Düren - Neuer Nahverkehrsplan muss bis Jahresende stehen

Neuer Nahverkehrsplan muss bis Jahresende stehen

Von: Burkhard Giesen
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Sieht die Mobilität der Zukunft als große Herausforderung im Kreis Düren: Bernd Böhnke, neuer Mobilitätsbeauftragter des Kreises. Foto: Burkhard Giesen

Düren. In Sachen Mobilität ist Diplom-Ingenieur Bernd Böhnke Experte. Der langjährige Geschäftsführer der Dürener Kreisbahn soll jetzt als neuer „Mobilitätsbeauftragter“ des Kreises Düren das umsetzen, was mit Sicherheit keine leichte Aufgabe wird: die Mobilität der Zukunft gestalten. Auch in unserer Umfrage „Was bewegt Sie im Kreis Düren?“ haben viele Leser bessere Nahverkehrsanbindungen für den ländlichen Raum gefordert.

Die Ansprüche sind also hoch und die Zukunft schon jetzt sehr nahe gerückt ist. Bis Ende des Jahres muss der Kreis Düren den neuen Nahverkehrsplan beschlossen haben, der dann ab 2017 umgesetzt werden soll. Genau für diese Umsetzung trägt Böhnke die Verantwortung.

„Die Bürger sollen künftig möglichst barrierefrei und sozialverträglich von A nach B kommen können“, formuliert Böhnke seinen Anspruch an die Umsetzung des neuen Nahverkehrsplanes. Böhnke geht dabei von der Annahme aus, dass sich das Mobilitätsverhalten in den letzten Jahren grundlegend geändert hat. Es gibt nicht mehr die Nutzer, die nur Bus oder nur Bahn fahren. Heute bedient man sich einer ganzen Kette von Verkehrsmitteln.“

Genau darauf soll das Mobilitätskonzept für den Kreis künftig aufgebaut werden: die unterschiedlichen Verkehrsmittel zu vernetzen und zusätzliche neue Angebote zu schaffen – das weitestgehend in der Hand der Dürener Kreisbahn, die die Konzeption dann umsetzen soll.

Wer also von A wie Rödingen-Höllen nach B wie Düren will, kann vielleicht dann künftig das Anruf-Sammeltaxi, den Bus und die Bahn nutzen, um sein Ziel zu erreichen und die Tickets per App vom Smartphone aus bezahlen, um dann von A wie Düren nach B wie Nideggen-Schmidt weiter zu fahren, um nach Rurtalbahn und Schnellbus vielleicht entsprechende Car-Sharing-Angebote zu nutzen.

Vor allem individueller soll der Nahverkehr in der Zukunft werden. Auch aus Kostengründen. „Man muss nicht alles in einen Taktfahrplan fassen, sondern individuell zugeschnittene Angebote offerieren“, sagt Böhnke vor allem vor dem Hintergrund, dass ein Taktfahrplan eben auch ein starres und vor allem teures Konstrukt ist, während flexiblere Angebote wie Anruf-Sammeltaxis bedarfsgerechter agieren können.

In Jülich beispielsweise habe man mit den Anruf-Sammeltaxis äußerst positive Erfahrungen gemacht, um dort die Anbindung der Dörfer an die Stadt sicherzustellen. Jetzt, sagt Böhnke, müsse man dort mit einem Bürgerbus den nächsten Schritt gehen, „um die innerstädtische Vernetzung sicherzustellen und den Anschluss an die Rurtalbahn zu gewährleisten“.

Bei diesem konkreten Beispiel rückt die Zukunft sogar noch näher: noch in diesem Jahr soll der Bürgerbus in Jülich in Angriff genommen werden. „Ich bin sicher, dass sich das in Jülich rechnen wird“, sagt Böhnke, der bei den vielen Wünschen, die in der Diskussion mit den Kommunen stets auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten muss.

Ein anderes Beispiel: Seit Jahren wünschen sich beispielsweise die Nideggener die Anbindung ihrer Jugendherberge an den ÖPNV. Warum? fragt sich Böhnke. Schulklassen würden da sowieso per Bus vorfahren und für einen Haltepunkt nach einem Taktfahrplan sieht er keinen Bedarf. Genau hier könnten sich flexiblere Angebote rentieren.

Der Frage, wie man Mobilität anders organisieren kann, geht Böhnke aber auch noch in einem ganz anderen Punkt nach. Derzeit ist man dabei, bei allen größeren Unternehmen im Kreis Düren gezielt für den stärkeren Einsatz von Job-Tickets zu werben, die neuerdings auch im Verbund von AVV und VRS angeboten werden können. Dementsprechend gibt es eine Befragung der Mitarbeiter. Böhnke: „Wir müssen immer im Blick haben, dass wir attraktiv sein müssen, damit unsere Angebote nachgefragt werden.“

Umgekehrt müssen die Angebote allerdings auch wirtschaftlich sein. Aus seiner Zeit als Geschäftsführer der DKB weiß Böhnke, dass das Absenken von Preisen eben nicht zu einer ausreichenden Mehrnutzung führt. Eine Diskussion, die schon im letzten Wahlkampf in Düren eine Rolle spielte, als die SPD in Ringbussystem für die Stadt vorschlug, bei günstigeren Ticketpreisen, die dann aber von der Stadt hätten bezuschusst werden müssen.

Glaubt man Böhnke, hat Attraktivität aber eben nicht so sehr mit dem Preis, sondern vielmehr mit verbesserten Angeboten zu tun. „Die Mobilität selbst gestalten und flexibler nutzen können“, soll denn auch der Schwerpunkt seiner Arbeit werden, die über das Jahr 2017 mit Einführung des neuen Nahverkehrsplanes hinausgehen wird.

Das nächste große Ziel ist nämlich schon in Angriff genommen: die Reaktivierung der Bördebahn, die jetzt schon an Wochenenden fährt, soll wie die Rurtalbahnstrecken „bis 2020 in vollständigem Betrieb“ sein. Für Böhnke ein ehrgeiziges, dennoch realistisches Ziel, das insbesondere für die Südkommunen im Kreis eine noch bessere Anbindung ermöglichen würde.

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