Nachahmung empfohlen: Hannelore Kraft besucht Modellprojekt

Von: Stephan Johnen
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Aufmerksame Zuhörerin: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besuchte am Freitag den Kindergarten St. Heribert in Kreuzau. Foto: Stephan Johnen
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Die Ausstellung „Gelingendes Aufwachsen“ im Kreishaus zeigt viele Beispiele aus dem Modellprojekt „Kein Kind zurücklassen“.

Kreis Düren. Wie schwer ist es, die Wünsche von Finanzpolitikern und Sozialpolitikern unter einen Hut zu bringen? NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft argumentierte am Freitag mit Zahlen.

Sie habe einmal ausrechnen lassen, welche Folgekosten entstehen, wenn es keine weitere Investitionen in die Kinder- und Jugendhilfe gibt und welche „Reparaturkosten“ Schulverweigerer und Ausbildungsabbrecher, die wieder auf die Spur gesetzt werden müssen, verursachen.

Das Ergebnis: 25 Milliarden Euro im Jahr – zusätzlich. Bei einem Gesamthaushalt von derzeit 64 Milliarden Euro eine gigantische Summe. Wie wichtig Vorsorge ist, sollte damit beantwortet sein. Und dass gute Ideen und eine gute Zusammenarbeit aller Akteure vor Ort Gold wert sind, verdeutlichte sie am Freitag bei einem Besuch im Kreis Düren.

Ausstellung eröffnet

Die Ministerpräsidentin machte sich in Kreuzau einen Eindruck von der Entwicklung des Modellprojekts „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“. Sie besuchte den Kindergarten St. Heribert, nachdem sie zuvor im Dürener Kreishaus die Ausstellung „Gelingendes Aufwachsen“ eröffnet hatte. Der Kreis Düren gehört zu den drei am Modellprojekt beteiligten Landkreisen, seit zwei Jahren ist die Gemeinde Kreuzau sozusagen das Versuchslabor.

Im Mittelpunkt der Präventionsarbeit steht eine lückenlose Begleitung von Kindern und Eltern mit Angeboten, die bereits vor der Geburt ansetzen und bis zum Einstieg des Kindes ins Berufsleben reichen. Ärzte, Erzieher, Lehrer und Übungsleiter in Vereinen – es soll ein dichtes Netzwerk von Ansprechpartnern geknüpft werden – das zugleich auch als eine Art Frühwarnsystem funktioniert. Ein neu eingerichtetes Präventionsbüro ist zentrale Anlaufstelle für alle Belange, die Suche nach passenden Ansprechpartnern in den vielen beteiligten Ämtern entfällt damit. Auch sind die ersten 25 Präventionsfachkräfte ausgebildet worden – nach einem Modell, das für Kraft Vorbildcharakter haben könnte.

„Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden“, ist Hannelore Kraft überzeugt. Die Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Akteure im Kreis Düren ermögliche es, gute Ideen auszutauschen. Gleichzeitig bestehe zwischen den Teilnehmern des Modellprojekts landesweit ein reger Austausch.

Im Kindergarten St. Heribert ließ sich die Ministerpräsidentin das Modell eines „Bewegungskindergartens“ erklären. Dabei kooperiert die Kita mit dem Kreissportbund und Sportvereinen. Kraft: „Eine gute Idee kann wertvoller sein als jeder Fördertopf.“

„Ich glaube nicht an Fördertöpfe“, sagte Landrat Wolfgang Spelthahn. Er ist aber davon überzeugt, dass jeder in die Vorsorge investierte Euro eine gute Investition ist. An entsprechenden Projekten müsse parteiübergreifend gearbeitet werden. Die Einrichtung von 40 neuen Stellen in Jugendamt, Jobcom und Sozialamt und die Einrichtung des Präventionsbüros trage mittlerweile erste Früchte, bilanzierte Spelthahn.

Im Vergleich zu anderen Landkreisen seien die Sozialausgaben zwar auch im Kreis Düren gestiegen, doch seien Kosten in Höhe von 725.000 Euro vermieden worden. Es mussten beispielsweise weniger Kinder in einem Heim untergebracht werden. Perspektivisch rechnet Spelthahn mit weiter steigenden Ausgaben. Daher sei es umso wichtiger, dieses „Wachstum zu verlangsamen“.

Die in Kreuzau gesammelten Erfahrungen sollen mit den übrigen Städten und Gemeinden im Frühjahr ausgetauscht werden, bewährte Bausteine der Vorsorge sollen überall zur Anwendung kommen. Auch die Präventionsfachkräfte sollen kreisweit geschult werden. Eine Zusammenarbeit besteht auch zwischen den Jugendämtern des Kreises und der Stadt. Hannelore Kraft umriss am Freitag weitere Aufgabenfelder: Schulverweigerer, Inklusion und die Frage, wie die Gesellschaft mit Flüchtlingen umgeht. „Wir sind nie fertig“, sagte sie.

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