Düren - Neuer Streetscooter-Standort: Neapco betritt den Markt für E-Mobilität

Neuer Streetscooter-Standort: Neapco betritt den Markt für E-Mobilität

Von: cro
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Am Montag noch offizieller Gast, ab 2018 ein Serienprodukt bei Neapco in Düren: der Streetscooter. Foto: Rose
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Für Betriebsrat Jürgen Müller (rechts) und Betriebsleiter Frank Lamberti eine freudige Nachricht. Foto: Rose

Düren. Der Gefühlswandel von Jürgen Müller innerhalb eines Jahres hat am vergangenen Freitag seinen positiven Höhepunkt erreicht. Zum Wochenende, so sagte er am Montag, habe der Neapco-Betriebsrat bei der Mitarbeiterversammlung vom „glücklichsten Moment der vergangenen 25 Jahre“ erzählt. Denn Neapco kann – nachdem Ende 2016 der ganze Standort infrage stand – „Teil einer neuen, zukunftsträchtigen Industrie“ werden.

Gemeint ist die Produktion des Streetscooters. Das Dürener Unternehmen und die Deutsche Post haben am Montag ganz offiziell verkündet, was bereits seit Mitte September publik ist: Die Post lässt ab Mitte 2018 zwei seiner Elektro-Transportfahrzeuge mit einer Stückzahl von bis zu 10.000 pro Jahr in Düren montieren.

250 Arbeitsplätze werden in der Startphase in Düren größtenteils neu entstehen. Und zwar vorrangig in der Montage, der Logistik und der Qualitätssicherung. Somit steigt die Zahl der Beschäftigten an der Henry-Ford-Straße von momentan rund 1000 (davon 800 Neapco-Angestellte) um rund ein Viertel. Dr. Jürgen Liermann, Projektleiter bei Neapco, teilte mit, dass die Mannschaft des Streetscooter-Projektes sowohl aus eigenen als auch externen Kräften bestehen wird – die Suche beginnt jetzt.

Ob bald noch mehr Jobs entstehen, darüber darf seit am Montag zumindest munter spekuliert werden. Grund eins: Die Post könnte die Produktion erhöhen. Sie beginnt im Ein-Schicht-System, eine Ausweitung auf das Zwei- oder Drei-Schicht-System ist möglich. Grund zwei: Das Bonner Unternehmen will in den kommenden beiden Jahren einige Hundert Fahrzeuge des Typs Streetscooter „Work L“ mit Brennstoffzellen-Antrieb (Reichweite: 500 Kilometer, siehe Infobox) testen. Montiert wird der „Work L“ in Düren. Konkrete Angaben zu den Brennstoffzellen-Plänen als auch mögliche Auswirkungen für Neapco wollte die Post am Montag nicht machen.

Unbeantwortet blieb seitens Neapco-Geschäftsführer Dr. Martin Esser die Frage, welche Investitionssumme sich hinter der Formulierung „mehrere Millionen Euro“ verbirgt. Das Geld muss Neapco aufbringen, um etwa ein Drittel der Werkshallen (rund 25.000 Quadratmeter) umzurüsten. Genutzt werden die Flächen, auf denen eine andere Produktion bereits ausgelaufen ist oder zum Ende des Jahres auslaufen wird. „An einigen Stellen müssen wir auch enger zusammenrücken“, meinte Esser.

Zusammenrücken ist auch ein Stichwort, das gut zur neuen Kooperation zwischen dem Dürener Automobilzulieferer und dem einst an der RWTH Aachen gegründeten Start-up für Elektromobilität passt: „Wir setzen auf die Erfahrung, die Neapco in der Automobilbranche hat. Das Unternehmen kann uns bei Fragen gut unterstützen“, sagte Ruben Regenbogen, Produktions- und Standortleiter des Unternehmens Streetscooter. Das bedeutet auch, dass Neapco nun im für das Unternehmen neuen Markt E-Mobilität präsent ist. „Wir ergänzen unser Portfolio um eine neue Kompetenz“, sagte Geschäftsführer Esser – wenige Monate vor dem 50-jährigen Bestehen der früheren Fordwerke, in deren Gebäude Neapco untergebracht ist.

Erste Gespräche Anfang 2017

Die Idee, auf Streetscooter zuzugehen, sei laut Thomas Hissel (Stadtkämmerer und Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsförderung Win.DN) im Oktober 2016 auf einem Runden Tisch zur Neapco-Zukunft entstanden. Damals wurden Gerüchte laut, dass Streetscooter expandieren will. Im Februar dieses Jahres folgten die ersten Gespräche.

Die Post setzt bundesweit bereits eine Flotte von rund 3000 E-Autos zur Auslieferung von Paketen ein, deren Produktion aus einem Start-up an der Aachener Universität RWTH hervorgegangen ist. Im Sommer hatte die Post mit dem Autobauer Ford ein Transportermodell mit mehr Platz vorgestellt. Bis Ende 2018 sollen laut früheren Angaben 2500 Elektro-Transporter mit einem Ladevolumen von rund 200 Paketen im Einsatz sein.

Für Bäckerei-Betriebe habe die Post ein elektrisches 3,5-Tonnen-Fahrzeug entwickelt, erklärte sie nun. Im Gespräch seien zudem E-Transporter für Kommunen, Energieversorger, Entsorgungsunternehmen, Flughäfen und Caterer. Rund 200 Handwerksbetriebe hatten Bedarf an Elektro-Fahrzeugen gezeigt.

Die Post will die Leistungsfähigkeit der Streetscooter-Modelle erhöhen. Schafften die E-Autos bisher 85 km pro Stunde bei 80 Kilometern Reichweite, sollen die Neuen mit 120 Stundenkilometer bis zu 200 Kilometer kommen. Autos mit Brennstoffzellen-Antrieb, die mit einer Stromfüllung 500 Kilometer erreichen, würden getestet, hieß es

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