Düren - Neue Handy-Regeln am Gymnasium am Wirteltor

Neue Handy-Regeln am Gymnasium am Wirteltor

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Früher tabu, jetzt erlaubt: Handys und Laptops dürfen die Schüler am Wirteltor-Gymnasium jetzt zu ausgewählten Zeiten und an bestimmten Orten nutzen. Lehrer Joachim Loos (links) hat sich dafür sehr eingesetzt. Foto: Röber

Düren. Marie und Marcel müssen sich noch an die neue Situation gewöhnen. Die beiden Neuntklässler des Gymnasiums am Wirteltor (GaW) blicken etwas unsicher nach links und rechts, wenn sie in der Mittagspause ihr Handy in den Aufenthaltsräumen im Keller zücken. Seit Montag gelten am GaW neue Regeln für den Gebrauch elektronischer Medien. Ein striktes Verbot den ganzen Tag über gibt es nicht mehr.

Schüler, Lehrer und Eltern haben sich auf die neue Medienordnung geeinigt, hinter denen sich Chancen, aber auch Risiken verstecken.

Auch viele Pflichten

„Das bedeutet für uns Freiheiten, aber auch Pflichten”, sagt Schülersprecher Marc Buchna. Die Schülervertretung hat sich intensiv für die Medienordnung eingesetzt, mit Mittelstufenkoordinator Joachim Loos haben die Schüler dabei einen engagierten Mitstreiter an ihrer Seite.

Loos empfindet ein striktes Verbot als nicht mehr zeitgemäß, Handys, MP3-Player und Computer gehören zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Vor dem Hintergrund der Inbetriebnahme der Mensa und des Ganztagsunterrichts sah er die Notwendigkeit einer Überarbeitung des seit 1997 bestehenden Verbots am GaW. Ein weiterer Aspekt waren die geänderten Rahmenbedingungen im Schulgesetz NRW. Dort heißt es, dass Schüler lernen sollen, „mit Medien verantwortungsbewusst und sicher umzugehen”.

Also arbeitete Loos Regeln aus, besprach sie mit Schülern, und schließlich wurde der Vorschlag intensiv mit Lehrern und Eltern diskutiert - und auch beschlossen. Zu dem Prozess gehörten auch Informationsveranstaltungen (unter anderem mit der Polizei) für Lehrer und Schüler, etwa zu rechtlichen Fragen.

Die von Schulpflegschaftsvorsitzendem Thomas Pelzer, Schülersprecher Marc Buchna und Schulleiter Wilhelm Gödde unterzeichnete „Vereinbarung zur Mediennutzung am GaW” sieht die Eckpunkte vor. Die Vereinbarung muss von den Eltern unterschrieben werden, nur dann gilt sie auch für den jeweiligen Schüler.

So dürfen die privaten elektronischen Geräte im Unterricht nicht benutzt werden. Über den Einsatz zu Unterrichtszwecken entscheidet die Lehrkraft. „Es gibt viele Möglichkeiten”, erklärt Schülervertreter Max Schoeller. So könne das Handy eingesetzt werden, um Vokabeln im Fremdsprachunterricht nachzusehen.

Die Nutzung ist nur zu bestimmten Zeiten und in ausgewählten Räumen erlaubt. Erlaubt ist die Nutzung in der Mittagspause und am Nachmittag auf dem Schulhof, in den Aufenthaltsräumen im Keller und von den Oberstufenschülern auch in der Mensa.

Und was passiert bei einem Verstoß gegen die Regeln? Schulleiter Wilhelm Gödde „kassiert” jeden Tag zwei bis drei Handys ein. Beim ersten Verstoß bleibt es einen Tag bei Gödde, Wiederholungstäter müssen länger auf das geliebte Mobiltelefon verzichten.

Das klingt alles einfach und harmlos, ist es aber nicht immer. Immer wieder lassen Schüler (obwohl sie es nicht müssen) den Schulleiter einen Blick in die gespeicherten Daten werfen. Sehr unangenehme und streckenweise ekelhafte Dinge seien da schon mal zu sehen, verrät der Schulleiter. Das heißt im Klartext: Gewalt- und pornografische Darstellungen, Cybermobbing - auch das gehört zum Schul- und Lebensalltag.

Davor können und wollen die an der neuen Medienordnung Beteiligten die Augen nicht verschließen. „Kompetent und kritisch” wollen Schüler und Lehrer mit dem Thema umgehen, wie Joachim Loos beschreibt. „Wir setzen dabei auch auf die Selbstkontrolle”, erklärt der Lehrer.

Aus Sicht von Marie, Marcel und den meisten anderen Schülern bringt die neue Ordnung viele Vorteile. Entspannung bei Musik, Verabredungen mit Freunden treffen, Eltern über Unterrichtsausfälle informieren - die Schüler nennen viele Beispiele. Wie die Praxis aussieht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.


Rechtliche Fragen zur Nutzung der elektronischen Medien

Neben den Schülern sind bei Minderjährigen die Eltern rechtlich dafür verantwortlich, dass nur altersgerechte und keine strafrechtlich bedenklichen Inhalte auf den Medien gespeichert sind.

Sprachaufnahmen, Fotos und Videos dürfen nur mit ausdrücklicher Einwilligung der betroffenen Person gemacht werden. Wer Sprachaufnahmen, Bilder oder Videos von Schülern, Lehrern oder anderen ohne deren Zustimmung (im Zweifelsfall muss eine schriftliche Erlaubnis nachgewiesen werden) ins Internet stellt, verletzt Persönlichkeitsrechte. Er macht sich strafbar.

Ein Missbrauch wird als Verstoß gegen die Schulordnung bestraft. Bei schweren Verstößen, zum Beispiel gegen Persönlichkeitsrechte, wird die Polizei eingeschaltet.

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