Nörvenich - Nach zwei tödlichen Unfällen: Jetzt sind Leitplanken im Gespräch

Nach zwei tödlichen Unfällen: Jetzt sind Leitplanken im Gespräch

Von: Burkhard Giesen
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Dezember 2015: An dieser Stelle zwischen Stockheim und Jakobwüllesheim verunglückt eine 19-jährige Kerpenerin tödlich. Acht Monate später stirbt wenige hundert Meter weiter eine 19-jährige Nörvenicherin. Hätten Leitplanken vor den Bäumen das verhindern können? Foto: B. Giesen

Nörvenich. Nach dem zweiten Unfall mit tödlichem Ausgang innerhalb von nur wenigen Monaten will die Unfallkommission des Kreises Düren den Abschnitt der Landesstraße 327 zwischen Jakobwüllesheim und Stockheim Anfang Dezember genauer unter die Lupe nehmen.

Ende Dezember 2015 war eine 19-jährige aus Kerpen abends in einer Rechtskurve von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Sie verstarb noch am Unfallort. Mitte August 2016 dann der nächste tödliche Unfall: eine 19-jährige Nörvenicherin kam nachmittags in einer Linkskurve von der Straße ab und wurde in den Straßengraben geschleudert. Auch sie starb noch am Unfallort.

Andere Unfälle sind glimpflicher verlaufen: So gerät zum Beispiel im Januar 2015 auf der kurvigen Strecke ein Sattelschlepper in die Gegenfahrbahn, es kommt zu einer Kollision mit einem Kurierfahrzeug. Im März 2013 kippt ein mit Stahlmatten beladener Anhänger um – das löst einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr aus.

„Auch wenn das Tempo bei den beiden Unfällen mit tödlichen Ausgang keine Rolle gespielt hat, scheinen uns Tempomessungen an dieser Stelle geboten“, erklärt Melanie Mallmann von der Polizei Düren, warum dieser Abschnitt der L 327 mit zu den Stellen gehört, die regelmäßig von den Überwachungskräften kontrolliert werden. Mallmann: „Landstraßen werden oft unterschätzt. Man kommt aus einer Ortschaft und fährt schneller. Auf dieser Straße gibt es Steigungen, Kurven und die Lichtverhältnisse wechseln.“ Das berge Gefahren, auch wenn die Polizei den Straßenabschnitt noch nicht als Unfallhäufungsstelle klassifizieren würde.

Genauer hinschauen, wie weitere schwere Unfälle künftig verhindert werden können, will man dennoch. Anfang Dezember werden sich Polizei, der Landesbetrieb Straßen NRW und das Straßenverkehrsamt des Kreises zusammensetzen und überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll sein könnten. Denkbar sei zum Beispiel kurzfristig eine Erneuerung der Fahrbahnmarkierung.

Diskutiert werden soll zudem eine Geschwindigkeitsbegrenzung. „Die gibt es bisher noch nicht. Eine Beschilderung wäre schnell umzusetzen“, erklärt Josef Kreutzer, Sprecher der Kreisverwaltung.

Im Gespräch ist noch eine weitere Maßnahme: Leitplanken zumindest in den Kurven könnten verhindern, dass Autofahrer im Straßengraben landen oder gegen einen Baum fahren. Josef Kreutzer: „Für Leitplanken muss allerdings immer genügend Platz vorhanden sein, damit sie die Energie auch aufnehmen können. Andernfalls schaffen wir ein neues Problem, weil das Unfallauto auf die Straße zurückprallt und in den Gegenverkehr gerät.“

Rainer Polzenberg, ehemaliger Ortsvorsteher von Brandenberg, engagiert sich schon seit Jahren bei diesem Thema. Er konnte zum Beispiel erreichen, dass in der Eifel verstärkt doppelte Leitplanken installiert wurden, die speziell Motorradfahrer bei Unfällen besser schützen. Polzenberg hatte bereits im Juli den Bundes- und den Landesverkehrsminister angeschrieben und ein spezielles Programm eingefordert, wonach Bundes- und Landesstraßen im Bereich vor Bäumen generell mit Leitplanken ausgestattet werden sollten.

„Die Problematik der Baumunfälle ist der Landesverwaltung bekannt und wird auf Grundlage der geltenden Regelwerke sehr intensiv und gewissenhaft verfolgt. Die gilt schon deshalb, das sowohl NRW-weit als auch im Kreis Düren jeder 5. Unfalltote als Folge eines Baumunfalls zu beklagen ist, räumt das Ministerium in seiner Antwort an Polzenberg ein, sieht gleichwohl allerdings die Unfallkommissionen der Kreise gefordert, da eine „flächendeckende Absicherung aller Straße mit passiven Schutzeinrichtungen“ nicht möglich wäre.

Und: „Zudem können im Bereich schmaler Straßen Leitplanken ein notwendiges Ausweichen unterbinden“ – das würde insbesondere Radfahrer treffen. Dann bliebe nur noch die Entfernung der Bäume – wie zum Beispiel auf der L 13 zwischen Geich und Echtz, wo nach Angaben des Ministeriums „in einer Kurvensituation zum Schutz der Fahrer und Fahrzeuginsassen einige Großbäume“ entfernt wurden.

Auf der L 327 zwischen Jakobwüllesheim und Stockheim würde auch diese Notlösung nur begrenzt helfen – im Straßengraben könnte man immer noch landen.

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