Nils sitzt im Rollstuhl: Ein Hund könnte seinen Alltag erleichtern

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
Nils
Peter Borsdorff will in den nächsten Wochen für den Jungen laufen. Foto: inla/privat
14786634.jpg
Familie Eschweiler aus Langerwehe wünscht sich einen Hund für Sohn Nils. „Eddy“, ein Labrador, käme infrage. Foto: inla/privat

Langerwehe. Nils Eschweiler ist erst sechs und hat für sein Alter schon einiges mitgemacht. Er sitzt im Rollstuhl, weil er seine Beine nicht bewegen kann. Als er 13 Monate alt war, wurde die Diagnose gestellt: Spinale Muskelatrophie Typ II. Nils Eschweiler ist schwerst körperbehindert.

Er leidet an einer fortschreitenden Form von Muskelschwund. Die Krankheit ist unheilbar. Nils wird niemals gehen können.

Wegen der vermindert ausgebildeten Muskulatur hat er sich schon einer Rücken-OP unterziehen müssen. Die Operation hat seinen Körper stabilisiert. Nach mehreren Oberschenkelfrakturen und Infekten musste er wochenlang liegen. Nils kann aufgrund seiner Krankheit schlecht Kontakt zu Gleichaltrigen aufbauen. Er wünscht sich deshalb einen Hund, der nicht nur Spielkamerad wäre, sondern ihm auch im Alltag helfen könnte. Doch solche Therapiehunde kosten viel Geld. Inklusive der Spezialausbildung würden 28.000 Euro fällig. Diese Summe können die Eltern von Nils nicht aufbringen.

Spezial-Rollstuhl

Das ist in Kürze zusammengefasst das Schicksal von Nils Eschweiler, einem aufgeweckten, lustigen Jungen. Peter Borsdorff kennt solche Schicksale zu genüge. Seit mehr als 20 Jahren läuft er für schwer kranke und behinderte Kinder und spendet den Erlös seiner Aktionen. Borsdorff ist vor drei Jahren auch schon für Nils gelaufen. Es ging damals darum, einen speziellen Rollstuhl anzuschaffen. Nun schnürt Borsdorff wieder seine Joggingschuhe für das Kind aus Langerwehe. „4 Pfoten für Nils“ nennt er seine Hilfsaktion, die dazu beitragen soll, einen Hund für Nils, der ab Sommer in die Grundschule gehen wird, anzuschaffen.

Das Tier soll Nils beim Spielen helfen und Brücken zu anderen Kindern bauen. „Leider gibt es oft Berührungsängste“, sagt seine Mutter. Nils kann beim Spielen oft nicht mithalten und hat Probleme, mit seinem Rollstuhl Barrieren zu überwinden. Sein ein Jahr jüngerer Bruder Lars versucht zu helfen, wo es geht, aber er könne nicht immer für ihn da sein, „weil ihm doch auch eine unbeschwerte Kindheit zusteht“, sagt Mutter Heike Eschweiler.

Einen Hund hat sich die Familie schon ausgeguckt; es ist „Eddy“, ein dunkler Labrador, den Nils längst ins Herz geschlossen hat. Der Verein „Rehahunde Deutschland“ in Rostock bildet Begleithunde aus. Familie Eschweiler war dort und „sofort stimmte die Chemie zwischen Nils und Eddy“, erzählt Vater Stefan Eschweiler. Eddy würde sogar schon ein bisschen auf Nils hören.

Wenn die Ausbildung des Tiers abgeschlossen ist, kann der Hund zum Beispiel kleinere Gegenstände aufheben, die Nils runtergefallen sind, Schubladen öffnen oder das Licht an- und ausschalten. Aber vor allem wäre er ein Freund.

Kein Zuschuss

Für den Hund zahlt die Krankenversicherung keinen Zuschuss. „Nils ist ein Kämpfer“, sagt Peter Borsdorff, „deshalb habe ich mich spontan entschlossen, wieder für ihn zu laufen.“ Nils‘ Leben „ist bestimmt von Entbehrungen und schmerzhaften Therapien und langen Krankenhausaufenthalten“, weiß Borsdorff. Leider gebe es keine Hoffnung auf Entspannung der Situation. Als Peter Borsdorff vergangene Woche Familie Eschweiler besucht, hat er einen kleinen Stoffhund mit, den ihm jemand für Nils mitgegeben hat. Der Junge ist gerührt. Jetzt fehlt nur noch Eddy, der leibhaftige Freund auf vier Pfoten. Angemerkt

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert