Neue Integrationsausschuss wird gewählt

Von: Stephan Johnen
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„Die Migranten gehen wieder mit neuem Mut an das Thema Integration heran”, sagt Peter Koschorreck. Foto: Johnen

Düren. Die Frage, welchen Stellenwert das von ihm geleitete Gremium nach fünf Jahren genießt, kann Peter Koschorreck nicht aus dem Effeff beantworten. Der Vorsitzende des Integrationsausschusses überlegt einen Augenblick.

Schließlich sagt er: „Der Ausschuss hatte schon Ansehen.” Bei Vereinen, bei den Migranten, beispielsweise. Aber?

„Wir hätten uns mehr Unterstützung im Rat gewünscht”, formuliert es der Vorsitzende diplomatisch. Integration sei zwar seit Jahren in aller Munde. „Doch es war parteiübergreifend nicht immer eine Herzensangelegenheit”, bilanziert Koschorreck. „Zumal dem Ausschuss auch die Kompetenzen fehlten.” Das Gremium konnte Empfehlungen verabschieden. Beraten. Entschlüsse jedoch wurden im Rat gefällt. „Integration ist ein schwieriges Geschäft. Eine langwierige Sache”, fügt Koschorreck noch hinzu. Er meint es aufmunternd.

Der Integrationsausschuss soll Migranten eine Stimme in der Lokalpolitik geben. Am Sonntag sind deswegen fast 9000 Menschen zur Wahl aufgerufen (siehe Infokasten). Der Ausschuss löste im Jahr 2004 den seit 1986 bestehenden Ausländerbeirat ab. Erster Vorsitzender des neuen Gremiums wurde Peter Koschorreck. Integration - das war sein Thema. Künftig überlässt er das Feld anderen. Jüngeren. „Es muss frischer Wind in den Ausschuss kommen”, sagt er im Gespräch mit der DZ. Flauten habe es in der Vergangenheit schließlich mehrfach gegeben.

Beispielsweise als es um die Forderung der Migrantenvertreter ging, einen Integrationsrat einzurichten. Dort hätten die Migranten eine Zweidrittelmehrheit gestellt. Derzeit sind die Ratsmitglieder in der Mehrheit, und auch der Vorsitz wird von einem Politiker übernommen. In einem Integrationsrat, wurde damals überlegt, wären mehr ethnische Gruppen vertreten. Doch der Vorschlag fand keine Mehrheit im Rat.

Auch der Vorschlag, Nicht-EU-Bürger zur Kommunalwahl zuzulassen, fruchtete nicht. „Da herrschte schon Frust”, blickt Koschorreck zurück. Dass sich für die Wahl am kommenden Sonntag jedoch vier Listen und ein Einzelbewerber haben aufstellen lassen, ist für den Integrationspolitiker ein gutes Zeichen: „Die Migranten in dieser Stadt gehen mit neuem Mut voran.” Die bisherige Arbeit des Ausschusses könne sich ja auch sehen lassen, fügt er noch hinzu.

Der scheidende Ausschussvorsitzende denkt dabei an die Interkulturelle Woche - und spricht nicht von Folklore. „Wenn ein Iman, eine evangelische Pfarrerin und ein katholischer Priester in der Annakirche gemeinsam beten, ist das ein bedeutendes Ereignis”, kommentiert Koschorreck das interreligiöse Bittgebet, das wie Diskussionsveranstaltungen fester Bestandteil der Interkulturellen Woche ist. Koschorreck spricht von „Bewusstseinsbildung”.

„Die Menschen in dieser Stadt haben über Integration nachgedacht - manche vielleicht zum ersten Mal.” Dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung zu setzen, es mit Leben zu füllen, auch das sei die Aufgabe des Ausschusses. „Er ist eine Art Bindeglied. Zwischen Migranten und Deutschen, zwischen Bürgern und der Stadtverwaltung.” Der Ausschuss hat auch eigene Projekte wie Deutschkurse für Mütter angestoßen.

Den neuen Migrantenvertretern im Ausschuss empfiehlt Peter Koschorreck, „sich bei jeder Gelegenheit zu Wort zu melden”. Präsenz zu zeigen. Es sei zudem an der Zeit, ein eigenes Integrationskonzept für die Stadt zu entwickeln. Auch eine Art Ausbildungspakt kann er sich vorstellen, damit mehr Migranten eine Ausbildungsstelle finden. Zuviel Potenzial bleibe ungenutzt, spricht Koschorreck ein weiteres großes Thema an: die Verbesserung der Bildungschancen.

„Es war, ist und bleibt wichtig, dass alle ihre Türen öffnen”, fordert Peter Koschorreck generell mehr Miteinander statt Nebeneinander. „Wir leben immer noch friedlich aneinander vorbei.”
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