„Nelson Mandela Story”: Geschichtsstunde im Haus der Stadt

Von: han
Letzte Aktualisierung:
mandela11_bu
Zeigte Stärken und Schwächen in seiner Rolle als „Nelson Mandela”: Ron Williams. Dominique Siassia als seine Frau Winnie (Hintergrund) hinterließ einen erstklassigen Eindruck. Foto: Schmitz

Düren. Szenisches Spiel, Doku-Drama, Theaterstück mit Musik: Die Aufführung der „Nelson Mandela Story” im Haus der Stadt war von allem etwas. Das Leben und Wirken des Anti-Apartheid-Aktivisten, Friedensnobelpreisträgers und langjährigen Präsidenten Südafrikas wurde dargestellt, zeitweise im Stil einer Geschichtsstunde, mal als Bühnenspiel mit durchweg sehr guten schauspielerischen und gesanglichen Leistungen.

Das Stück aus der Feder von Gerold Theobalt dokumentierte in Rückblenden vier Jahrzehnte zynischer, menschenverachtender Apartheid-Politik, ließ den gewaltsamen Widerstand des African National Congress anklingen, dem Mandela angehörte, schilderte seine Haft sowie die ersten Kontakte zur weißen herrschenden Klasse und die damit verbundene Verlegung von der Gefangeneninsel Robben Island nach Kapstadt, seine Freilassung und die Wahl zum Präsidenten Südafrikas. Ein Werk, das keine direkte Stellung zu den politischen gewalttätigen Geschehnissen nahm, aber auch darauf verzichtete, die Apartheid- Gegner und Mandela zu verherrlichen.

Ron Williams verkörpert Mandela sowohl als politisch engagierten jungen Anwalt wie als Freiheitskämpfer und auch als gealterten, weisen Mann. In dieser Rolle hatte er seine stärksten, nachhaltigsten Momente. Vielleicht lag es an der Tagesform, das sein persönlicher Kampf vom gewaltlosen Widerständler zum bewaffneten Kämpfer ein wenig aufgesetzt und nicht unbedingt glaubwürdig erschien. Erzählt wird ebenso die private Geschichte von Nelson und Winnie Mandela. Dominique Siassia brillierte in ihrer Darstellung als eine durch ihre Inhaftierung verbitterte aber nicht zerbrochene Frau, die nachher nur ein Ziel kennt: Macht und Rache.

Untermalt wurden die emotional aufwühlenden Momente durch passende Songs und die großartigen Trommeleinlagen von Percussionist Bani Silva Prado, der heimliche Star des Abends. Politisches, nachdenkliches Theater boten die Szenen, in denen der verurteilte ehemalige Oberst der Südafrikanischen Polizei, Eugene de Kock (Jörg Reimers), mit Bischof Desmond Tutu (Ronald Mkwanazu) die Rassentrennung als Machtfrage diskutierten oder die sieben Protagonisten die nicht gezeigten blutigen Auseinandersetzungen analysierten.

Beklemmende Szenenfolgen wechselten mit leichter Kost ab, vor allem wenn Ron Williams sang. Sein Schlusssong „Free Nelson Mandela” war schließlich auch eine „Befreiung” für das Publikum nach all den aufgebauten Spannungen, die sich in rhythmischen Klatschen entlud und zu Standing Ovations steigerte.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert