Nach Lagerhallenbrand: Umzug verschiebt sich um ein Jahr

Von: Katharina Menne
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Bernhard Levenig vor den Überresten der Lagerhalle. Foto: Menne

Pingsheim. Stahlträger, umgeknickt wie Strohhälme, ragen aus dem Blechhaufen. Brandgeruch liegt in der Luft. Die Rohre der Kühlanlage sind verbogen. Überall liegt schwarz verkohltes Dämmmaterial umher. Die Flammen haben in der Mainacht ganze Arbeit geleistet, als sie von der neuen Lagerhalle des Beerenobstbetriebs Levenig am Ortsrand von Pingsheim Besitz ergriffen haben.

Die Ermittlungen zur Brandursache laufen noch. Aktuell deuten die Untersuchungen auf einen technischen Defekt hin, teilte die Pressestelle der Polizei auf Anfrage mit. Bernhard Levenig blickt fassungslos auf die Überreste seiner Betriebserweiterung. „Wir wollten nächste Woche mit der gesamten Produktion in die Halle umziehen“, sagt er.

Im vorderen Teil sollte eine hochmoderne Salzwasser-Kühlanlage die Erdbeeren frisch halten. Eine automatische Verpackungsstation im hinteren Bereich sollte auch Sonderwünsche der Kunden erfüllen und die frisch gepflückten Beeren pünktlich zum Muttertag in Herzschalen einsortieren.

„Wenn ich das hier sehe, kommen mir fast die Tränen“, sagt Levenig. Er selbst war in Spanien, als das Unglück passierte. Der Anruf seiner Frau erreichte ihn nachts gegen fünf Uhr. Ein Taxifahrer habe die Flammen gesehen und die Feuerwehr gerufen, wurde ihm gesagt. Die rückte sofort mit einem Großaufgebot an und war fast elf Stunden damit beschäftigt, die Flammen in Schach zu halten und sie schließlich zu löschen. „Ich bin den Einsatzkräften unglaublich dankbar, dass zumindest der hintere Teil der Halle gerettet werden konnte“, sagt Levenig.

Bevor er jedoch die Überreste beseitigen und den Hallenkomplex neu bauen kann, müssen zuerst die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sein. Erst dann gibt die Versicherung grünes Licht. Bis dahin können noch ein paar Wochen vergehen. Dann aber wird der verkohlte Blechhaufen sofort mit dem Sondermüll entsorgt. „Ob wenigstens die Betonbodenplatte liegen bleiben kann, muss dann ein Sachverständiger klären – aber ich befürchte, auch die hat es hinter sich“, sagt Levenig und schüttelt betrübt den Kopf.

Wenn alles gutgeht, rechnet er damit, dass eine neue Halle frühestens im März 2018 stehen wird. „Für diese Saison ist das Projekt gelaufen.“ Dabei hatte erst vor einer guten Woche der Frost seine Erdbeer-, Stachelbeer- und Johannisbeerernte beschädigt. Bis zu 80 Prozent der noch jungen Blüten sind kaputt. „Und jetzt auch noch der Brand – das ist wirklich eine Katastrophe“, sagt Levenig.

Doch der Betrieb muss weiterlaufen. Der Unglücksmontag sollte der erste Erntetag sein. Die Erntehelfer stehen bereits in den Startlöchern. Die Kunden warten. Viel Zeit zum Trauern bleibt da nicht. „Wir müssen jetzt nach vorne schauen und das Beste aus der Situation machen“, sagt Levenig. An den blauen Schriftzug „Levenig“ mit den beiden knallroten Erdbeeren an der Kopfseite der Halle erinnert nur noch ein einsames „i“.

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