Düren/Merken - Neue Klage gegen den Indesee ist noch nicht vom Tisch

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Neue Klage gegen den Indesee ist noch nicht vom Tisch

Von: Jörg Abels
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Wenn sich die Wasserfläche zu
Wenn sich die Wasserfläche zu Beginn der Seebefüllung in über 100 Meter Tiefe befindet, befürchtet die IG, dass eine Zwischennutzung schon allein aus Sicherheitsgründen sehr eingeschränkt sein wird.

Düren/Merken. Fähranleger, kleiner Jachthafen (Marina) mit Anlegestellen, Liegeplätzen und speziellen Einrichtungen für die Sportschifffahrt neben einem kleinen Strand für die Einwohner, alles erschlossen über die verlängerte Roermonder Straße, die den Höhenunterschied ausgleichen soll.

So sieht der von der Entwicklungsgesellschaft Indeland in Auftrag gegebene „Rahmenplan Indesee” Merken im Jahr 2060. Der „Ort über dem See”, wie Merken in den Planungen bezeichnet wird, liegt bei kompletter Seebefüllung gut 20 Meter über dem Wasserspiegel.

Dörflichen Charakter erhalten

Visionen, die aus Sicht der weiter nicht zur Indeland-Gesellschaft gehörenden Stadt Düren nur einen Orientierungsrahmen für künftige Planungen darstellen können. Schließlich wisse heute noch niemand, wie sich das Freizeitverhalten in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird, betont Stadtplaner Markus Steffens.

Eines macht die Stadt in ihrer am Donnerstagabend einstimmig im Stadtentwicklungsausschuss beschlossenen Stellungnahme zum Rahmenplan aber deutlich: Der im Dorfentwicklungsplan Merken von den Einwohnern gewünschte dörfliche Charakter muss auf jeden Fall erhalten bleiben, und der Ort muss sich zum See hin entwickeln können, Schutzwall und Betriebsstraße müssen wieder weggenommen werden können.

Wenn, ja wenn der See überhaupt Realität wird. Nicht nur die Interessengemeinschaft „Für ein lebenswertes Merken” bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung. „Die Seelösung ist falsch und hält nicht, was in der Wirtschaftlichkeitsstudie versprochen wurde”, betont IG-Sprecher Horst Knapp.

Auch die Dürener Politik hat sich nach der gescheiterten Klage vor dem NRW-Verfassungsgerichtshof noch nicht mit der Seelösung abgefunden. Professor Dr. Martin Beckmann, der die Stadt als Anwalt in Münster vertreten hat, „sieht durchaus Ansätze, die vor dem Verwaltungsgericht noch zum Erfolg führen können”, erklärt CDU-Fraktionschef Karl-Albert Eßer, der es nach den Erläuterungen des Juristen im Ausschuss nicht für ausgeschlossen hält, dass die Stadt noch einmal den Klageweg einschlägt, um die gegen die mit dem See verbundenen gestalterischen Einschränkungen vorzugehen.

Die erwarteten Kosten von rund 30 000 Euro seien im Vergleich zur Wertigkeit der Entscheidung marginal, betont Eßer. Bei einer Fraktionsvorsitzendenkonferenz Anfang Februar soll das Thema noch einmal auf den Tisch kommen. Ziel sei es, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende, „dass wir als Stadt an diesem wichtigen Punkt mit einer Stimme sprechen”.

Gut möglich, dass die Stadt aber auch noch wartet, bis das Verfahren des zweiten Rahmenbetriebsplan des Tagebaus Inden, der nicht nur den weiteren Kohleabbau regelt, sondern auch erste Weichen für die Tagebaunachfolgelandschaft stellt, abgeschlossen ist, sagt Eßer. Einen Zeitdruck für eine Klage gebe es nach Auskunft des Juristen Beckmann nicht.

Kein Verständnis haben die Interessengemeinschaft Merken und die Fraktionen im Dürener Stadtrat, dass auch im Rahmenplan Indesee nur über die Tagebaunachfolgelandschaft gesprochen wird. „Tagebauphase und Rekultivierungsphase muss man voneinander trennen”, betont IG-Sprecher Knapp. Es sei erschreckend, dass „die Zwischennutzung noch gar nicht richtig beleuchtet wurde”, ärgert sich der Grüne Bruno Voß.

Moralische Verantwortung

Und Karl-Albert Eßer betont für die CDU: „Es gibt eine Verpflichtung des Bergbautreibenden gegenüber dem Ort Merken, in dem das Leben 20 Jahre lang vom Tagebau maßgeblich beeinflusst wird.” Schon heute ist das dörfliche Leben geprägt von rückläufigen Einwohnerzahlen, Leerstand und ausbleibenden Investitionen.

Deshalb fordert Eßer RWE Power auf, sich finanziell stärker in Merken zu engagieren. „RWE muss die Frage einer weiteren Restseeklage von der moralischen Verantwortung für die Merkener trennen”, fordert auch Stefan Weschke (CDU), Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses. Die SPD wiederholt indes ihre Forderung, dass die Stadt endlich der Indeland-Gesellschaft beitreten muss, um die Merkener Interessen besser zu wahren.
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