Neue Pflegedirektorin der LRV-Klinik: „Mehr als still, satt und sauber“

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
8603226.jpg
In der LVR-Klinik an der Meckerstraße werden Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt. Für die Betreuer kann die Arbeit sehr belastend sein. Daher gibt es verschiedene Hilfsangebote. Foto: stock/Medicimage, smb
8602902.jpg
Sarina C. Schreiber, Pflegedirektorin.

Düren. „Mir ist es wichtig, dass die Mitarbeiter im Pflegebereich wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe haben. Mehr Zeit für die Arbeit mit den Menschen, denn die Arbeit in der psychiatrische Klinik ist nämlich in der Hauptsache eine den Menschen zugewandte Tätigkeit“, sagt Sarina C. Schreiber, die neue Pflegedirektorin der LVR-Klinik in Düren.

„Es geht heute in einer psychiatrischen Einrichtung nicht mehr darum, dass die Patienten still, satt und sauber sind“, betont Schreiber. Anspruch sei es, die Menschen in ihren Ressourcen zu unterstützen. „Wo es geht, sollen sie sich aktiv einbringen“, erklärt die Pflegedirektorin. Die körperliche Pflege spiele in der Klinik zwar eine Rolle, aber die Ursachen dafür sind eben nicht immer körperlicher Natur.

„Vielfältiges Spannungsfeld“

„Wir beschäftigen uns oftmals mit Menschen, die psychisch nicht in der Lage sind, diese Aufgaben zu erfüllen. Wir begleiten und motivieren sie“, schildert Schreiber die Arbeit ihrer Mitarbeiter, die sie eingebettet in ein „vielfältiges Spannungsfeld“ sieht, dass sich aus der eigentlichen Pflege, Tarifdiskussionen, Dokumentationsaufgaben und vielem mehr zusammensetze.

Die Pflegedirektorin und Chefin von etwa 600 Mitarbeitern in der LVR-Klinik weiß, dass der Beruf ein belastender sein kann. Körperlich und psychisch. „Was die körperliche Belastung anbelangt, ist es wichtig, die Mitarbeiter immer wieder so zu schulen, dass sie Techniken erlernen, mit denen sie Lasten abfangen können“, erklärt Schreiber. Zudem müssten entsprechende Bedingungen für gesundes Arbeite geschaffen werden.

„Die Mitarbeiter haben tagtäglich mit psychisch kranken Menschen zu tun. Sie leisten tolle Arbeit, für die sie in Beziehung mit den Menschen treten müssen. Es kann passieren, dass man selbst diese Situation nicht mehr gut aushalten kann“, weiß Schreiber.

„Deswegen gibt es ein Netzwerk zum Auffangen der Mitarbeiter.“ Supervisionsangebote, vorübergehende Versetzungen und eine rasche Vermittlung therapeutischer Hilfe seien Bausteine dieses Netzwerkes. „Niemand, der etwas erlitten hat, steht alleine da“, betont die Personaldirektorin.

Thema enttabuisieren

Im Mai ist Sarina C. Schreiber von Leipzig nach Düren gekommen, in dieser Woche wurde sie in einem Festakt offiziell in ihr Amt eingeführt. „Ich fühle mich hier wohl und willkommen. Das gilt für meinen Arbeitsplatz aber auch für die Stadt“, schildert die Wahl-Dürenerin. Sie weiß, dass sie und ihre Mitarbeiter in einem Beruf tätig sind, der in Zukunft noch stärker gefragt sein wird. „Es werden immer mehr Menschen, die sich psychischen Belastungen ausgesetzt sehen und nicht alleine damit zurechtkommen“, beschreibt die gelernte Krankenschwester. Trotzdem seien psychische Erkrankungen noch immer ein Tabuthema. Sie seien mit einem Stigma behaftet. Und viele Menschen wüssten zum Beispiel nicht, dass psychische Erkrankungen auch körperliche Ursachen haben könnten.

„Ich möchte mich für eine Enttabuisierung einsetzen“, nennt Sarina C. Schreiber ein Ziel für ihren weiteren beruflichen Weg.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert