Neapco sendet Signal für den Standort Düren

Von: Burkhard Giesen
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„Es war für uns schon eine besondere Herausforderung, gegen die Vorteile deutlich niedrigerer Löhne und möglicher EU-Subventionen an einem polnischen Standort anzukämpfen“, betonte Neapco-Betriebsratsvorsitzender Jürgen Müller. Foto: bugi
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Mitte März war bekannt geworden, dass Neapco Amerika eine Zusammenlegung seiner beiden Europa-Werke in Deutschland und Polen an einem neuen polnischen Standort geprüft und bereits eine Option für ein entsprechendes Grundstück erworben hat. Foto: Neapco

Düren. Der erste Schritt zur Sicherung der rund 1000 Arbeitsplätze beim Dürener Automobilzulieferer Neapco ist gemacht: Betriebsrat, Geschäftsführung und die amerikanische Holding haben ein Memorandum unterzeichnet, das den Standort für die kommenden zehn Jahre bis zum 30. Juni 2026 sichern soll.

Damit wäre die drohende Verlagerung des Werkes nach Polen abgewendet.

Kleiner Schönheitsfehler: Bis zum 30. September gibt es eine Ausstiegsklausel. Mitte März war bekannt geworden, dass Neapco Amerika eine Zusammenlegung seiner beiden Europa-Werke in Deutschland und Polen an einem neuen polnischen Standort geprüft und bereits eine Option für ein entsprechendes Grundstück erworben hat. „Die Absichtserklärung sieht vor, dass wir uns gegenseitig verpflichten, bis zum 30. September die langfristige Zukunft des Standortes geklärt zu haben“, betonte Dr. Martin Esser von der Geschäftsführung Neapco Europa noch etwas zurückhaltend.

Das Signal an die Belegschaft ist aber deutlich. „Es war für uns schon eine besondere Herausforderung, gegen die Vorteile deutlich niedrigerer Löhne und möglicher EU-Subventionen an einem polnischen Standort anzukämpfen“, betonte Neapco-Betriebsratsvorsitzender Jürgen Müller. Er hatte das Memorandum gemeinsam mit Esser vor Ort in Detroit ausgehandelt. Das sieht auch einen Beitrag der Beschäftigten vor: Sie verzichten auf künftige Tariferhöhungen in Millionenhöhe, um den Standort in Düren langfristig zu sichern und eine Abwanderung nach Polen zu verhindern.

Es ist nicht der erste Verzicht dieser Art. Dennoch ist Betriebsratsvorsitzender Jürgen Müller stolz: „Der Standort Düren sollte nach der ursprünglichen Planung sukzessive Aussterben. Dass wir das verhindern konnten, haben wir nur der Belegschaft zu verdanken, die auch in Warnstreiks deutlich für diesen Standort gekämpft hat. Jetzt haben wir wieder eine Zukunft.“ Auch wenn es in dem Memorandum die Ausstiegsklausel bis zum 30. September gibt, deutet nicht nur Müller die Absichtserklärung als klares Signal für den Erhalt der 1000 Arbeitsplätze in Düren. Bis zum 30. September soll nun ebenfalls entschieden werden, ob Neapco in die 50 Jahre alten Hallen investiert, oder auf der „Grünen Wiese“ neu baut. Die grüne Wiese soll sich eher im Dürener Gewerbegebiet Rurbenden/Talbenden befinden, als im geplanten Gewerbegebiet in Langerwehe. Im Juni 2020 laufen die Mietverträge am jetzigen Standort aus.

Müller geht davon aus, dass Neubau und ein möglicher Umzug bis zu drei Jahre dauern könnten. Vieles spräche dafür: eine höhere Energiekosteneinsparung, koordiniertere Arbeitsabläufe, deutlich niedrigere Logistikkosten. "Wir werden jeden Tag von 40 Lkw angesteuert. Die Nähe zur Autobahn würde sich da schnell rechnen." Das ist das eigentliche Ziel: Kosten senken, um dem Vergleich mit dem polnischen Werk standhalten zu können. Denn trotz voller Auftragsbücher werden in Düren immer noch rote Zahlen geschrieben.

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