Nächste Absage: Auch kein 60-Meter-Turm auf der Annakirmes

Von: Jörg Abels
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Immer wieder imposant: Binnen zweier Tage wächst das 55 Meter hohe „Europarad“ in den Dürener Himmel. Mittwochmittag war ein Halbmond zu erkennen. Foto: Abels
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Schiene für Schiene nahm auch der „Rock & Roller Coaster“ Gestalt an. Foto: Abels

Düren. Das „Europarad“ bildet bereits einen Halbmond mit 55 Metern Höhe, am „Rock & Roller Coaster“ auf dem Achterbahnplatz wächst das 1000 Meter lange Schienennetz Stück für Stück, der „Polyp“ reckt erstmals seinen Kopf in den Dürener Himmel: Der Aufbau der Annakirmes ist an diesem Mittwochmittag – drei Tage vor dem Startschuss am Samstag um 11 Uhr – voll im Gange.

Nahezu alle Schausteller sind mittlerweile eingetroffen. Nur auf dem traditionellen Neuheitenplatz herrscht gähnende Leere. Und der dort eigentlich eingeplante „Kettenflieger“ wird auch nicht mehr kommen. Weder die vom Steuerschussvorsitzenden Hubert Cremer vor Monatsfrist vollmundig als i-Tüpfelchen angekündigte 80 Meter hohe Variante noch das ursprünglich von der Stadt unter Vertrag genommene 60 Meter hohe Fahrgeschäft.

Nachdem sich der Steuerausschuss am Montagabend aus vergaberechtlichen Gründen auf Ratschlag eines externen Anwaltsbüros gegen das höhere Fahrgeschäft entschieden hatte – unter anderem lag bekanntlich keine fristgerechte Bewerbung vor –, gab die niederländische Betreiberfirma der Stadt am Dienstag auch für die kleinere Variante einen Korb. Der sei mittlerweile andernorts eingeplant, stünde für Düren nicht zur Verfügung, lautete nach Auskunft von Platzmeister Achim Greiff die Begründung.

Denn man habe nach den Signalen aus Düren fest damit gerechnet, den höheren „Kettenflieger“ aufbauen zu können. „Aufgrund der Attraktivitätssteigerung hätte ich dem Dürener Publikum auch gerne den höheren Turm gegönnt“, betont Hubert Cremer. Die rechtlichen Bedenken der Verwaltung und der externen Kanzlei teilt er nicht. Es habe sich lediglich um eine Vertragserweiterung gehandelt, eine neuerliche Platzvergabe sei gar nicht erforderlich gewesen.

Doch mit dieser Einschätzung fand Cremer am Montagabend nicht zuletzt auch deshalb keine Mehrheit, weil Bürgermeister Paul Larue angekündigt hatte, einen entsprechenden Beschluss zu beanstanden. Dass der niederländische Betreiber dann am Dienstag komplett absagen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ersichtlich.

Es war nicht der erste Vertragsbruch im Vorfeld der Annakirmes 2017. Bereits im Frühjahr hatte sich unter anderem der Betreiber der Doppelloopingbahn „Teststrecke“ trotz unterschriebenen Vertrages nach Hamburg verabschiedet. In allen Fällen prüft die Stadt derzeit noch, ob gegebenenfalls Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden können, erklärt Greiff, was sich aber schwierig gestaltet, weil die Plätze neu vergeben wurden.

Auch der Neuheitenplatz wird bis Samstag nicht leer bleiben. Kurzfristig hat Cremer am Dienstag noch das Rundfahrgeschäft „Booster“ verpflichtet, Kirmesfans noch besser bekannt als „Take off“.

Im Übrigen ist der Steuerausschussvorsitzende überzeugt, dass die Kirmes trotz der vielen Absagen und Gerichtsverfahren keinen Schaden genommen hat. Anders sieht das Bert Cremer, Vorsitzender des Verbands Reisender Schausteller (VRS) Düren. „Der gute Ruf der Kirmes hat mit all dem Schaden genommen“, betont er und prangert an, „dass die Kirmes längst zum Spielball politischer Interessen und langjähriger Rivalitäten geworden ist“.

Bert Cremer erinnert daran, dass es die Schaustellerfamilien waren, die der Annakirmes über Generationen mit ihrer Innovationskraft und ihrem Herzblut zu ihrem heutigen Stellenwert verholfen haben. Bei der sicherlich notwendigen Anpassung der Vergaberichtlinien spricht sich Cremer entschieden gegen ein Punktesystem aus, das der Politik die notwendigen Beurteilungsspielräume nehmen würde, und fordert im Namen des Verbandes ein Festhalten an der „Aussage „Bekannt und Bewährt“.

Nur eine Vergabesatzung, in der auch die Qualität der Produkte, der Arbeitseinsatz sowie das Herzblut des Schaustellers und nicht zuletzt die Zufriedenheit der Besucher mit den Geschäften gewürdigt werden, bringe den erhofften Segen.

„Eine Kirmes muss bunt und vielseitig gestaltet sein und bleibt nur mit wechselnden Großfahrgeschäften attraktiv“, betont Bert Cremer. „Das Austauschen genau baugleicher Geschäfte erzielt diesen Effekt jedoch nicht.“ Genau das hatte in den vergangenen Wochen einen Großteil der Klagen ausgelöst.

Gute und gerichtserprobte Vergabesatzungen von Veranstaltungen mit gleicher Strahlkraft wie der Annakirmes lägen dem Deutschen Schaustellerbund vor, bot Bert Cremer der Stadt einmal mehr die Unterstützung des VRS und seiner Dachorganisation an, verbunden mit der Hoffnung, dass alle Beteiligten das Motto der Annaoktav „Gemeinsam neue Wege gehen“ mit Blick auf 2018 beherzigen – in diesen chaotischen Annakirmes-Tagen sicherlich ein frommer Wunsch.

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