Nachwuchs für Traditionschöre: Zwischen Coldplay und Kirchenmusik

Von: Sarah Maria Berners
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Treten am Wochenende bei „Jugend singt“ an: (v.l.) Lea Bracker, Nathalie Ost, Astrid Grenzdörffer und Hanna Lena Willems von „Joyful Voices“. Auf dem Bild fehlt Jenny Frentz. Foto: Berners
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Chorleiterin Andrea Eich.

Birkesdorf/Langerwehe. Die Traditionschöre im Dürener Land quälen Nachwuchssorgen. In Oberzier, Lendersdorf und Langerwehe haben sich bereits Chöre aufgelöst. Aber es gibt sie noch zuhauf, begeisterte Sängerinnen und Sänger – und das in vielen Altersgruppen.

Die DZ hat den Jugendchor „Joyful Voices“ bei einer seiner Proben besucht: „Singen ist befreiend, ich kann dabei wunderbar entspannen und bekomme den Kopf frei“, erzählt Lea Bracker. Die Jugendliche aus Langerwehe singt schon seit mehr als zehn Jahren, mittlerweile sogar in drei Chören. Schon seit vielen Jahren teilt sie ihre Leidenschaft fürs Singen mit Hanna Lena Willems und Astrid Grenzdörffer.

„Viele junge Leute haben ein ganz bestimmtes Klischee vor Augen, wenn sie hören, dass wir in einem Chor singen“, weiß Astrid Grenzdörffer. Das Hobby der jungen Damen ist eben nicht ganz alltäglich, „aber es ist nicht so altmodisch, wie manche meinen“, betonen die jungen Frauen. Die Musik des Ensembles reicht von Kirchenliedern bis hin zu Songs populärer Bands wie Coldplay, die sie allerdings ganz neu interpretieren.

Mit im Jugendchor „Joyful Voices“ singen noch Jenny Frentz und Nathalie Ost. Nathalie Ost steht schon seit einigen Jahren mit der Schülerband „Pencilcase“ auf der Bühne, und sie gibt zu, dass sie erst ein wenig skeptisch war, als ein Lehrer vorschlug, doch auch in einem Chor zu singen.

Vor zwei Jahren hat sie sich den jungen Sängerinnen angeschlossen. Und während sie mit ihrer Band rockige Lieder und Popsongs anstimmt, steht bei den Chorproben ganz andere Werke an. „Und es ist auch eine ganz andere Art zu singen“, weiß Chorleiterin Andrea Eich, die acht Gruppen junger Sänger unterrichtet.

Die Chorlandschaft, sagt die Dirigentin, sei in den vergangenen Jahren sehr vielfältig geworden, habe sich stark verändert. Sie weiß, dass vor allem die traditionellen Männerchöre vom Mitgliederschwund betroffen sind. „Und es wird seltener generationenübergreifend gesungen“, sagt Eich.

Bevor Hanna Lena, Lea, Astrid, Nathalie und Jenny donnerstags zur Probe kommen, sind die jüngeren Sänger im Alter von neun bis zwölf Jahren an der Reihe. Wenn die 15 Stimmen ansetzen, füllt ein schöner Klang das Evangelische Gemeindezentrum in Birkesdorf.

Beide Chöre, der Jugend- und der Kinderchor „Joyful Voices“, fahren am Wochenende nach Dortmund zum Wettbewerb „Jugend singt“. Dafür wird seit Januar intensiv geprobt. „Jeder kann seine Stimme trainieren“, ist Astrid Grenzdörffer überzeugt.

Dass das anfangs gar nicht so einfach ist, weiß Nathalie Ost noch gut: „Chorgesang ist zu Beginn schon auch anstrengend.“ Auch Chorleiter Andrea Eich findet, dass ein neuer Sänger im Chor vor allem eines braucht: Freude am Singen. Neben der Faszination, was mit der eigenen Stimme möglich ist, sieht Andrea Eich auch die soziale Komponente der Chorgemeinschaft: „Jeder ist Teil eines Ganzen.“ Nathalie Ost betont: „Es ist einfach faszinierend, welchen Klang wir nur mit unseren Stimmen erzeugen können.“

Hinzu kommt als positiver Effekt des Gesangs für die Dirigentin auch die Körperhaltung, mit der Sänger ein gewisses Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ausstrahlen würden. „Singen ist auch gut für die Persönlichkeitsentwicklung“, betont Andrea Eich.

Als Chorleiterin achtet sie bei der Auswahl der Stücke auf eine gute Mischung, in der Lieder aus Musicals und von aktuellen Bands ebenso vorkommen wie klassische Musik und Kirchenliteratur. „Aber auch da gibt es tolle, moderne Kompositionen“, betont Andrea Eich.

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