Nideggen gedenkt: Stolpersteine erinnern an die Schicksale

Von: Gudrun Klinkhammer
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Auch Schüler der Gemeinschaftshauptschule Burgauer Allee aus Düren nahmen an der Setzung der Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Mitbürger in Nideggen teil. Foto: Gudrun Klinkhammer
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An Mitglieder der Familie Kratz erinnern die Stolpersteine an der Zülpicher Straße 9 in Nideggen. Foto: Gudrun Klinkhammer

Nideggen. Der jüdischen Familien Kratz wurde am Freitagmorgen an der Zülpicher Straße 9 gedacht. In der Altstadt von Nideggen ließ der Künstler Gunter Demnig vier kleine, quadratische Mahnmale in den Gehweg ein.

Der Gedenkveranstaltung wohnte Nideggens Bürgermeister Marco Schmunkamp (parteilos) bei sowie einige Schüler der Gemeinschaftshauptschule Burgauer Allee, die polnische Wurzeln haben. Schmunkamp: „Die Steine sollen uns unter anderem daran erinnern, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist.“

Die Schüler trugen die Lebenswege der Verstorbenen, denen ein Stein gesetzt wurde, vor. Zwei Familien trugen in Nideggen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts den Namen Kratz. Die Familienvorstände führten jeweils den Vornamen Norbert. Zur besseren Unterscheidung nannte sich die eine Familie Norbert Kratz senior und die andere Norbert Kratz junior.

Familie Norbert Kratz senior lebte im Haus an der Zülpicher Straße 9 in Nideggen. 1874 erblickte er an dieser Stelle das Licht der Welt, 1940 starb er in Köln. Verheiratet war er mit Isabella „Berta“, eine geborene Ullmann. Die Eheleute betrieben eine Landwirtschaft und waren begütert. Während das männliche Familienoberhaupt in der Nazizeit Schutz in der Anonymität der Großstadt suchte, blieb Berta zunächst in Nideggen. 1941 zog sie nach Nörvenich, ihre Spur verliert sich im polnischen Durchgangslager Izbica.

In USA ausgewandert

Das Paar hatte zwei Kinder: Käthe und Friedrich „Fritz“ Jakob. Käthe lebte als verheiratete Schwarz in den 1950er Jahren in Montevideo/Uruguay. Fritz legte 1926 das Abitur am Wirteltor-Gymnasium in Düren ab und wurde Rechtsanwalt. Nach Haft wegen seiner Religionszugehörigkeit und Inhaftierung im KZ Sachsenhausen wanderte er in die USA aus und wurde Offizier in der US-Armee. Später lebte er in Nahalal/Israel unter dem Namen Jakob Gerdi, ab 1989 wohnte er wahrscheinlich wieder in den USA.

Aus der Nideggener Linie Kratz stammen ebenfalls Emma und Fanny Kratz. Beide wurden deportiert und am Ende des Zweiten Weltkriegs für tot beziehungsweise verschollen erklärt. Weitere zwölf Stolpersteine wurden an diesem Morgen in Nideggen-Berg und Embken verlegt. Bereits im Oktober waren 19 Stolpersteine verlegt worden, für neun weitere liegen entsprechende Spenden vor. Insgesamt könnten bis zu 72 Stolpersteine verlegt werden, wenn sich weitere Spender finden, betonte Initiator Franz-Josef Brandenburg.

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