Neun Schüler zimmern für den Steinkauz

Von: Carsten Rose
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Echte Handarbeit: Schüler der zehnten Klasse der Hauptschule Nideggen haben fünf Brutkästen für Steinkäuze gezimmert. Es war ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station im Kreis Düren. Foto: Rose
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Doris Siehoff „posiert“ mit einem Steinkauz. Foto: Rose

Nideggen/Kreuzau. Als Doris Siehoff den kleinen Steinkauz in die Runde hält, zücken die acht Jungs vor ihr die Smartphones – klick, Foto. Das ist also einer der Vögel, für die die Schüler der Nideggener Adolf-Kolping-Hauptschule in den vergangenen Wochen Nistkästen gezimmert haben. Bislang kannten die Teenager die Tiere nur aus den Unterrichtsfilmen.

Die Gruppe steht an diesem Vormittag auf der Streuobstwiese von Gerhard Kuckertz in Kreuzau-Boich. Anderthalb Hektar, 160 Obstbäume, zwei Nistkästen für Steinkäuze – einen bekommt er bald von der zehnten Klasse der Nideggener Hauptschule dazu.

Kuckertz profitiert davon, dass die Schüler von Lehrerin Gerda Engel ihren Unterricht mit der Biologischen Station im Kreis Düren abgestimmt haben. Als sie bei der Station angerufen habe, erzählt Engel, ob es etwas gäbe, dass sie ihre Schüler im Technikunterricht bauen lassen könnte, waren die Nistkästen die Antwort. Und so haben neun Schüler fünf Kästen in den vergangenen zwei Monaten – oder 36 Stunden Unterrichtsstunden – gezimmert. Ohne Bauplan, nur mit einem Prototyp als Vorlage.

185 besetzte Reviere

Doris Siehoff aus Hürtgenwald ist für die „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ unterwegs und kümmert sich um den Steinkauzschutz im Kreis Düren. Sie kam diese Woche quasi zur Abnahme der Schutz- und Nistkästen in die Schule und erzählte den 15- bis 18-Jährigen über ihre Arbeit mit der Eulenart. So packte Siehoff zum Beispiel einen kleinen Lautsprecher aus, mit dem sie Steinkauz-Rufe abspielte: Macht sie das in der Natur, und ein Steinkauz erwidert die Rufe, weiß sie, dass das Revier besetzt ist. Das ist das sogenannte „Verhören“. Im Kreis Düren waren im vergangenen Jahr mindestens 185 Reviere besetzt. In Boich etwa stehen acht Nisthilfen, sechs davon waren besetzt.

Auf der Streuobstwiese von Gerhard Kuckertz fanden die Nideggener Schüler zwei Steinkäuze in einem Brutkasten vor. Erst wurden die Tiere reflexartig fotografiert, danach bekam ein Schüler Stift und Block in die Hand gedrückt – Dokumentation ist eine Hauptaufgabe von Doris Siehoff. Unter anderem werden die Nummer auf dem Ring am Bein, das Gewicht – daran erkennt man, ob das Tier männlich oder weiblich ist – und der Ort festgehalten.

Dominick Hooreman ist einer der Schüler von Gerda Engel, die Technik und Biologie unterrichtet. Weder hat er eine Tischler-Karriere vor sich noch ist die Vogelkunde sein Hobby. Aber das Projekt, das Handwerk, sagt er, habe ihm trotzdem viel Spaß gemacht. „Ich fand es mal interessant, etwas über den Steinkauz herauszufinden“, sagt der 17-Jährige und unterstreicht: „Das Projekt hätte ruhig noch länger gehen können.“

Im Juni hat er, wenn die Planung seiner Lehrerin bestehen bleibt, noch einmal die Chance, einen oder mehrere Steinkäuze hautnah zu erleben. Weil der Eulennachwuchs jedes Jahr Ende Mai schlüpft, will Gerda Engel mit der Gruppe noch einmal mit Doris Siehoff in die Natur raus, wenn die Tiere „die Augen offen“ und ein paar Gramm mehr unter den Federn und an den Beinen haben. Dann können sie sehen, wie die sogenannte Beringung abläuft, um die Steinkauz-Population in der Region festzuhalten.

2017 kann nur besser werden, glaubt man der 2016er-Analyse von Doris Siehoff: 226 kleine Eulen sind beringt worden – „kein gutes Jahr“, meint die Expertin, weil die hungrigen Steinkäuze zu wenige Mäuse gefunden hatten. Deswegen brüteten sie weniger. In sechs von 77 Bruten fanden die Naturschützer tote Jungen, als sie diese beringen wollten. In 26 Fällen hatten die Elternvögel die Brut aufgegeben.

Für Dominick Hooreman und seine Mitschüler bleibt zu hoffen, dass sie im Juni Glück haben. Ein Foto der Beringung wäre doch ein guter Abschluss des Projektes.

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