Nörvenich - Nach „Nummernboy“ drohen weitreichende Folgen

Nach „Nummernboy“ drohen weitreichende Folgen

Von: Jörg Abels
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Der umstrittene Auftritt von Nummernboy „Remy“ auf der Damensitzung; Mittwochabend entscheidet das RvD-Präsidium über die Konsequenzen für die KG „Fidele Jonge“ Nörvenich. Foto: Martinak

Nörvenich. Die erste Konsequenz bekamen die knapp 400 Männer in der Neffeltalhalle zu spüren: Fünf Minuten vor Beginn der Herrensitzung am Samstag teilten die „Fidele Jonge“ mit, dass sie nach dem Eklat um Nummernboy „Remy“ im Verlauf der Damensitzung jetzt und in Zukunft auch bei Herrensitzungen auf ein Nummerngirl verzichten werden.

Ob diese Einsicht noch rechtzeitig kommt, wird sich Mittwochabend zeigen. Dann muss sich der Vorstand der KG gegenüber dem Regionalverband Düren (RvD) erklären, sich für die Vorfälle auf der Damensitzung verantworten. Nummernboy „Remy“ hatte ohne Absprache mit der KG – wir berichteten – zweideutige Turnübungen mit einer „Assistentin“ aus dem Publikum veranstaltet, sich und die junge Frau mit Sprühsahne zum Abschlecken drapiert.

Obwohl Programmgestalter Ralf Liesenfeld den Fehler umgehend auf seine Kappe nahm und beteuerte, dass so etwas „nicht wieder vorkommen wird“, droht der KG „Fidele Jonge“ nun der Rauswurf aus dem RvD, dessen Satzung „Auswüchse in der fastnachtlichen Brauchtumspflege“ als Ausschlussgrund definiert. Es heißt: „Oben-ohne-Darbietungen, Striptease und Zoten, die die Grenzen des guten Geschmacks massiv überschreiten ... sind eindeutige Auswüchse ... und Ausschlussgründe.“

„Wenn das passiert, ist der Verein tot“, ist aus Kreisen der 1932 gegründeten KG gleich mehrfach zu hören. Welche Folgen hätte ein Rauswurf aus dem Regionalverband Düren, mit dem auch ein Ausschluss aus dem Bund Deutscher Karneval (BDK) verbunden wäre?

Die Jungs und Mädchen der Jugendabteilung dürften ab sofort nicht mehr an Tanzturnieren des Verbandes teilnehmen. Auch das für den 26. Januar geplante Tanzturnier der „Fidele Jonge“ in der Neffeltalhalle würde für die Jahrgänge 1998 bis 2007 (Jugend und Junioren) seinen Status als Qualifikationsturnier zur RvD-Meisterschaft verlieren.

Der Verein würde nicht länger von den vom BDK ausgehandelten GEMA-Ermäßigungen profitieren und könnte auch nicht mehr länger den vom RvD mit einer Versicherung abgeschlossenen Gruppenrahmenvertrag nutzen, der mit Prämienrabatten von bis zu 50 Prozent verbunden ist. An Fortbildungsmaßnahmen und Workshops des Regionalverbands dürften „Fidele Jonge“ nicht mehr teilnehmen, auch Orden für verdiente Karnevalisten würde es ab sofort nicht mehr geben.

„Wir werden sehr sorgfältig mit der Thematik umgehen“, betonte RvD-Präsident Rolf-Peter Hohn am Montag auf DZ-Nachfrage, sprach aber von einer erdrückenden Faktenlage und verwies auch gestern noch einmal darauf, dass die Nörvenicher – wenn auch andere Verantwortliche – schon in der Session 1996/97 mit einem Oben-ohne-Auftritt eines sogenannten Nummerngirls gegen die RvD-Satzung verstoßen haben.

„Nummerngirls- und -boys gehören einfach nicht auf eine Karnevalssitzung“, steht für Rolf-Peter Hohn unwiderruflich fest. Ihre Auftritte würden nur Gefahren bergen. „Darauf haben wir als Verband die Vereine immer wieder hingewiesen.“

Der Ausschluss einer KG aus dem Regionalverband wäre kein Novum. Bereits Ende der 90er Jahre wurde die KG „Blau-Weiße Sterne“ Derichsweiler nach einem Oben-ohne-Auftritt vor die Türe gesetzt und erst nach zehn Jahren wieder aufgenommen. Wie die „Fidele Jonge“ gehörten sie 1957 zu den Gründungsmitgliedern des Regionalverbands.

Beispiel Eschweiler-Röhe

Dass ein Rauswurf aus dem Verband aber nicht zwangsläufig sein muss, zeigt ein anderes Beispiel aus Eschweiler, das gerade einmal zwei Monate zurückliegt. Auf der Herrensitzung der KG „Onjekauchde“ im Stadtteil Röhe Anfang November zückte ein Nummerngirl auch Sprühsahne, verzierte damit ihren blanken Busen, verband zwei Männern auf der Bühne die Augen und ließ sie dann von der Sahne kosten, allerdings von einem von ihr zwischenzeitlich auch besprühten Apfel.

Wie in Nörvenich wurde die KG von der nicht gewünschten Darbietung überrumpelt. Das Karnevals-Komitee der Stadt Eschweiler – wie der RvD Mitglied im BDK – verzichtete deshalb auf einen Rauswurf, ohne die Aktion gutzuheißen, im Gegenteil.

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