„Nationalspielerin geht mir noch schwer über die Lippen“

Von: Hendrik Buch
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Miriam Palm Noch ein wenig Sport zur Ablenkung. Am Samstag fliegt Miriam Palm zur WM im Rollstuhlbasketball nach China Foto: Buch

Vossenack/Bonn. Einige Körbe will Miriam Palm noch werfen, bevor am Samstag der Flieger nach Peking startet. Vor der großen Reise nach China schnuppert sie noch einmal Heimatluft in der Eifel: Emotional herunterkommen vor dem Großereignis.

Mit ihrer Schwester Annika hat sie sich zu einem lockeren Training in der Sporthalle des Franziskus-Gymnasiums verabredet – hartes Wurftraining hat ihr Nationaltrainerin Nora Schratz zwar verboten, aber ein wenig Sport zur Ablenkung vor der spannenden Reise ist erlaubt. Am Samstag geht‘s dann zur Weltmeisterschaft im Rollstuhlbasketball. Im Reich der Mitte steht Miriam ihr Debüt im Deutschlandtrikot bevor.

In der Sporthalle am Franziskus-Gymnasium hatte der sportliche Werdegang der Rollstuhlbasketballerin begonnen. Ihr Vater Reinhard hatte dort im Jahr 2000 die Rollstuhlsportgruppe Eifel mitgegründet, in der seine Tochter Miriam unter ihrer damaligen Trainerin, der Paralympics-Teilnehmerin Rita Breuer, ihre Liebe zum Basketball entdeckte. „Bis heute lässt mich der Sport nicht los“, verrät die 23-Jährige, „die Geschwindigkeit, die Dynamik und das Zusammenspiel der Akteure auf dem Platz sind einmalig“.

Von der Korbhöhe angefangen, funktioniert der Rollstuhlbasketball nicht anders als die traditionelle Variante, einzig die Schrittregeln sind selbstverständlich auf Rollstühle angepasst. Im Team spielen fünf Spieler, je nach Stärke der Behinderung werden jedem Sportler mittels der „funktionalen Klassifizierung“ Punkte zugewiesen. In der Summe dürfen nie mehr als 14 Punkte auf dem Platz stehen – so bleiben die Teams vergleichbar.

Nach einem Schulwechsel aus der Eifel nach Köln kam Miriam Palm mit dem ASV Bonn in Kontakt, schon nach dem ersten Probetraining war sie dann Spielerin der Bonner. „Das war damals schon eine große Entscheidung für mich“, erinnert sich die Sportlerin an den Vereinswechsel im Jahr 2011, „ohne meine Familie, allem voran meinem Vater, dem kein Kilometer zu weit war, wäre das auch nicht möglich gewesen.“ In Bonn führte ihr weg über die zweite Mannschaft in die Erste und damit in die zweite Bundesliga. Dort ist Miriam mittlerweile eine feste Größe.

Seit 2011 nimmt die Basketballerin auch an den Sichtungen der Nationalmannschaft teil. „Nora Schratz hatte angekündigt, nur anzurufen, wenn es nicht geklappt hat“, erinnert sich Miriam an den 31. März, den Tag ihrer Nominierung, „als dann mein Telefon klingelte, wollte ich gar nicht ran gehen!“ Letztlich tat sie es doch und bereute es nicht: „Ich war wirklich sprachlos, das Gespräch hat keine Minute gedauert und viele Worte habe ich nicht rausbekommen.“ Nach einigen Minuten griff Miriam dann wieder zum Hörer und informierte ihre Familie von den sensationellen Neuigkeiten.

Seither liegen aufregende Wochen hinter ihr. In vier Trainingslagern hat sie sich an den vergangenen Wochenenden mit der Nationalmannschaft vorbereitet. Der Kader umfasst zwölf Spielerinnen, Miriam gehört zu drei Nationalteam-Neulingen.

Rückennummer 1

„Das erste Mal den Adler auf der Brust zu haben, war schon etwas ganz Besonderes“, berichtet sie mit leuchtenden Augen. Das Wort Nationalspielerin geht ihr allerdings noch schwer über die Lippen: „Ich sage immer nur, ich fahr nach Peking.“ Besonders verbunden fühlt sich Miriam auch zu ihrer Rückennummer: „Ich trage die 11, wie meine Schwester beim Fußball.“

Ihre Familie ist insgesamt der zentrale Punkt in Miriams Leben und so blickt sie der ersten weiten Reise ohne Eltern und Schwester auch mit einer Portion Respekt entgegen.

Die Erwartung der Familie ist hingegen eindeutig: „Das machst Du doch mit links“, scherzt Schwester Annika bei der lockeren Einheit in der Eifel, „also wehe Du kommst ohne Pokal nach Hause!“

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