Nach Gerüchten in Drove: Bürgermeister mahnt zur Ruhe

Von: Sarah Maria Berners
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In einer Bürgerinfo am Dienstag, 1. Dezember, wird die Bezirksregierung die Drover Bevölkerung über die Flüchtlingsunterkunft im bisherigen Seniorenheim informieren. Foto: Sarah Maria Berners

Drove. Ein Eintrag im sozialen Netzwerk Facebook im Internet hat den beschaulichen Ort in der Gemeinde Kreuzau über Nacht deutschlandweit bekannt gemacht. Die Nachricht, dass das Drover Seniorenheim geschlossen wird und dort Anfang Januar 300 Flüchtlinge einziehen sollen, hat hohe Wellen geschlagen.

Die Wogen haben sich mittlerweile etwas geglättet, im Netz ist die teils sehr unsachliche Debatte rasch abgeebbt. In Drove aber bleibt das Thema Gesprächsstoff.

„Vor allem über das Vorgehen der Betreiber des Seniorenheims und der Bezirksregierung haben sich viele Drover geärgert“, sagt Ortsvorsteher Horst Hechemer (CDU). Die kurze Kündigungsfrist für die Bewohner finden viele Bürger nicht nachvollziehbar und moralisch verwerflich. Vor allem tut es ihnen leid um die Handvoll Drover Senioren, die dort in der Nähe der Familien leben. Das Vorgehen hat die Stimmung angeheizt. „Aber da können die Flüchtlinge ja nichts für“, sagt eine Anwohnerin.

Und natürlich spricht man auch über eben diese 300 Flüchtlinge, die ab Januar in Drove leben werden. Es gibt Menschen, die sich Gedanken und Sorgen um die Flüchtlinge machen – und Menschen, die sich Gedanken und Sorgen wegen der Flüchtlinge machen.

Die einen überlegen schon jetzt, wie sie die Ankommenden tatkräftig unterstützen können, zum Beispiel mit Kleiderspenden. Sie machen sich sogar Gedanken darüber, ob die zum Teil traumatisierten Personen adäquat und professionell betreut werden. Und da sind Menschen, die sich schon ein bisschen Gedanken machen, wie das mit den 300 Flüchtlingen in einem 2000-Einwohner-Dorf funktionieren kann.

Nachbarn, die sich fragen, wie sich das Leben im Ort verändern wird. „Die Drover stellen Fragen, wie die Flüchtlinge dort beschäftigt werden können. Sie machen sich Gedanken, ob es bei so vielen Menschen auf kleinem Raum nicht zu Konflikten kommt“, sagt Horst Hechemer. Gleichwohl sei es „erstaunlich ruhig“ im Dorf. Das dürfte auch daran liegen, dass laut Bezirksregierung besonders schutzbedürftige Personen, zum Beispiel schwangere Frauen und Familien, untergebracht werden sollen.

Aber in Drove gibt es auch Menschen, die das Bild von Flüchtlingen schüren, die stehlen und gefährlich. „Gegen solche Vorurteile und Unterstellungen wehre ich mich“, sagt Hechemer. In Gesprächen versuche er, diese zu entkräften, erinnert daran, dass „unsere Vorfahren“ vor 70 Jahren auch Flüchtlinge waren.

Entkräften kann diese Vorurteile auch Melanie Mallmann, Sprecherin der Dürener Polizei: „Uns ist nicht bekannt, dass es in unmittelbarer Umgebung zu den Notunterkünften für Flüchtlinge ein vermehrtes Aufkommen von Straftaten gegeben hat“, betont sie mit Blick auf die Erstaufnahmeeinrichtungen in Düren und Gürzenich.

Und wie steht es um das Konfliktpotenzial in den Unterkünften? 27 Mal sei die Polizei seit dem 21. September nach Gürzenich-Wald gerufen worden. Es gab Einsätze wegen Brandalarmen und Verkehrsbehinderungen, aber auch wegen Streitigkeiten. Viermal ging es um Körperverletzungsdelikte. „Wo viele Menschen aus verschiedenen Kulturen auf engstem Raum zusammenleben, kommt es auch zu Konflikten. Derartige Situationen lassen sich kaum vermeiden, völlig unabhängig von der Nationalität der dort untergebrachten Menschen“, ordnet Mallmann ein.

Bürgermeister Ingo Eßer (CDU) mahnt zu Ruhe, Besonnenheit und sachlichen Diskussionen. „Es mag nicht alles ohne Probleme ablaufen“, sagt er. „Als Gemeinde haben wir ja auch schon mehrere Informationsveranstaltungen zu Flüchtlingsunterkünften gemacht. In allen Orten gab es auch besorgte Bürger. Aber bisher haben sich viele Befürchtungen nicht bewahrheitet.“

Am Dienstag, 1. Dezember, wird die Bezirksregierung die Drover Bevölkerung informieren. Genaue Termindaten werden noch bekanntgegeben.

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