Nach Überfall: Friedensessen und Geld

Von: W. Schumacher
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Aachen/Jülich. 22 Verhandlungstage, das ist eine stattliche Zahl, die die 4. Große Strafkammer (Vorsitz Richter Norbert Gatzke) in Sachen Überfall auf dem Sportplatz in Jülich-Güsten bei einem Fußballspiel am 6. November 2016 absolviert hat.

Dort waren die Angeklagten während eines Fußballspieles auf Spieler und Zuschauer gestürzt und hatten sie mit Fäusten und Gegenständen wie Baseballschlägern malträtiert, mehrere Menschen wurden verletzt.

Am Montag nun bekamen die Zuschauer im Gerichtssaal den Rest der Verteidiger-Plädoyers zu hören. Begonnen hatte in der vergangenen Woche die Staatsanwaltschaft, die mit sechs Haftstrafen von bis zu fünf Jahren Gefängnis wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung aufwartete und nur zwei Bewährungsstrafen beantragte.

Auch am Montag hielten die Verteidiger – jeder Angeklagte hatte in diesem Verfahren zwei Anwälte – die Anträge der Staatsanwaltschaft für völlig überzogen. Bei einem der Angeklagten ist das nachzuvollziehen, die Beweisaufnahme scheint – ohne hier der Kammer vorgreifen zu wollen – erbracht zu haben, dass er nicht den Platz gestürmt hatte. Seine Verteidiger beantragten Freispruch. Im Fall des mit der höchsten Haftstrafe von fünf Jahren bedrohten Abdurrahman O. machte der Bonner Anwalt Ingo Thiee geltend, sein Mandant habe trotz laufender Bewährung in einer anderen Sache eine nochmalige Chance verdient. Er forderte eine erneute Bewährungsstrafe.

Alle Angeklagten hatten in ihrem letzten Wort vor der Urteilsverkündung am kommenden Freitag, 19. Mai (9 Uhr, Landgericht Aachen) ihr Bedauern über ihr eigenes Verhalten kundgetan. Die Sache war hochgekocht, weil sich Mitglieder der libanesischen Volksgruppe aus Jülich und der kurdischen aus Düren über ein Verkehrsdelikt in die Haare geraten waren, daraufhin ging der sonntägliche Feldzug der Dürener gegen die Jülicher los.

Die streitenden Parteien hatten sich durch die Vermittlung familieninterner Schlichter bereits zu einem Friedensessen getroffen und den Streit der jungen Männer beigelegt.

Auch untereinander hatten Täter und Opfer über Anwälte bereits Entschädigungszahlungen ausgehandelt. Die mediale Aufmerksamkeit, die der Sportplatzüberfall hervorrief, habe Täter wie Opfer wie ein D-Zug überrollt.

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