„Niklas“ wirbelt ein Trampolin über die Hecke

Von: smb, ja, gkli
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Die ganze Kraft von Sturmtief „Niklas“ zeigte sich in Stockheim. Eine Orkanböe katapultierte in der Nacht zum Dienstag ein großes Familientrampolin über eine drei Meter hohe Thuja-Hecke. Foto: Abels/Berners

Stockheim/Kreis Düren. Josefine Fischer rieb sich am Morgen beim Blick aus dem Küchenfenster in Stockheim verwundert die Augen. Sturmtief „Niklas“ hatte in der Nacht zum Dienstag ein großes Trampolin des Nachbarn über eine knapp drei Meter hohe Thuja-Hecke auf ihr Grundstück geweht.

Das Trampolin verhakte sich zum Glück am Kamin eines früher als Schwimmbad benutzten Anbaus, so dass es keinen weiteren Schaden anrichtete.

Im Kreis Düren blieb es an diesem stürmischen Dienstag bei Sachschäden. Bis zum späten Nachmittag sprach die Feuerwehr von rund 40 sturmbedingten Einsätzen. Personen wurden dabei nicht verletzt. Am meisten machte der Sturm den Südkreiskommunen zu schaffen. Auch das Dürener Stadtgebiet war betroffen. Immer wieder mal mussten umgeknickte Bäume beseitigt werden. An vielen Stellen brachen auch dünne oder morsche Äste von Bäumen ab, so mancher Autofahrer nahm seinen geparkten Wagen ganz genau unter die Lupe. Die L25 zwischen Gürzenich und Schevenhütte musste am Vormittag kurzfristig gesperrt werden. Auf der L327 zwischen Jakobwüllesheim und Bubenheim geriet gegen 13 Uhr ein Lkw mit Anhänger im Sturm außer Kontrolle. Beim Gegenlenken kippte das Gespann um. Für die Bergungsarbeiten wurde die Straße am Nachmittag gesperrt.

Gesperrt ist auch der Burgauer Wald. Die Forstabteilung des Dürener Service Betriebs sprach Dienstagmittag ein Betretungsverbot aus, weil weiterhin mit umstürzenden Bäumen gerechnet werden muss. Die Sperrung soll voraussichtlich bis Karfreitag andauern.

Gravierende Auswirkungen hatte „Niklas“ auf den Bahnverkehr, der in Nordrhein-Westfalen zum Stillstand kam. Auch am Dürener Bahnhof strandeten zahlreiche Pendler. „Ich müsste schon längst in Köln auf der Arbeit sein“, sagte eine Altenpflegerin aus Düren mit Blick auf die Uhr und mit der Hoffnung, die Kollegen irgendwann doch noch ablösen zu können. Doch dann ertönte die Durchsage erneut: Die DB Regio hat den Verkehr vorläufig eingestellt. Fernverkehrszüge fahren vereinzelt. „Gut, dass ich nur die Rurtalbahn nehmen muss“, kommentierte ein Mann – einer der wenigen Menschen, die Dienstag am Bahnhof ein Lächeln im Gesicht hatten.

„Wenn die Bahn wegen eines Streiks nicht kommt und ich deswegen nicht zur Arbeit komme, dann ärgere ich mich, aber wenn das Wetter schuld ist: Da kann ja niemand dafür“, kommentierte eine junge Dürenerin, die in Köln-Kalk arbeitet. „Aber mein Chef wird sich natürlich freuen“, sagte sie ironisch. Wirklich gefreut hat auch das Personal im Bahnhofscafé, dort herrschte deutlich mehr Betrieb als an normalen Tagen.

Am Bahnsteig wurde viel telefoniert und nach Lösungen gesucht. Die Stimmung war nicht gut, aber ruhig. Viele fanden andere Möglichkeiten der Fortbewegung, orderten Taxen, baten Verwandte und Bekannte um Hilfe oder fanden sich zu Fahrgemeinschaften zusammen. So mancher, der im Zug von Aachen nach Au (Sieg) saß und in Düren wieder aussteigen musste, wirkte aber auch sehr ratlos. Ein Team von Ehrenamtlern versorgte Gestrandete mit heißem Tee.

Gegen 17 Uhr, wenn an gewöhnlichen Tagen viel Betrieb am herrscht, war es ungewohnt ruhig. Dass keine Regionalzüge fuhren und seit 15 Uhr auch keine S-Bahnen mehr hatte sich längst rumgesprochen.

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