Niederauer Mühle sorgt wieder für Zündstoff

Von: Sarah Maria Berners
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Die Niederauer Mühle ist einmal mehr Streitthema. Foto: smb

Kreuzau. Der Graben zwischen Politik und Verwaltung auf der einen Seite und der Niederauer Mühle auf der anderen Seite wird immer tiefer. Die Politik fühlt sich „verarscht“. Der Ton wird schärfer, die Emotionen kochen – wie immer, wenn es um die Papierfabrik geht – hoch.

„Ein gutes Miteinander sieht anders aus“, merkte SPD-Politiker Axel Böcking in der Sitzung des Bauausschusses an. Und genau um dieses Miteinander, genauer gesagt um ein Fehlen dieses Miteinanders, geht es im aktuellen Streit.

Der ist zwar nicht aus heiterem Himmel gefallen, sondern resultiert aus einem neuerlichen Antrag der Niederauer Mühle. Aber in erster Linie wurde im Bauausschuss nicht um die Sache diskutiert. Es ging vielmehr um das Vorgehen der Antragstellerin, um mangelnden Dialog mit Politik und Verwaltung, um Absprachen, die nicht eingehalten worden seien.

Zum Antrag: Die Niederauer Mühle möchte auf ihrem Gelände die Vorkläranlage für das von ihr genutzte und verschmutzte Wasser erweitern. Erst nach der Vorbehandlung soll das Wasser über den Hauptsammler zur Kläranlage nach Merken gebracht werden. Das im Prozess entstehende Klärgas will die Firma energetisch nutzen. Genehmigungsbehörde ist die Bezirksregierung in Köln.

Der Bau der Anlage ist dringend erforderlich, weil die Zentralkläranlage des WVER an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. „Die Antragsstellerin ist einer der großen Einleiter von gelösten organischen Substanzen“, heißt es in den Unterlagen der Verwaltung. Für diese Einleitung muss die Papierfabrik auch entsprechende Gebühren bezahlen.

Der WVER müsste nach eigenen Angaben zehn Millionen Euro in eine Erweiterung der Kläranlage investieren, um die Grenzwerte für die sauerstoffzehrenden Stoffe im gereinigten Wasser zu erreichen, sollte die Niederauer Mühle ihre Abwässer nicht selbst vorklären. Genau aus diesem Grund ist auch die Kreuzauer Politik gar nicht per se gegen den eigentlichen Inhalt des Antrags.

Die Politiker machten ihrem Ärger Luft, dass die Niederauer Mühle den Antrag nicht früher auch ihnen und der Verwaltung vorgelegt hat, damit ausreichend Zeit zur Beratung bleibe. Auch hätten sie offenere und offensivere Informationen erwartet (siehe Infokasten). Eine Stellungnahme mit kritischen Anmerkungen zum Antrag – auch mit Blick auf Lärm und Geruch – wird dieser Tage nach Köln verschickt.

Einem Antrag der Firma auf vorzeitigen Baubeginn hat die Gemeinde widersprochen, schließlich gelte es, noch den Ratsbeschluss im Februar abzuwarten. Dann muss der Rat entscheiden, ob für die Anlage notwendige Gebäude höher sein dürfen, als es den Vorgaben im Bebauungsplan entspricht. Dafür wollen Politik und Verwaltung allerdings zunächst eine plausible Begründung der Firma erhalten, die diese Höhe als technisch zwingend notwendig bezeichnet habe.

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