Neubeginn mit neuer Erinnerungskultur am Soldatenfriedhof

Von: Stephan Johnen
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Die neuen Tafeln

Vossenack. „Wir stehen auf historisch belastetem Boden“, sagte Landrat Wolfgang Spelthahn auf dem Soldatenfriedhof Vossenack zur Begrüßung der Gäste. Von September 1944 bis Februar 1945 lieferten sich amerikanische und deutsche Truppen in dieser Region erbitterte Kämpfe.

Als „neue Form des Erinnerns“ stellte Spelthahn die neuen Informationstafeln vor, die Besucher künftig „sachlich und informativ“ über die „Schlacht im Hürtgenwald“ informieren und das Geschehen in den historischen Kontext einordnen.

Zur Vorgeschichte: Die Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan (SPD) und Oliver Krischer (Grüne) hatten vor zwei Jahren die bisherigen Infotafeln zur Geschichte der „Windhund-Division“ am Mahnmal der ehemaligen 116. Panzer-Division kritisiert. Diese Form sei nicht zeitgemäß, es fehle zudem eine kritische Auseinandersetzung. Auch die historische Kommission des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) kam zu dem Ergebnis, dass es auf den Tafeln eine „gewisse Glorifizierung“ der Divisionsgeschichte gegeben habe und ein kritisches Hinterfragen der Rolle der Kampfeinheit im Zweiten Weltkrieg nicht stattfinde.

Diese Form sei im öffentlichen Raum nicht tragbar. Die Tafeln wurden auf private Initiative errichtet, das Gelände, auf dem das Mahnmal steht, gehört aber dem Kreis. Um eine zeitgemäße Darstellung „fern jeder Glorifizierung“ zu finden, sollten unter Federführung des Kreises die Tafeln überarbeitet werden. Ein Projektkurs des Vossenacker Franziskus-Gymnasiums nahm mit Lehrer Clemens Amendt die Arbeit auf. Von der ursprünglichen Idee, die Tafel vor dem Windhund-Mahnmal aufzustellen, nahmen die Schüler Abstand. „Wir wollten einen Neubeginn“, erklärte Amendt. Die im vergangenen Jahr entwickelten Entwürfe sollten auf dem benachbarten Soldatenfriedhof, der vom VDK gepflegt wird, als Tafeln aufgestellt werden.

Vorher kam es jedoch zu einer Überarbeitung unter Federführung von Historikern. „Sie sind weiterentwickelt worden“, sagte Wolfgang Spelthahn, der den Schülern des Projektkurses für ihre „hervorragende Arbeit“ dankte. Die grafische Gestaltung übernahm Eva Müller-Hallmanns. „Wir haben uns auf sehr schwierigem Terrain bewegt, haben um jedes Wort gerungen“, blickte Spelthahn auf die Entstehung zurück.

„Die Texte der Schüler waren sehr emotional, manche Beispiele passten nicht zum Ort, an dem die Tafel stehen“, sagte Dr. Karola Fings vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, die im Expertengremium saß. „Um sie an den neuen Aufstellungsort anzupassen, sollten alle Inhalte eine sachliche und informative Erzählung garantieren“, fügte VDK-Landesgeschäftsführer Peter Bülter hinzu. Der sehr persönliche Ansatz, den die Schüler gewählt hatten, habe zu mancher „problematischen Darstellung geführt“, erklärte Karola Fings.

„Wir wollten einen Dialog über die Bedeutung von Krieg und Frieden, wir wollten Menschen jeden Alters mit den Inhalten berühren – und damit eine Auseinandersetzung starten“, beschrieb Schüler Thomas Prinz die Intention des Projektkurses. „Wir haben bei dieser Arbeit sehr viel gelernt“, sagte er. Ein wenig enttäuscht, dass nicht mehr Inhalte der Originaltafeln Niederschlag gefunden hätten, seien die Schüler schon. „Wir müssen bei diesem Thema dicke Bretter bohren. Mir ist wichtig, dass überhaupt etwas Neues geschieht“, sagte Clemens Amendt unserer Zeitung. Eine Tafel, die die Schüler erstellt hatten, hängt bereits im Franziskus-Gymnasium. Schulleiter Pater Peter Schorr ofm überlegt, die anderen Entwürfe ebenfalls dort aufzuhängen.

Um Fördermittel beworben

„Wir schließen dieses Kapitel nicht“, betonten Wolfgang Spelthahn und Axel Buch, Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald. Kreis und Gemeinde bewerben sich bei der Landeszentrale für politische Bildung NRW um Fördermittel, um die Orte des Gedenkens und Erinnerns zu erfassen – und die Erinnerungskultur zeitgemäß weiterzuentwickeln. Der Blick geht dabei auch in Richtung des Museums „Hürtgenwald 1944 – und im Frieden“.

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