Nach „Team Wallraff“: Rurtalwerkstätten investieren viel Geld und Personal

Von: Carsten Rose
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„Scheitern ist keine Option“: Wolfgang Nettersheim (l.), Geschäftsführer der Rurtalwerkstätten. Foto: Rose

Düren/Niederzier. Als der Aufzug nach oben fährt, sagt Wolfgang Nettersheim passenderweise, dass in seinem Haus einiges in Bewegung ist. Nettersheim, 49, ist Geschäftsführer der Rurtalwerkstätten (RTW), die nach dem RTL-Beitrag vom „Team Wallraff“ im Februar in die Kritik geraten waren. Bis September muss das gemeinnützige Unternehmen Auflagen der Bundesagentur für Arbeit (BA) umsetzen.

Der Aufzug fährt nach oben, die Richtung, die Nettersheim auch symbolisch für die RTW sieht. Diese strukturieren sich um, Nettersheim erklärt die Lage.

Was tut sich momentan?

Die Rurtalwerkstätten investieren „mindestens 400.000 Euro“ in das Werk 3 im Gewerbegebiet in Huchem-Stammeln. Bis Mitte August sollen die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen sein, bis Ende Dezember soll das Werk barrierefrei sein. Dort entsteht ein zentraler Berufsbildungsbereich für Menschen mit geistiger Behinderung – ein Bereich, der strikt von der Produktion getrennt ist. Die BA hatte unter anderem diese Änderung nach eigener Prüfung und in Zusammenhang mit dem TV-Bericht als Auflage genannt, damit die RTW Anfang September neue Teilnehmer aufnehmen dürfen. Gut 300 werden im Zuge der Umstrukturierung innerhalb der acht RTW-Häuser die Plätze wechseln. Im Werk 3 waren bislang 90 psychisch Erkrankte untergebracht; sie ziehen ins Werk 5 nach Düren. „Für manche bedeutet der Umzug Stress, aber insgesamt hat sich das Vorgehen nicht als das extreme Problem herausgestellt, wie wir befürchtet hatten“, sagt Nettersheim. Vor Monaten waren noch Neubauten beziehungsweise externe Gebäude im Gespräch, bis die RTW sich für die interne Lösung entschieden.

Gibt es personelle Änderungen?

Ja. Seit April und August sind sieben weitere Mitarbeiter für die geistig Behinderten bei den RTW zuständig (neue Kräfte oder welche, die die Abteilung gewechselt haben). Im Bereich der psychisch Kranken wurde eine Fachkraft für Lernen und Lehren eingestellt.

Ist jetzt alles in Ordnung?

Noch nicht. Die RTW warten noch auf die Rückmeldung der BA auf ihr im Juni vorgelegtes Konzept. Die BA wird laut Nettersheim das Werk 3 Ende August noch einmal überprüfen. Der Geschäftsführer betont: „Mit unseren Investitionen stehen wir besser da, als gefordert. Wir haben nicht nur Räumlichkeiten geschaffen, wir haben sie auch modernisiert.“

Was passiert, wenn die RTW die Zulassung nicht rechzeitig erhalten?

Dann greift eine kostspielige Alternative: „Sollten uns die etwa 30 neuen Teilnehmer nicht zugewiesen werden, bieten wir an, sie als Praktikanten aufzunehmen.“ Würde bedeuten: Die BA zahlt den RTW kein Geld, die wiederum müssen aber ihre Angestellten bezahlen. Mit dem Praktikumsangebot will Nettersheim verhindern, dass die RTW ihre potenziellen Teilnehmer für immer an benachbarte Einrichtung verliert. „Wir sind in engem Kontakt mit künftigen Teilnehmern, mit den Schulpflegschaften, mit den Schulen an sich. Manche Teilnehmer sind im Zweifelsfall auch bereit zu warten, falls wir die Zulassung erst später bekommen.“ Keine Zulassung sei für Nettersheim jedoch keine Option, er sagt: „Ich bin mehr denn je überzeugt, dass wir bis September das OK bekommen. Ich verschwende keine Gedanken ans Scheitern.“

Hat der RTL-Beitrag erst für die Veränderungen gesorgt?

Diese Frage verneint Nettersheim deutlich: Er ist seit Oktober im Amt, und weil er Betriebswirt ist, schaut er nach eigener Aussage generell anders auf das Unternehmen. Änderungen, die jetzt vorgenommen werden, hätte er ohnehin vornehmen wollen – beziehungsweise müssen.

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