen. Richtig ist, dass derzeit drei Tatverdächtige unter anderem wegen Gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt sind, nachdem zunächst auch wegen versuchten Totschlags ermittelt worden war. Am Freitag, 24. November, werden die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft Aachen rechnet noch in diesem Jahr mit einer Urteilsverkündung.

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