„Nörvenich war mal bedeutender als Köln“

Von: Christoph Hahn
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Klaus Mühlenhaupt hat die archäologische Erforschung seines Heimatortes Nörvenich mit angeschoben und stellte als ehemaliger Leiter des archäologischen Arbeitskreises im Heimat- und Geschichtsverein dessen Ausstellung in der Grundschule vor. Foto: Christoph Hahn

Nörvenich. Sie gehen in die Tiefe – aber nicht zu sehr, denn das wäre gegen das Gesetz. Aber unter die Oberfläche der lokalen Ackerkrume schauen die Aktiven des Heimat- und Geschichtsvereins der Neffeltal-Gemeinde ganz gerne. Dabei sind die Forscher darauf gekommen, dass ihre Kommune in puncto römische Vergangenheit eigentlich ganz gut mit Colonia mithalten kann.

Für die gesicherte wissenschaftliche Arbeit sorgten dabei Forscher der Universität Köln und Fachkollegen der Außenstelle Wollersheim des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Über den genauen Stand der Erkenntnisse informierte jetzt eine viel beachtete Ausstellung in der Aula der Nörvenicher Grundschule.

Verständlich und einladend

Kenntnisreich und gerade für den Laien sowohl verständlich als auch einladend dargestellt, machten die Gastgeber ihre Besucher auf einer Reihe von Stellwänden mit dem Stand der Erkenntnisse zum so genannten „Römerfeld“ bekannt. Die 28 verschiedenen, dort im Erdreich gefundenen „Kaisermünzen“ wurden ebenso anschaulich dokumentiert wie die weit entfernten Orte, an denen diese Zahlungsmittel entstanden waren.

Luftaufnahmen des Fundareals, die mit Hilfe eines Flugdrachens festgehalten wurden, erfuhren eine ähnlich liebevolle Präsentation. In Vitrinen zeigten die Vereinsmitglieder zudem weitere Fundstücke vor.

Von Wissenschaftlern bestätigt

Arthur Bergrath, zweiter Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, freute sich über das Interesse an der Ausstellung, vor allem aber an dem guten Zusammenspiel mit den „Kollegen“ aus Köln und Wollersheim: „Was wir vermutet haben, haben uns die Wissenschaftler aus Köln bestätigt.“ Aufmerksam gemacht wurden Bergrath und seine Mitstreiter auf das „Römerfeld“ von einem Landwirt, dem in mondhellen Nächten immer wieder illegale Raubgräber aufgefallen seien.

Der ehemalige Leiter des archäologischen Arbeitskreises im Verein, Klaus Mühlenhaupt bahnte schließlich die Zusammenarbeit mit den Experten aus Köln an, die das Areal genauer mit ihren Instrumenten unter die Lupe nahmen.

Mehr als 1000 Fundstücke

Dabei zeigten die Nörvenicher spontan Gastfreundschaft: „Bis zu 20 Studenten haben wir hier untergebracht“, erinnerten sich Bergrath und Mühlenhaupt. Bei den Feld-Forschungen, die zwischen 2009 und 2013 stattfanden, entdeckten Profis und Unterstützer auf der Fläche von 22 Hektar an der einstigen Heerstraße von Zülpich nach Neuss mehr als 1000 Fundstücke.

„Damit werden rund 450 Jahre des römischen Zeitalters abgedeckt“, ordnen der Vizevorsitzende und der örtliche Chef-Archäologe a.D. die Artefakte ein. Zweifel gab es nie über die Bedeutung Nörvenichs: „Hier muss was sein“, waren sich die Vereinsmitglieder sicher und sehen sich in ihrer Einschätzung bestätigt.

Arthur Bergrath jedenfalls weiß, was schon die alten Römer an seinem Heimatort hatten und warum sie dort eine umfangreiche Siedlung anlegten: „Nörvenich war mal bedeutender als Köln“, stellt der Vize mit Selbstbewusstsein fest und verweist darauf, dass es am Neffelbach schon ein blühendes Gemeinwesen gab, als am Rhein vielleicht mal gerade mal die ersten Zaunpfähle in den Boden gerammt wurden.

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