Nideggen - Nideggener erinnern an jüdische Gemeinde vor Ort

Nideggener erinnern an jüdische Gemeinde vor Ort

Von: Gudrun Klinkhammer
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Nideggener gedachten der Befreiung jüdischer Mitbürger aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau vor 70 Jahren. Foto: gkli
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Im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz gedachten am Dienstag Überlebende und Politiker aus vielen Ländern den Opfern des Holocausts. Foto: dpa

Nideggen. „Nie wieder“ lautete die Botschaft am Dienstagmorgen in Nideggen. Vor dem Rathaus hatten sich Vertreter von Politik und Kirchen, des Heimat- und Geschichtsvereins und Schüler und Lehrer der Hauptschule zu einer Gedenkveranstaltung eingefunden.

Anlass war der Tag vor 70 Jahren, an dem Mitglieder der russischen Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit hatten. Hauptinitiator der Veranstaltung in Nideggen war Franz-Josef Brandenburg. Der ehemalige Lehrer der Hauptschule Nideggen und Schulleiter der Grundschule Embken hatte bereits Ende der 1970er Jahre mit seinen Schülern die jüngere Geschichte beleuchtet und mehrere Schriften verfasst, unter anderem 1989 das Buch „Die Juden von Nideggen“.

2002 stiftete er mit weiteren Spendern eine eiserne Gedenktafel für die ehemaligen jüdischen Mitbürger der Stadt am Eingang zum Rathaus, an der nun auch das Gedenken stattfand.

Franz-Josef Brandenburg erinnerte in seiner Ansprache: „Auschwitz-Birkenau war das größte Konzentrationslager der braunen Bande. Es war ein Ort des Schreckens, in dem mehr als eine Million Menschen in einem System von Gaskammern grausam ermordet wurden.“ Zu den Toten zählten nicht nur Juden, sondern auch Roma, sowjetische Kriegsgefangene, Polen sowie politische Häftlinge und Homosexuelle.

Registernummer 178 796

Vermutlich wurden 78 Juden aus dem Nideggener Stadtgebiet beziehungsweise deren Verwandte von den Naziverbrechern in den Konzentrationslagern umgebracht. Franz-Josef Brandenburg berichtete, dass es vor der Machtergreifung Hitlers in Nideggen eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Bürgern jüdischen Glaubens gab: „Im Nideggener Stadtteil Embken waren es sogar um die zehn Prozent“, sagte Brandenburg. Weitere Juden lebten in Nideggen, Schmidt, Berg und Wollersheim. Sie seien fester Bestandteil der Ortschaften gewesen.

Zwei der Juden, die nach Auschwitz deportiert wurden, waren Benno Schwarz und sein Bruder Wilhelm aus Embken. Benno Schwarz trug seine Registernummer 178769 auf dem Unterarm, die ihm dort, wie auch allen anderen Verschleppten, eintätowiert worden war. 1942 wurde er nach Buchenwald verlegt und am 23. April 1945 befreit.

In Buchenwald hatte sich Benno Schwarz eine Fleckfiebererkrankung zugezogen. Die Folge war ein schweres Herzleiden, das schließlich zum Tode führte. Seine Frau Renate und sein Sohn Karl, der zu seinem Schutz wohl „Charles“ gerufen wurde, sind verschollen. Karl Schwarz war wohl auch in Auschwitz, 1960 wurde er vom Amtsgericht Stolberg für tot erklärt.

Margit Göckemeyer, die Bürgermeisterin von Nideggen, mahnte nach den Ausführungen: „So was darf nicht mehr zugelassen werden. Stattdessen sollten wir immer voneinander lernen.“

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels war von dem „Konzentrationslager im polnischen Auschwitz-Birkenau“ die Rede. Wir haben die Formulierung nachträglich überarbeitet, um eindeutig herauszustellen, dass das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Deutschen (in der Nähe der polnischen Stadt Oświęcim) errichtet wurde.

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