Nachwuchsschauspieler in ernsten Rollen

Von: Ursula Clemens
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An Andris (Aylin Kesdogan) Mord will niemand Schuld sein. Foto: heb

Niederau. Es war bewundernswert, mit welchem Ernst die jungen Schauspieler „Andorra“ auf die Bühne brachten. Max Frischs Stück stellt vor allem Fragen – nach Vorurteilen, Mitläufern, Identitäten und der Schuld des Einzelnen. Dabei setzt die Geschichte nicht auf einen Spannungsbogen, sondern auf die Intensität der Dialoge.

Umso herausfordernder für den Bühnennachwuchs aus dem „Jungen Theater Düren“, welcher das Stück im Rahmen der Lions-Kulturtage auf Schloss Burgau aufführte. Die Bevölkerung Andorras wurde unter der Leitung von Ursula Keppler mit einem Theaterchor inszeniert.

Andri (Aylin Kesdogan) ist der Protagonist des Stückes. Ein unehelicher Sohn eines Lehrers (Noah Stumm), der als jüdisches Pflegekind ausgegeben wird und sich in seine Halbschwester Barblin (Larissa Belz) verliebt. Als vermeintlicher Jude wird Andri sein Leben lang diskriminiert. Als das Land vom rassistischen Nachbarn überfallen wird, enthüllt der Vater seine Lüge. Aber zu spät, das gesellschaftliche Urteil ist gefestigt und Andri wird stumm der Hinrichtung preisgegeben.

Während Aylin Kesdogan vor allem als identitätssuchender Außenseiter und Larissa Belz als verzweifelte Liebende überzeugten, mussten sich die anderen Rollen vor allem mit der Frage nach Schuld beschäftigen. Ob der Tischler (Dorian Belz), der Pater (Mira Chirstoffels), die Doktorin (Mara Zilles), ein anonymer Jemand (Stefan Krischer) oder sogar der rücksichtlose Soldat (Jonas Becker) – am Ende fand ein jeder eine Ausrede für sich selbst, warum er keine Verantwortung hatte.

„Andorra first“ brüllten die Charaktere und priesen ihr „schönes, weißes Andorra“. Ein Statement dafür, dass Frischs Stück heute so aktuell wie zu seiner Uraufführung 1961 ist.

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