Neue Auflagen fürs Glücksspiel: Top oder Flop?

Von: Anne Welkener
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Glücksspiel, Spielautomat
Spielhallenbetreiber, Suchtberater und Jugendschützer haben unterschiedliche Meinungen zur veränderten Gesetzeslage in NRW. Foto: Britta Pedersen/dpa

Düren. 230 Geldspielautomaten an 15 Standorten sind im Stadtgebiet von den Änderungen im Glücksspielstaatsvertrag betroffen. Was mit Spielhallen geschehen soll, die nicht – wie künftig vorgeschrieben – 350 Meter von der nächsten Spielhalle entfernt sind, ist bisher unklar. Aber was sagen die betroffenen Betreiber, Suchtberater und Jugendschützer zu der neuen Regelung, die nach fünfjähriger Übergangsfrist bald greifen soll?

Mit Blick auf den Glücksspielstaatsvertrag spricht Mario Hoffmeister von „purer Verzweiflung“. Er ist Sprecher der Gausemann Gruppe, zu der auch die Merkur-Spielotheken gehören. Falls es zu Schließungen von Spielhallen kommt, „könnte es sein, dass wir die Hälfte der Mitarbeiter freisetzen müssen. Das tut schon sehr weh“, schildert er die Folgen.

In der Dürener Merkur-Spielothek an der Arnoldsweilerstraße arbeiten sieben Angestellte. Für sie und die rund 1000 anderen Mitarbeiter an 83 Standorten in NRW ist die berufliche Zukunft ungewiss. „Wir werden um jede Spielhalle kämpfen – mit guten Argumenten und nötigenfalls auch mit juristischen Mitteln“, kündigt Hoffmeister an.

Die Gausemann Gruppe gehört mit rund 300 Spielhallen zu den größten Anbietern in Deutschland. „Die drei großen Ketten haben aber nicht mal die Hälfte des Marktes. Die Branche ist sehr kleingliedrig und mittelständisch organisiert“, erklärt Hoffmeister und gibt zu Bedenken, welche Konsequenzen Schließungen für Mittelständler hätten.

Hoffmeister kritisiert deutlich das „Rasenmäher-Prinzip“, mit dem eine ganze Branche liquidiert werde, und hofft sehr, dass in NRW bei der Auswahl der zu schließenden Spielhallen nicht wie andernorts der Zufall entscheidet, sondern Qualität. „Es gibt zum Beispiel TÜV-Zertifizierungen. Solche Qualitätskriterien sollten eingehalten werden.“

Der Sprecher kritisiert aber nicht nur die Maßnahmen, durch die er eine Verschlechterung des Spielerschutzes und den Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet, sondern auch das erklärte Ziel des neuen Gesetzes: „Dem Anspruch, die Spielsucht einzuschränken, wird es nicht gerecht. Mit einer einfachen Verknappung wird das nicht erreicht – eher das Gegenteil. Das Land Hessen hat nun einen Evaluierungsbericht vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass seit den Schließungen das illegale Glücksspiel zugenommen hat.“ Man bekämpfe Alkoholismus ja auch nicht mit der Schließung jeder zweiten Kneipe, fügt er an.

Anderer Meinung ist Inge Heymann. „Je größer der Abstand zum Suchtmittel, desto besser“, lautet das Credo der Leiterin der Caritas-Drogenberatungsstelle in Düren. Entsprechend hält sie die neuen Regelungen im Bezug auf Süchtige und Gefährdete für richtig. „Das Angebot einzuschränken, die Erreichbarkeit zu reduzieren und damit die Hemmschwelle zu erhöhen halte ich für sinnvoll.“ Und mehr noch: Ihr greift das Gesetz nicht weit genug.

In NRW ist es nicht flächendeckend möglich, dass Spieler sich selbst sperren lassen. Anders ist das in Hessen. Dort haben sich 14 000 Spieler freiwillig gemeldet und sperren lassen. Umgerechnet auf NRW könnten es hier sogar 40 000 sein, wie die Landeskoordinierungsstelle für Glücksspielsucht mitteilt. Heymann wünscht sich von der Politik, diesbezüglich mehr Druck auf die Spielhallen auszuüben, um dies möglich zu machen. Ein weiterer Aspekt, der ihrer Meinung nach zu wenig Beachtung findet, ist das Online-Gaming.

„Das nimmt stark zu, ist aber völlig unreguliert und oft illegal. Im Internet verlieren die Süchtigen noch schneller als in den Spielhallen das Gefühl dafür, wie viel Geld sie verspielt haben. Da stürzen Leute noch erheblicher ab und geraten schneller in die Schuldenfalle. Das ist ein gefährliches Potenzial, das merken wir hier in der Beratungsstelle auch.“

Beim Thema Jugendschutz ist Elke Ricken-Melchert noch ein anderer Aspekt wichtig. Die Leiterin des Amtes für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren des Kreises Düren sagt: „Ein definierter Mindestabstand einer Spielhalle zu einer Schule oder Jugendeinrichtung ist das eine. Wichtiger als ein Mindestabstand sind intensivere Kontrollen. Es muss kontrolliert werden, ob die Spielhallen sich an den Jugendschutz halten und Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren auch wirklich den Zutritt verbieten. Hilfreich wäre dabei, wenn schon der erste Verstoß gegen die Altersbeschränkung empfindlich geahndet würde.“

Die Blickwinkel auf diese Thematik sind also bei den betroffenen Betrieben, der Suchtberatung und dem Jugendschutz sehr unterschiedlich. Wie die konkrete Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrages in Düren aussehen wird, beraten die Politiker im Stadtrat am 11. Oktober. Angemerkt

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