Nideggener Kita: Im „Zauberland“ wird Flexibilität erprobt

Von: Burkhard Giesen
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Marion Schwirtz und Tobias Linz wollen in der Kita auf flexiblere Öffnungszeiten setzen. Foto: Giesen

Nideggen. Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, kann für Eltern schwierig sein und entscheidet sich spätestens an der Frage, zu welchen Zeiten das Kind in der Tagesstätte betreut werden kann. Passt die Betreuungszeit zur Arbeitszeit?

Wohin mit dem Kind in den Ferien? Wie funktioniert das im Schichtdienst? Helfen flexiblere Öffnungszeiten berufstätigen Eltern? Wie aber wirken sie sich auf die Kinder aus? Fragen, auf die man bald in der Nideggener Kindertagesstätte „Zauberland“ die Antworten weiß.

Die Nideggener beteiligen sich am bundesweiten Förderprogramm „KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“. Dabei ist das „Zauberland“ schon jetzt gut aufgestellt. In vier Gruppen werden hier zwischen 7 und 17 Uhr rund 75 Kinder betreut, darunter zwölf Kinder mit Förderbedarf, insgesamt gibt es 18 U 3-Plätze, erzählt die Kita-Leiterin Marion Schwirtz. Ferienzeiten? Gibt es nicht – die Kita ist ganzjährig geöffnet.

Dass im „Zauberland“ vieles etwas anders ist als in anderen Tageseinrichtungen, hat mit der Historie zu tun: Träger ist eine Elterninitiative, die sich 1985 gegründet hat, weil es nicht ausreichend Kindergartenplätze in der Stadt Nideggen gab. Aus dem Provisorium – ein vom Altbürgermeister bereitgestellter Raum – wurde 1994 der Neubau an der Wildemannstraße, wo man mit zwei Gruppen startete.

„Inzwischen haben wir lange Wartelisten und stoßen personal- und platztechnisch an unsere Grenzen“, erklärt Tobias Linz vom Vorstand der Elterninitiative. Linz engagiert sich seit zwei Jahren im Vorstand. Seine Tochter war damals in der Kita, jetzt wird sein Sohn dort betreut. „Wir haben uns bewusst für die Kita der Elterninitiative entschieden, weil wir mit Blick auf die Zukunft unserer Kinder am Konzept der Betreuung mitwirken wollten“, sagt Linz.

Die Möglichkeit der Mitwirkung ist es, die viele Eltern reizt. „Wenn Eltern zum Beispiel besondere kreative Fähigkeiten haben, binden wir sie immer gerne ein“, erläutert Marion Schwirtz eine der Möglichkeiten, sich zu engagieren.

Hinzu komme, dass der Vorstand auch inhaltliche Dinge mit den Eltern abstimmt. So gab es zum Beispiel auch bei der Frage, ob man sich an dem Förderprojekt des Familienministeriums beteiligen solle, zunächst eine Bedarfsabfrage bei den Eltern. Schwirtz: „Der Vorstand ist immer sehr nah am Geschehen.“ Umgekehrt die Eltern auch. Linz: „Ich glaube schon, dass sich die Eltern hier deutlich mehr mit ihrer Kita identifizieren und sich einbringen.“

Die Zeiten, in denen man sein Kind zur Verwahrung zwischengeparkt hat, scheinen vorbei zu sein. Wie weit das „Zauberland“ seiner Zeit voraus war, wird an einem anderen Punkt deutlich: Während heute die Inklusion das große Thema ist und man sich immer noch mit der Frage beschäftigt, wie man behinderte Kinder integrieren und vor allem entsprechend ihrem Bedarf betreuen kann, wird das in Nideggen seit 1998 bereits praktiziert.

Schwirtz: „Schon beim Bau unserer Einrichtung haben wir darauf geachtet, dass die Tagesstätte barrierefrei errichtet wird. Für uns ist Inklusion Alltag.“

Sorgen von Eltern, das eigene Kind könne zu kurz kommen, konnten schnell ausgeräumt werden. Im Gegenteil: „Die nicht behinderten Kinder entwickeln einen guten Blick dafür, dass es Menschen gibt, die nicht alles können und sehen aber auch, dass sie andere Lösungen finden und trotzdem teilhaben können.“

Eine Erfahrung, die Vater Tobias Linz nur bestätigen kann: „Mein Sohn geht ganz normal mit Behinderungen anderer Menschen um. Und das nicht nur im Kindergarten, sondern auch im Alltag. Man kann als Vater dann auch noch mal von seinem Sohn lernen.“

Gelernt hat man im „Zauberland“ auch, dass die feste Gruppenzuteilung für die Kinder hilfreich ist. „Das setzt einen klaren Rahmen und bietet eine gute Struktur für die Kinder, gerade auch für die U 3-Kinder und die Kinder mit Förderbedarf“, sagt Marion Schwirtz. Deswegen werde man an dieser Struktur auch nicht rütteln.

Genauso wenig an der Dauer der Betreuungszeit. Tobias Linz: „Wir können uns vorstellen, die Öffnungszeiten nach vorne und hinten auszudehnen oder auch eine Betreuung an Samstagen anzubieten. Das wird aber nichts an der Dauer der Betreuung in der Woche ändern. Da müssen wir auch die Kinder schützen. Ein Kind zum Beispiel erst um 22 Uhr zu uns zu bringen, kann nicht in seinem Sinne sein.“

Bis zum 1. Januar wollen Mitarbeiter und Vorstand mit den Eltern gemeinsam das neue Konzept erarbeiten. Es gilt das Personal einzuteilen, zu überlegen, wie die Kinder in den zusätzlichen Zeiten sinnvoll beschäftigt werden können, was an zusätzlicher Ausstattung angeschafft werden muss.

„Ohne die Fördermittel wäre das nicht umzusetzen“, sagt Tobias Linz. Das hat natürlich einen Haken: Laufen die Mittel Ende 2018 aus, muss eine Alternative her. „Wir haben die Beteiligung an dem Programm vorab mit dem Kreis Düren abgesprochen“, betont Linz.

Und Marion Schwirtz ergänzt: „Wir werden deswegen auch sehr eng mit der Kreisverwaltung zusammenarbeiten.“ Hilfe bei der Umsetzung verspricht sich Schwirtz auch noch von anderer Seite: Das Konzept des Bundes ist darauf ausgelegt, die Einrichtungen, die gefördert werden, kontinuierlich zu beraten. Vielleicht wird es aber auch anders kommen.

So wie Tobias Linz vom Vorstand der Elterninitiative von seinem Sohn lernt, könnten die Projektbegleiter vielleicht auch von dem lernen, was im „Zauberland“ schon jetzt Alltag ist.

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