Noch im Gerichtssaal Hausbesitzer werden

Von: Hartmut Prüss
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Die Rechtspfleger Angelika Joh
Die Rechtspfleger Angelika John und Paul Reitler zeigen im Erdgeschoss-Flur des Amtsgerichts Düren die öffentlichen Aushänge für Zwangsversteigerungen. Foto: Prüss

Düren. Echter Parkettboden und eine alte Holztäfelung verbreiten im Saal 2.30 des Dürener Amtsgerichts die gewisse Erhabenheit vergangener Zeiten. Die 24 grünen Polsterstühle der Zuschauer sind bis auf einen leer.

Vorn am Richtertisch hat Rechtspfleger Paul Reitler Platz genommen. Mit fester Stimme beschreibt er ein Objekt in der Dürener Innenstadt, das zur Zwangsversteigerung ansteht. Er nennt Lage, Grundbucheinträge und den von einem Gutachter ermittelten Verkehrswert.

Aufmerksam verfolgen der einzige Interessent und der Anwalt der Gläubigerbank seine Ausführungen. Als Reitler die Bedingungen der Zwangsversteigerung bekanntgibt, wird es besonders interessant. Diesmal sind es 50 Prozent des Verkehrswertes, die mindestens geboten werden müssen. Dass der einzige Bieter an diesem Vormittag weit darunter bleibt, stört zunächst niemanden.

Aber eine halbe Stunde später, nach Ablauf der Frist für weitere Gebote, verweigert Rechtspfleger Reitler den Zuschlag, weil das Mindestgebot nicht erreicht wurde. In frühestens drei Monaten, in der Regel aber einige Wochen später, wird nun von Amts wegen ein weiterer Versteigerungstermin für das Gebäude anberaumt.

Beim Amtsgericht Düren kommen im Jahr durchschnittlich 200 Objekte unter den Hammer, wie Versteigerungen im Volksmund genannt werden. „Man sagt zwar, dass etwas unter den Hammer kommt, aber einen Hammer gibt es bei uns nicht”, berichtet Paul Reitler. Vielmehr erfolge bei Zwangsversteigerungen der Zuschlag durch ihn oder seine beiden Kolleginnen mündlich.

Hauptgrund für eine Zwangsversteigerung ist, dass ein Haus- oder Wohnungskäufer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommt. Seltener ist der Grund die „Aufhebung einer Gemeinschaft”. In solchen Fällen sprechen die Rechtspfleger von einer Teilungs- oder Aufhebungsversteigerung. Das kommt vor, wenn sich mehrere Eigentümer, etwa Erben oder Ex-Partner, nicht über Verkauf oder Kaufpreis einer Immobilie einigen können. Das kann aber auch passieren, wenn ein Erbe das Geld aus dem Verkauf braucht, weil er etwa auswandern möchte. Kurzum: Ist eine gütliche Einigung nicht möglich, hebt das Gericht die Gemeinschaft auf.

Weitaus häufiger sind die Fälle wegen ausbleibender Zahlungen. Meistens sind es dann die Banken, die den Kauf einer Immobilie finanziert haben, die eine Zwangsversteigerung anstreben. Wird diese vom Gericht anordnet, folgt ein Eintrag im Grundbuch, damit der Eigentümer das Haus oder Grundstück nicht mehr ohne weiteres veräußern kann.

Andererseits hat das Gericht auch stets die Interessen der Schuldner im Auge. Aus diesem Grund wird beispielsweise auch ein Mindestgebot festgelegt, das sich nach dem Verkehrswert richtet. Dazu lässt das Gericht ein umfangreiches Gutachten erstellen. Es ist aber durchaus auch schon vorgekommen, dass das höchste Gebot über dem Verkehrswert lag.

Die Bieter haben sich in der Regel vorher gründlich informiert. Immerhin müssen sie im Vorfeld eine Sicherheitsleistung von zehn Prozent des Verkehrswertes hinterlegen (siehe Info-Kasten). „Ob viele Interessenten kommen oder gar keiner, das weiß man vorher nie”, erzählt Rechtspfleger Paul Reitler. Aber wenn ein Bieter den Zuschlag erhält, wird er noch im Gerichtssaal zum Eigentümer - mit allen Rechten und Pflichten, die mit dem Haus oder Grundstück zusammenhängen. Sein Gebot hat er spätestens acht Wochen nach der Versteigerung an das Gericht zu zahlen.
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