Notaufnahme der Kinderklinik: Wartezeit wird nicht kürzer, aber sicherer

Von: Stephan Johnen
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Die Zahl der Patienten in der Notaufnahme nimmt zu. Das stellt die medizinischen und pflegerischen Mitarbeiter wie Dr. Mareike Hauck (r.) und Kinderkrankenschwester Sabine Linden vor Herausforderungen. Foto: sj
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Der Triage-Raum in Birkesdorf, in dem beispielsweise Babys gewogen werden, ist noch ein mit Paravent abgetrenntes Provisorium. In Zukunft soll ein Umbau erfolgen. Foto: Stephan Johnen

Birkesdorf. Es gibt nur wenige Tage, an denen in der Notaufnahme der Kinderklinik im St.-Marien-Hospital nichts los ist. Etwa 8000 kleine Patienten werden jedes Jahr ambulant behandelt, besonders reger Andrang herrscht in der nasskalten Jahreszeit, wenn die Zahl der Grippefälle nach oben schnellt.

Notaufnahmen werden zunehmend nicht nur von Patienten mit lebensbedrohlichen und ernsthaften Erkrankungen aufgesucht, sondern auch dann, wenn der Hausarzt in Urlaub ist oder ein Termin beim Facharzt auf sich warten lässt. Um so wichtiger ist es für das medizinische Personal, den Überblick zu behalten und die Reihenfolge der Behandlung nicht nach dem Eintreffen in der Notaufnahme, sondern nach der Schwere der Erkrankung oder Verletzung und der Dringlichkeit der Behandlung zu organisieren.

Die Kinderklinik setzt dabei seit einigen Wochen auf die „Manchester Triage“. Dieses System zur Ersteinschätzung eines Notfallpatienten wurde in den 90er Jahren von den ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitern von acht Kliniken in Manchester entwickelt, um einheitliche und verlässliche Versorgungsstandards zu gewährleisten. „Im Kern geht es darum, nach einer Ersteinschätzung klare Behandlungsprioritäten und damit vorgegebene Zeitfenster festzulegen“, erklärt Oberärztin Dr. Mareike Hauck. Diese „Einordnung“, die etwa vier Minuten dauert, geschieht gleich nach der Ankunft in der Notaufnahme anhand der von den Patienten und Eltern beschriebenen Symptome und der ermittelten Vitalparameter wie Temperatur und Blutdruck.

Eine ärztliche Diagnose ist zunächst nicht nötig, besonders geschultes und erfahrenes Pflegepersonal kann anhand von international standardisierten Fragekatalogen die Ersteinschätzung eigenständig übernehmen. Es gibt beispielsweise gezielte Bögen zu Bauchschmerzen, zu Hautausschlägen und zu Fieber, die Fragen sind nach Risiko sortiert. „Das Wichtigste kommt immer zuerst“, sagt Mareike Hauck. Aus den geschilderten Symptomen leitet sich die Behandlungspriorität ab: Rot steht für Lebensgefahr, die niedrigste der fünf Stufen ist Blau, „nicht dringend“. In einer elektronischen Datenbank werden die Ergebnisse erfasst, sind für Ärzte und Pflegepersonal abrufbar.

Anhand dieser Prioritätenliste nehmen die Ärzte die Patienten dann genauer unter die Lupe, stellen eine Diagnose und leiten bei Bedarf weitere Schritte ein. Eine Patientenakte gibt es nicht, alles geschieht digital. Bei der Triage ist auch geregelt, dass nach klar definierten Zeitabständen (etwa 30 Minuten, wenn ein Kind mit leichtem Fieber kam) automatisch eine neue Einschätzung vorgenommen wird. Verschlechtert sich die Lage, steigt die Behandlungspriorität. Für „blaue“ und „grüne“ Patienten ohne dringenden Handlungsbedarf soll die Wartezeit auf maximal 120 Minuten beschränkt werden.

Die Einführung des Systems, die unter anderem mit der Schulung von 20 Mitarbeitern verbunden war, geht auch auf den Wunsch jüngerer Assistenzärzte zurück. Die Standardisierung erhöhe die Sicherheit auch unter hektischen Bedingungen – und ermögliche zugleich eine gute Dokumentation aller Fälle. „Die Zahl der Beschwerden über lange Wartezeiten ist auch zurückgegangen“, sagt Mareike Hauck. Die Wartezeit werde zwar nicht in jedem Fall kürzer, aber entspannter. „Wenn wir den Eltern erklären, warum es länger dauert, haben sie meist Verständnis“, betont die Oberärztin.

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