Neue Richtung für die Kita-Debatte

Von: Sarah Maria Berners
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Die Aufgaben der Erzieherinnen reichen von Körperpflege bis Bildung. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, wünschen sich die Einrichtungen mehr Personal. Foto: stock/Wilhelm Mierendorf
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Manuela Schwesig, stellvertretende SPD-Bundesvorsitzenden sprach mit Awo-Erzieherinnen über die Situation in den Kitas. Foto: Berners

Kreis Düren. „Über die Anzahl der Betreuungsplätze und über den Rechtsanspruch ist in den vergangenen Wochen und Monaten viel diskutiert worden. Aber die Qualität der Kinderbetreuung steht in der Diskussion hinten an“, kritisiert Hildegard Simon. Die Erzieherin leitet die Awo-Kita in Froitzheim. „Dabei ist die Qualität in der frühkindlichen Bildung besonders wichtig.“

Der Schuh drückt in den Kindertageseinrichtungen an vielen Stellen und die Erzieherinnen haben viele Wünsche: Mehr Personal, kleinere Gruppen und damit mehr Zeit für die Kinder und die Bildung, den Bedürfnissen angepasste Räume, weniger Bürokratie. Unter anderem diese Punkte waren am Dienstag Thema bei einem Treffen der Leiterinnen der Awo-Kitas mit der stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Manuela Schwesig, die in Mecklenburg-Vorpommern das Arbeits- und Sozialministerium leitet. Sie war mit Dietmar Nietan MdB und Peter Münstermann MdL zu Gast.

Die Erzieherinnen verdeutlichten, dass der rasche Ausbau für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren nicht zulasten der älteren Kinder gehen dürfe. „Der pflegerische Aufwand ist in der Vergangenheit enorm angestiegen“, erläuterte Hildegard Simon und forderte: „Wir dürfen die Qualität der Vorschulbildung nicht absenken.“ Vor allem, um dem Auftrag „frühkindliche Bildung“ gerecht zu werden, brauche man individuelle Betreuung und die Möglichkeit, in kleinen Gruppen zu arbeiten. „Zumal es immer mehr Kinder gibt, die diese Förderung brauchen“, betonte Brigitte Krumpen, Leiterin der Kita „Wichteltreff“ in Derichsweiler.

Catrin von Bothemer, Leiter der Einrichtung in Birgel, unterstrich, dass mancher Euro für spezielle Sprachförderung gespart werden könnte, wenn die Kinder in kleineren Gruppen betreut würden. Die Leiterinnen unterstrichen, dass sie „noch bessere Arbeit“ leisten könnten, wenn sie mehr Personal hätten. Darüber hinaus merkten die Erzieherinnen an, dass die „Erziehungsfähigkeit vieler Eltern rückläufig“ sei. „Wir brauchen nicht nur mehr Zeit für die Kinder. Wir müssten auch mehr Zeit haben, um uns mit den Eltern und dem Jugendamt zu beschäftigen.“

Deutliche Kritik übte Ilona Liebsch, Leiterin der Kita in Birkesdorf, an dem Verwaltungsaufwand, der mit der Kostenübernahme für das Mittagessen von Kindern aus ärmeren Familien verbunden sei. „Es ist eine gute Idee, dass es finanziert wird, aber sie ist schlecht umgesetzt.“ Liebsch verdeutlichte, dass viele Eltern mit den Formularen überfordert seien, so dass sie die Aufgabe übernehmen würde. Auch Manuela Schwesig hält diese Lösung für unglücklich. Aber das sei mit Bundesministerin Ursula von der Leyen „nicht verhandelbar“ gewesen.

Schwesig erzählte, dass sie selbst mit neun Monaten in die Krippe gegangen sei und dass ihr Sohn mit anderthalb Jahren die Kita besuche. Sie empfinde das Zusammenspiel von Eltern und Kita als bereichernd. In einer rot-grünen Bundesregierung würde sie sich dafür einsetzen, das Betreuungsgeld abzuschaffen. Stattdessen könnte das Geld für die Finanzierung der Dinge eingesetzt werden, die die Kita-Leiterinnen fordern. Vor allem erachte sie ein Ganztagsangebot und kostenloses Essen für wichtig. Sie fordert bessere Bildungschancen für Kinder und Jugendliche – und das fange im Kindesalter an. Denen, die die frühkindliche Bildung infrage stellen, entgegnet sie, dass diese letztlich auch „ökonomisch vernünftig“ sei.

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