Düren - „Neue Horizonte“ im Stadtmuseum: Migrantinnen erzählen, was typisch deutsch ist

„Neue Horizonte“ im Stadtmuseum: Migrantinnen erzählen, was typisch deutsch ist

Von: ah
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„Was mag ich an Düren, was nicht?“: Ilaria Ranco (Italien), Maria Braun (Kongo) und Etienne Hermanns (Brasilien, von vorne) schauen sich die Antworten der Teilnehmerinnen an. Foto: Holgersson

Düren. Im Entree des Dürener Stadtmuseums herrschte bei der enorm gut besuchten Eröffnung der Ausstellung „Neue Horizonte. Dürener Migrantinnen erzählen“ ein buntes Mit- und Durcheinander verschiedener Sprachen.

22 Dürenerinnen aus zehn Ländern und vier Kontinenten hatten sich an der Entstehung der Ausstellung beteiligt, die sich um ihre Geschichte des Ankommens im Rheinland sowie ihre Wahrnehmung von und ihre Empfindungen in der neuen Heimat dreht.

Gegliedert in die Themenbereiche Alltag, Flucht, Hoffnungen, Traditionen (deutsche sowie jene aus den Herkunftsländern der Frauen) und Sehnsüchte, erzählte die Sammlung privater Geschichten und Leihgaben wie Fotos und Kleidung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Frauen, die sich seit August 2017 immer wieder in kleineren Gruppen getroffen hatten, um einander zu erzählen. Sechs junge Dürenerinnen hatten sich bereiterklärt, diese Treffen zu moderieren und auch in Texten festzuhalten. Diese Texte finden sich überall im Ausstellungsraum und bilden ein vielgestaltiges, hochinteressantes Mosaik der Kulturen.

Auf ganz besonderes Interesse stößt das Düren-Mobile mit Fotos und Zitaten. Hier finden sich Aussagen der Befragten zu ihrer neuen Heimatstadt. Als positiv werden die Wochenmärkte empfunden, der Burgauer Wald, die Dürener Schulen, die Annakirmes und der Weihnachtsmarkt. Letzterer findet aber auch Kritikerinnen, die bemängeln, dass der Markt letztlich immer dasselbe anbiete. Außerdem fielen leerstehende Geschäfte in der Innenstadt negativ auf und der Bahnhof.

Die interkulturelle Anziehungskraft der besonderen Kulturgüter Dürens macht folgende Aussage der Türkin Yurdagül Kocer klar: „Ostern und Weihnachten feiern wir nicht, aber Karneval und Annakirmes machen wir natürlich mit.“ Insgesamt erhält Düren ein sehr positives Votum. Sarah Höner, neben Museumsleiterin Dr. Anne Krings und Lisa Haßler (Stadtmuseum) für die Gestaltung der Ausstellung zuständig, berichtete sogar, dass eine Teilnehmerin geäußert habe, Düren sei „fantastisch“.

Die Ausstellung vermittelt eindringlich, wie bereichernd es ist, aufeinander zuzugehen, was am Ausstellungsmorgen in zahlreichen Begegnungen geschah. Hinter dem Glaskasten, in dem man sich anschauen kann, was von Vielen als „typisch deutsch“ gesehen wird (Sandalen, weiße Tennissocken, ein Pünktlichkeit symbolisierender Wecker) entspannte sich sofort ein humorvolles, interkulturelles Gespräch zum Thema. Aus türkischer Sicht ist beispielsweise das getrennte Bezahlen bei Ausflügen im Familien- oder Freundeskreis ins Restaurant „typisch deutsch“.

In der Türkei streite man sich eher darüber, wer die Rechnung bezahlen dürfe. Es gäbe sogar eine türkische Redewendung: „Alman Tarzi“, was so viel heißt wie „deutsch bezahlen“. Mit dem Themenbereich „Flucht“ werden ernstere Töne angeschlagen. Drei Frauen sind nach dem Militärputsch in der Türkei nach Düren geflohen. Eine türkische Journalistin berichtet davon, wie ihr der Pass weggenommen wurde und sie über Griechenland nach Deutschland floh. Eine Wand mit dem Thema „Sehnsucht“ rundet das Gezeigte ab: Orquidea Kleinadam aus der Dominikanischen Republik etwa sehnt sich nach den immer blühenden Bäumen ihrer Heimat.

 

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