Nostalgische Feierlichkeiten: 150 Jahre SPD

Von: Jörg Abels
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Blickten auf die Geschichte der SPD im Kreis Düren zurück (v.l.): Partei-Urgestein und Buchautor Felix Röhlich, Professor Michael Klöcker und der Kreisvorsitzende Dietmar Nietan. Foto: Jörg Abels

Kreis Düren. Warum er SPD-Mitglied geworden sei, wurde Dietmar Nietan einmal von Schülern gefragt. Und mit Blick auf die der Sozialdemokratie seit nunmehr 150 Jahren grundlegenden Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität entgegnete der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete: „Weil ich stolz bin, einer Partei anzugehören, die auch nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Namen nicht ändern musste.“

Beim Festakt des Unterbezirks aus Anlass des 150. Geburtstages der Partei erinnerte Nietan vor 100 geladenen Gästen daran, dass es die SPD war, die in der „schwersten Stunde der deutschen Geschichte“, bei der Abstimmung über das von der NSDAP im März 1933 eingebrachte Ermächtigungsgesetz standgehalten habe und als einzige Fraktion geschlossen mit Nein gestimmt habe. Die SPD sei die einzige Partei gewesen, „die sich nicht mit der Diktatur abfinden wollte“.

Und Nietan machte deutlich: „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind auch heute keine Floskeln“, sie seien wichtiger denn je. Die Demokratie im Sinne der Chancengerechtigkeit für alle müsse jeden Tag aufs Neue erkämpft werden. Nietan forderte die Genossen auf, wieder öfter zum Ärgernis für die Herrschenden zu werden, für die einzutreten, die sonst keine Fürsprecher haben. „Stromlinienförmig mag bequem sein, verändert aber nichts.“

So wie die frühen Sozialdemokraten, die – wie Professor Dr. Michael Klöcker in seinem Festvortrag berichtete – vom Aachener Regierungspräsidenten noch als in das Volk eindringende Seuche bezichtigt wurden. Trotz dünner Quellenlage versuchte der Kölner Historiker, die „frühen sozialdemokratischen Aktivitäten im Düren-Jülicher Raum vor dem Ersten Weltkrieg“ nachzuzeichnen. „Nicht jedem Anfang ruht auch ein Zauber inne“, machte Klöcker deutlich, dass die von Lassalleanern 1869/70 in einem Zweigverein des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) erstmals organisierte Kreisdürener Sozialdemokratie lange keine große Bedeutung hatte.

Als 1895 der Sozialdemokratische Verein für Düren und Umgebung gegründet wurde, zählte er gerade einmal 14 Mitglieder, bis 1914 wuchs deren Zahl auf 160. Den Grund lieferte Klöcker mit: Im katholisch geprägten Kreis Düren regierten Agrargemeinden, in Düren dominierten patriarchalisch geführte Mittel- und Kleinbetriebe. Der Sozialdemokratie nahestehenden Industriearbeiterschaft war selten. „Der Kreis Düren war ein Diasporagebiet für gewerkschaftliches Engagement“, betonte der Historiker.

Klöcker erinnerte an den ersten Führer der Sozialdemokarten in Düren, Josef Häusgen, der 1895 erkannte, dass auch ein Christ Sozialdemokrat sein konnte, und auch die für die Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung so wichtigen Maifeiern in Düren etablierte, die erste 1894 mit 20 Genossen und zwei Frauen in seiner eigenen Wohnung.

Klöcker machte deutlich, dass es die frühen Sozialdemokraten nicht einfach hatten: Von der katholischen Geistlichkeit bekämpft litten sie unter einer repressiven Vereinsgesetzgebung und wurden immer wieder von Polizeibeamten kontrolliert.

„Die Entwicklung der SPD im Kreis Düren war schleppend“, stellte Professor Klöcker fest und verwies auf das Buch „Ein langer Weg“ des SPD-Urgesteins Felix Röhlich von 1998.

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