Neue Windräder zwischen Vlatten, Hausen und Heimbach?

Von: Beate Weiler-Pranter
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Auf diesem Höhenrücken zwischen Vlatten, Hausen und Heimbach wollen fünf Grundstückseigentümer weiterhin einen Windpark errichten. Foto: bwp

Heimbach. Auf dem Reißbrett sieht alles ganz einfach aus: Zwischen Vlatten, Hausen und Heimbach markieren sechs dunkle Kreise jene Stellen, an denen neue Windräder installiert werden sollen. Auf 55 Hektar sind sechs Anlagen mit einer Nabenhöhe von etwa 136 Metern geplant.

Fünf der Windenergieanlagen würden mit jeweils über 50 Meter langen, Rotorblättern ausgestattet und eine Generatorleistung von drei Megawatt erreichen.

Das Kleinste - mit einem Rotordurchmesser von 80 Metern und 2,3 Megawatt Generator-Nennleistung - soll nördlich der L 218 unmittelbar an der Landstraße zwischen Vlatten und Heimbach Strom produzieren. Für den neuen Windpark müssten Investitionen von gut 28 Millionen Euro fließen. Dann könnten - laut Wirtschaftlichkeitsstudie - alle sechs Anlagen bei optimalen Wetterbedingungen jährlich rund 37 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus: Der Stadtrat hat einen Antrag auf Ausweisung einer Windkraftkonzentrationszone im Flächennutzungsplan von fünf Grundstückseigentümern, die den Geschäftsführer der New CaSa Energy GmbH, Torsten Höhl, mit ins Boot geholt haben, abgelehnt. „Windkraftanlagen stellen einen massiven Eingriff in das Landschaftsbild dar. Diese Beeinträchtigung kann sich nur nachteilig auf den Tourismus in unserer Stadt auswirken. Im Hinblick auf die Eröffnung des Feriendorfes Eifeler Tor möchte die Stadtverwaltung keine weiteren Flächen für die Windnutzung ausweisen”, heißt es in der Stellungnahme des Rathauses.

Was die Windkraft-Befürworter besonders verärgert, ist die Tatsache, dass ihnen keine Möglichkeit gegeben wurde, ihr Projekt im Stadtrat detailliert vorzustellen. „Trotz mehrfacher, schriftlicher Anfragen bekamen wir keine Chance, unsere Idee persönlich zu präsentieren”, kritisiert Initiator Heinrich Hoffsimmer. Und Mitstreiter Hermann-Josef Lenzen spricht von Politik unter Ausschluss der Öffentlichkeit, anstatt die Bürger, sowie den örtlichen Energieversorger einzubeziehen, denn eine finanzielle Beteiligung der Heimbacher an Bürgerwindrädern sei möglich, betonen die Befürworter.

„Die vorgesehene Lage ist optimal für einen Windpark”, betont Lenzen, der die Interessen der Hausener Kirche vertritt, auf deren Ländereien gleich zwei Windräder gebaut werden könnten. „Dort oben herrschen gute Windverhältnisse und der Abstand zur nächsten Wohnbebauung beträgt Richtung Hausen und Vlatten jeweils 1300 Meter. Das nächste Haus auf Heimbacher Gebiet befindet sich in 1500 Metern Entfernung. Die gesetzliche Mindestentfernung von 570 Metern wird also deutlich überschritten.” Er könne verstehen, wenn sich trotzdem Bürger gegen Windräder wehren, fuhr er fort. „Mir ist ein Windrad in 1000 Metern Entfernung lieber als ein 1000 Kilometer entferntes Atomkraftwerk”, unterstrich Lenzen.

Zudem würde auch wieder frischer Wind in die klammen Kassen der Kommune kommen, argumentiert die Initiative. Neben der 100.000 Euro hohen Jahrespacht an die Stadt für Wege- und Kabelrechte, sowie der zu erwartenden Gewerbesteuer würden die fünf Standortverpächter zusätzlich auf einen Teil ihrer Jahrespacht verzichten und 150.000 Euro ausschütten. 70.000 Euro davon sollen an die Krischer-Stiftung fließen. Die restlichen 80.000 Euro ständen den sechs Heimbacher Ortschaften für kirchliche, kulturelle, gesellschaftliche und soziale Zwecke sowie Aufgaben des Denkmalschutzes zur Verfügung. Vorausgesetzt, die Stadt würde doch noch einer Änderung des Flächennutzungsplans zustimmen.

Bürgermeister Bert Züll spricht von „Lockmitteln”. „So sollten Gegner des Projekts umgestimmt werden.” Zudem sei Papier geduldig, das habe man im Rat schnell erkannt. „Gewerbeeinnahmen von bis zu 500.000 sind völlig illusorisch”, kritisiert Züll. „Für alle elf bereits in Vlatten errichteten Windräder bekommen wir 2012 gerade mal Gewerbesteuereinnahmen in einer mittleren, vierstelligen Größenordnung,” relativiert er die Wirtschaftlichkeitsstudie.

Nachdem der Antrag mehrfach intensiv diskutiert worden sei, habe der Stadtrat fast einstimmig dagegen gestimmt. „Wir setzen voll auf den Tourismus. Da passen zusätzliche Windräder, die 40 Meter höher sind als der Kölner Dom, nicht ins Bild. Zudem würde bereits jetzt auf Heimbacher Stadtgebiet „Ökostrom” für 50.000 Menschen gewonnen. Das entspreche der zehnfachen Menge des privaten Energiebedarfes im Stadtgebiet. „Wenn jede Stadt soviel Strom aus regenerativen Quellen produzieren würde, sähe es mit der Energiewende ganz anders aus.”
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