Neugestaltung des Papiermuseums: Finanzen bereiten Sorgen

Von: Jörg Abels
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Optisch leicht schwebend soll sich das neue Papiermuseum mit einer Architektur, die die Faltbarkeit von Papier ebenso widerspiegelt wie das Thema Wasserzeichen vom wuchtigen Anbau des Leopold-Hoesch-Museums abgrenzen und doch ein städtebauliches Ensemble bilden. Entwurf: Hollenbeck
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Stadt und Politik sind sich einig, dass das bestehende Gebäude moderne Standards und Anforderungen an ein Museum nicht mehr erfüllt. Foto: ja

Düren. Bürgermeister Paul Larue forderte eines starkes Signal an die privaten Geldgeber, um nicht Gefahr zu laufen, Partner bei der Finanzierung zu verlieren. Das hat er bekommen. Einstimmig haben sich die Mitglieder des Kultur- und des Verkehrs- und Bauausschusses in einer gemeinsamen Sitzung bei einer Enthaltung für die Sanierung, Erweiterung und inhaltliche Neukonzeption des Papiermuseums ausgesprochen.

Es soll laut Baudezernent Paul Zündorf zum „Leuchtturmprojekt“ im Rahmen des Masterplan-Prozesses werden und neben dem Leopold-Hoesch-Museum in die 1. Liga der deutschen Museen aufsteigen.

Unklare Folgekosten

Allerdings konnten nicht alle „Sorgen“, die SPD-Fraktionschef Henner Schmidt noch rund um das mittlerweile 3,7 Millionen Euro teure Projekt beschäftigen, ausgeräumt werden. So blieb die Verwaltung eine verbindliche Aussage zu den erwarteten Folgekosten schuldig. Eine grobe Berechnung läge zwar bereits vor, betonte Zündorf, er wolle aber erst noch die Detailplanung des Architekten abwarten, um der Politik dann verlässliche Zahlen nennen zu können. Henner Schmidt befürchtet, dass allein die Betriebskosten um bis zu 300.000 Euro pro Jahr steigen und damit den städtischen Haushalt weiter belasten könnten.

Auch zur Frage einer etwaigen Personalaufstockung zur Umsetzung des neuen Museumskonzepts gab es im Ausschuss erst einmal keine Antwort. Erst auf Nachfrage erklärte Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann nach der Sitzung, dass zusätzliches Personal immer wünschenswert sei, die konzeptionelle Neuausrichtung aber auch mit den vorhandenen Mitarbeitern bewältigt werden könnte.

Aktuell wird der städtische Zuschussbedarf für den laufenden Betrieb des Papiermuseums im Doppelhaushalt der Stadt mit einer Viertelmillion Euro kalkuliert, bei Einnahmen aus Eintrittsgeldern von jährlich 11.000 Euro. 2012 waren es nur 5531 Euro. Konkrete Aussagen zur tatsächlichen Zahl der Besucher gab es im Ausschuss trotz Nachfrage nicht, lediglich die Mitteilung der Museumsleitung, dass jährlich etwa 30.000 Gäste beide Häuser aufsuchen, darunter 5000 zahlende. Dazu kommen unter anderem Schulklassen und Besucher von Ausstellungseröffnungen.

Schmidts größte Sorge aber gilt der immer noch bestehenden Lücke in der Finanzierung des 3,7 Millionen Euro teuren Projekts in Höhe von 410.000 Euro. Bislang steuern private Stiftungen eine Million Euro bei, 700 000 Euro kommen von der Dürener Papierindustrie, 180 000 Euro will die NRW-Stiftung übernehmen, rund 1,4 Millionen Euro Steuergelder sollen in das Projekt fließen. Vom Kreis Düren und vom Landschaftsverband Rheinland werden davon jeweils 300.000 Euro erwartet, aus Mitteln der Städtebauförderung des Landes im Rahmen des Masterplanprozesses 220.000 und die Stadt selbst will sich mit nunmehr 600.000 Euro beteiligen. Die Hälfte steht bereits im laufenden Doppelhaushalt, die andere Hälfte soll 2016 bereitgestellt werden.

Dr. Renate Goldmann betonte im Ausschuss, dass sie guter Dinge sei, die Finanzierungslücke im kommenden Jahr schließen zu können, „wenn alle sich noch ein Stück bewegen“. Ob das auch noch einmal ein kräftigeres Engagement der Stadt bedeutet, blieb offen.

„Wir können den Bau aber erst verbindlich beschließen, wenn alle Zahlen wirklich belastbar auf dem Tisch liegen“, forderte Schmidt, der prinzipiell für den Neubau ist. Da dies nach Aussage von Paul Zündorf und Bürgermeister Paul Larue bis zur Grundsatzentscheidung im Stadtrat am 17. Dezember nicht möglich sei, soll eine detaillierte Kostenaufstellung nun bis zum Frühjahr vorgelegt werden..

Die noch vorhandene Lücke in der Finanzierung soll binnen Jahresfrist geschlossen sein, so dass im November 2015 mit den Bauarbeiten begonnen werden könnte. Stand heute ist die Neueröffnung des Papiermuseums für den Juni 2017 vorgesehen. Die architektonischen Schwerpunkte liegen im Anbau, in einer gefalteten Außenfassade, die Alt und Neubau miteinander verbindet und Wasserzeichen in Form von Fensterausfräsungen beinhaltet. Das Gebäude soll komplett barrierefrei bleiben.

Papiermuseum und Leopold-Hoesch-Museum sollen ein städtebaulich attraktives Bauensemble bilden, betonte Zündorf. Er sprach von einer Erweiterung der Kulturmeile, bestehend aus Pleußmühle, Stadtmauer, Papiermuseum, Leopold-Hoesch-Museum und Marienkirche, die dann mit der geplanten Bebauung des Hoeschplatzes im Rahmen des Masterplan-Prozesses ihren Abschluss finden soll. Das Gesamtensemble soll den Charakter des Bereichs als vornehmer Stadtraum, der die westliche Innenstadt abschließt, betonen.

Inhaltlich soll das neue Papiermuseum unterschiedliche Themen präsentieren, von der Papierkunst über die globale und industrielle Papierkultur, sowie den täglichen Gebrauch von Papier bis hin zu den Bereichen Ökologie und Ökonomie.

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