Niederauer Schildkrötenflüsterin feiert „Goldene Hochzeit“

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
Tapsy
Seit 50 Jahren im Besitz von Ute Bauer: die Schildkröte Tapsy. Foto: Ingo Latotzki
14787370.jpg
Dieses Gehege hat Ute Bauers Ehemann gebaut. Links im Bild der Stall namens „Herzhausen“, angelehnt an eine Geschichte von Astrid Lindgren. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Ute Bauer feiert am Donnerstag „Goldene Hochzeit“, obwohl sie mit ihrem Mann erst 39 Jahre verheiratet ist. Das immer seltener werdende Jubiläum feiert sie mit einer gewissen Tapsy, die an diesem Vormittag faul in der Sonne liegt. Tapsy ist eine Schildkröte.

Es ist der 15. Juni 1967, als das Tier bei Ute Bauer einzieht. Sie selbst ist da noch ein Kind, aber dass sie eine Schildkröte haben wollte, wusste sie genau. Spätestens nach einem Besuch im Kölner Zoo war klar: „Schildkröten sind meine Tiere.“

Wie das bei Kindern schon mal ist, kaufte eine Freundin kurzerhand eines dieser Reptilien, Ute Bauer nahm es an – und stellte ihren Vater vor vollendete Tatsachen. Aber es ging nicht gut mit dem putzigen Tierchen, und weil der Vater seine Tochter nicht leiden sehen konnte, kaufte er ihr in der damaligen Tierhandlung an der Kölnstraße eine neue Schildkröte – für fünf Mark.

Mittlerweile hat Ute Bauer sechs Land- und drei Schildkröten. Tapsy ist die Älteste, manche sind Mitte 30, andere jünger. Ute Bauer lebt mit ihren Tieren in Niederau. Ihr Mann, der kein Problem damit hat, dass seine Frau am Donnerstag mit Tapsy und (noch) nicht mit ihm „Goldhochzeit“ feiert, hat ein großes Gehege gebaut, das fast die Hälfte des Gartens einnimmt. Schmuckstück ist ein Stall namens „Herzhausen“, in dem die Tierchen übernachten. Der Name geht zurück auf eine nette Geschichte von Astrid Lindgren, in der ein kleiner Junge nicht mehr bei seinen Eltern leben will und sich statt dessen in einer kleinen Hütte mit dem Namen Herzhausen einquartiert. Pelle kehrt schließlich zurück zu seinen Eltern.

Eine Schildkröte von Ute Bauer suchte auch eines Tages das Weite und wurde schließlich im Weiher an Schloss Burgau wiederentdeckt – mit einem verschluckten Angelhacken. Leider war das Tier nicht mehr zu retten. So ergeht es häufiger auch Schwänen, die in dem Gewässer leben.

„Ich merke genau, wie es meinen Tieren geht“, sagt Ute Bauer und bezeichnet sich selbst mit einem Augenzwinkern als Schildkrötenflüsterin. Sie pflückt für ihre Tierchen Kräuter, damit sie ausgewogen ernährt sind. Manche Schildkröten werden allein deshalb nicht so alt, „weil sie das Falsche zu fressen bekommen“, weiß Ute Bauer. Offenbar fühlen sich die Reptilien wohl in Niederau, denn manche Schildkröten kommen, wenn Ute Bauer sie ruft. „Wir sind seelenverwandt“, sagte sie, wieder mit einem Augenzwinkern.

Da Schildkröten bei guter Pflege durchaus zwischen 80 und 100 Jahre alt werden, ist jetzt schon klar, dass Ute Bauers Tochter einen Teil der Tiere übernehmen muss. „Das ist aber kein Problem“, sagt Ute Bauer.

An schönen Tagen wie in dieser Woche liegen die Schildkröten entspannt im Garten. Von November bis März/April halten sie Winterschlaf. Träge Tiere. „Das finde ich gut“, sagt Ute Bauer, „manchmal bin ich sogar etwas neidisch, wie faul sie sein können“. Die 61-Jährige nimmt ihr tierisches Verhältnis zu den Schildkröten mit Humor. Seit 18 Jahren arbeitet Ute Bauer, die gelernte Chemielaborantin ist, in der Grundschule Niederau in der Übermittagsbetreuung.

Heute nicht, da ist frei. Vor allem hat Ute Bauer ein besonderes Fest zu feiern: Dass jemand seit 50 Jahren mit ein und demselben Tier zusammenlebt, kommt selten vor. Und bestimmt wird auch Ute Bauers Ehemann mit anstoßen, wenn die „Goldhochzeit“ ein wenig gefeiert wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert