Nach sechs Jahren: Brutaler Überfall auf Ehepaar aufgeklärt

Von: Sandra Kinkel
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Ein DNA-Profil hat die Täter, die vor sechs Jahren ein Dürener Juwelierehepaar ausgeraubt haben, überführt. Foto: imago/Jochen Tack

Düren. Es war eines der brutalsten Verbrechen der vergangenen Jahre in Düren. Am 21. September 2010 ist ein Dürener Juwelierehepaar in seinem Haus überfallen und ausgeraubt worden. Beide Opfer (damals 74 und 73 Jahre alt) erlitten lebensbedrohliche Verletzungen, die sie für den Rest ihres Lebens zeichnen werden. Gestohlen wurden 74 Schmuckstücke im Wert von 150.000 Euro.

Am Donnerstag, fast auf den Tag genau sechs Jahre nach der Tat, wurden die Täter, zwei Männer (38 und 48 Jahre) aus Rumänien, festgenommen.

In Frankreich auffällig geworden

Der jüngere der beiden Männer, der wegen versuchten Mordes angeklagt werden soll, ist in Frankreich erneut auffällig geworden, erklärte die Aachener Staatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. „Aufgrund neuer Methoden“, ergänzt die Juristin, „war es in diesem Jahr möglich, aus den Spuren, die am Dürener Tatort ermittelt worden sind, ein vollständiges DNA-Profil zu extrahieren. Und das stimmte mit den Daten aus Frankreich überein.“

Plötzlich war also zumindest einer der beiden Täter namentlich bekannt und konnte mit internationalem Haftbefehl gesucht werden. Schlenkermann-Pitts: „Dank guter polizeilicher Fahndungsarbeit wurde der Mann am Donnerstag in Baesweiler gefasst.“ Aufgrund seiner Aussage wurde dann auch der zweite Täter noch am gleichen Tag in Düren verhaftet.

Dem 38-Jährigen wird vorgeworfen, auf brutalste Art auf das Juwelierehepaar eingeschlagen und eingetreten zu haben. Sein zehn Jahre älterer Komplize soll während der Tat vor der Tür gewartet haben. Er wird wegen besonders schwerem Raub angeklagt. Beide erwartet ein Strafmaß von maximal 15 Jahren Haft, Teile der Beute von damals wurden bislang nicht gefunden.

Bei „relevanten Vergehen“, erklärt Schlenkermann-Pitts weiter, bei denen für die Täter eine „empfindliche Freiheitsstrafe“ zu erwarten sei, würde die Polizei immer versuchen, DNA-Spuren zu ermitteln. Speichelspuren an einem Glas oder einer Zigarette, ein Haar, eine Hautschuppe, Schweiß oder Blutkörperchen reichen aus, um den genetischen Fingerabdruck eines Menschen zu bestimmen. Die Daten werden dann in einen Computer eingegeben und immer wieder automatisch abgeglichen – und das europaweit. Schlenkermann-Pitts: „Es gibt zumindest zwischen den Schengen-Staaten ein Abkommen, dass solche Daten ohne zusätzlichen Antrag weitergegeben werden dürfen.“

Dass Straftaten nach so langer Zeit doch noch aufgeklärt werden, ist gar nicht so selten, auch nicht im Kreis Düren. So konnte beispielsweise der Mord an der Ehefrau (77) des Besitzers eines bekannten Dürener Möbelhauses im Februar 2006 knapp zehn Jahre nach der Tat nach einem Routine-DNA-Abgleich aufgeklärt werden. Erst 20 Jahre nach der Tat wurden die beiden zur Tatzeit 15 und 20 Jahre alten Mörder eines 61 Jahre alten Mannes aus Nörvenich ermittelt – mit Hilfe eines DNA-Speicheltests. „Mord verjährt nie“, sagt die Staatsanwältin. „Die Daten werden dauerhaft aufbewahrt.“

Einer, der sich noch gut an den Fall des Dürener Juwelierehepaares erinnern kann, ist Robert Deller, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2013 Oberstaatsanwalt in Aachen. „Ich habe schon damals nicht verstanden, wieso es bei dieser Tat zu so einer schrecklichen Gewalteskalation gegenüber einem älteren Ehepaar kommen konnte, und ich kann es heute immer noch nicht nachvollziehen. Die Täter hätten die Beute mitnehmen können, ohne zwei wehrlose Senioren derart zu verletzen, dass sie den Rest ihres Lebens auf Pflege angewiesen sind.“

Es sei fast schon eine Genugtuung, so Deller, dass die Täter hätten gefasst werden können. „Solche dramatischen Fälle“, erklärt der pensionierte Oberstaatsanwalt, „werden eigentlich nie zu den Akten gelegt.“ Es gibt immer wieder neue technische Möglichkeiten. Und deswegen überprüft die Polizei auch in regelmäßigen Abständen, ob vorhandene Spuren mit neuester Technik ausgewertet werden können. Und das führt dann nicht selten zum Erfolg.

Aber was bedeutet es für die Opfer, dass die Täter nach sechs Jahren gefasst worden sind? Eine Einschätzung ist schwierig. Thomas Hax-Schoppenhorst von der LVR-Klinik erklärt: „Grundsätzlich verarbeiten Menschen derart dramatische Ereignisse unterschiedlich. Die einen wollen das Erlebte – was nur schwer möglich ist – verdrängen, anderen gelingt es kaum, sich von den Bildern zu lösen. Angesichts der Schwere der Tat und des sich daran anschließenden unsäglichen Leids ist davon auszugehen, dass mit der Festnahme eine gewisse Erleichterung erlebt wird. Immerhin sind die Verursacher hinter Schloss und Riegel. Die Gerechtigkeit nimmt ihren Lauf.“

Mit der Gerichtsverhandlung, so Hax-Schoppenhorst weiter, werde alles noch einmal eine neue Qualität erfahren. „Viele Opfer und deren Angehörige berichten, dass damit die Uhr gewissermaßen noch einmal zurückgedreht wird und sich das Gefühl breitmacht, als hätte sich gestern alles ereignet. Die Belastung ist unzweifelhaft enorm.“

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