Nach der Wahl: Erwartungen, Analysen, Erklärungen

Von: ja/bugi
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Gratulation der Siegerin: Fred Schüller (SPD) wünschte Patricia Peill (CDU) alles Gute für ihre Arbeit in Düsseldorf, während mit Rolf Seel (CDU, l.) und Peter Münstermann (SPD, r.) zwei ausscheidende Landtagsabgeordnete im Kreishaus das Wahlergebnis diskutierten . Foto: Abels
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Gratulation der Siegerin: Fred Schüller (SPD) wünschte Patricia Peill (CDU) alles Gute für ihre Arbeit in Düsseldorf, während mit Rolf Seel (CDU, l.) und Peter Münstermann (SPD, r.) zwei ausscheidende Landtagsabgeordnete im Kreishaus das Wahlergebnis diskutierten . Foto: Abels

Kreis Düren. Kaum stand das Wahlergebnis am Sonntagabend fest, da wurden bereits erste Erwartungen an die neue Landesregierung deutlich. „Wir brauchen mehr Stellen für die Polizei, bei uns im Kreis Düren fehlen 50 Stellen“, erklärte Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) .

„Und ich wünsche mir, dass der Einwohner im ländlichen Raum künftig genauso viel wert ist wie der im Ruhrgebiet.“ Damit spricht Spelthahn auf eine Reform der Gemeindefinanzierung an. Sie war im Dürener und Jülicher Land ein wichtiges Wahlkampfthema.

Ziemlich genau um 21.45 Uhr am Wahlsonntag muss es gewesen sein, da lag das Wahlergebnis von Wissersheim vor. Endlich. Die Stimmen von nur 435 Wählern waren hier auszuzählen und normalerweise braucht man dazu nicht fast vier Stunden. Und Wissersheim war kein Einzelfall. Gleich in mehreren Kommunen hakte es. Teilweise waren die deutlich größeren Briefwahlbezirke schon ausgezählt, als immer noch nicht alle Ergebnisse der Stimmbezirke vorlagen. „In Wisserheim gab es einen Fehler in der Auszählung, deswegen hat es etwas länger gedauert“, erklärte am Montag Michael Reutter, Beigeordneter der Gemeinde Nörvenich.

„Im Vorfeld schulen wir mehrere Varianten, wie man bei der Auszählung die Stimmzettel sortiert, damit sich möglichst keine Fehler einschleichen“, betont Reutter. Einer der Tricks: Stimmzettel, bei denen die Erst- und Zweitstimme identisch sind, kommen auf einen Stapel, die, bei denen unterschiedlich votiert wurde, auf einen anderen, die ungültigen Stimmen landen in einem weiteren Stapel. Verkompliziert wird alles dadurch, dass es Stimmzettel gibt, wo nur eine der beiden Stimmen ungültig gemacht wird.

„Der Sortieraufwand ist schon enorm. Bei den Zweitstimmen standen immerhin 31 Parteien zur Wahl“, erklärt Reutter, warum es zu Verzögerungen kommen kann. Dieter Weber von der Stadt Nideggen hat seit Jahren Erfahrung in Wahlvorständen gesammelt: „Wenn man plötzlich irgendwo zwei Stimmen Differenz hat, wird man schnell hektisch.“ Erfahrung hilft also.

Zum Beispiel auch wenn es darum geht, die Wähler im Wählerverzeichnis richtig zu identifizieren. Weber: „Da kommen dann Leute, die Briefwahl machen wollten, plötzlich doch persönlich zur Stimmabgabe.“ Hinzu kommt laut Weber noch, dass alles ausführlich dokumentiert werden müsse: „Bei der Schnellmeldung, also dem Wahlergebnis, handelt es sich immerhin um eine Urkunde. Für diese Niederschrift sind neun Seiten auszufüllen.“ Und das kann dann eben, so wie nicht nur in Wissersheim, auch schon mal dauern.

Für Wahlgewinnerin Patricia Peill (CDU) war die Nacht kurz. Vom Kreishaus fuhr die Nörvenicherin direkt zur Wahlparty nach Jülich, um mit den dortigen Parteifreunden auf den unerwartet deutlichen Sieg im Nordkreis anzustoßen. Am Montag war dann erst einmal Zeit, die auf dem heimischen Schreibtisch liegengebliebene Arbeit zu erledigen.

Am Dienstag bereits geht‘s für sie und ihren CDU-Kollegen Ralf Nolten erstmals nach Düsseldorf zur konstituierenden Sitzung der neuen CDU-Fraktion. Welche Themen sie in Zukunft im Landtag am liebsten bearbeiten würde? „Energie, Innere Sicherheit und Bildung“, sprudelte es aus ihr heraus, wohl wissend, dass alle drei Themen wahrscheinlich nicht machbar sein werden.

SPD-Kandidat Fred Schüller hatte im Nordkreis lediglich in Niederzier die Nase vorne. Selbst in Aldenhoven und Inden, wo die Genossen bei der Zweitstimme ebenfalls vorne liegen, musste er sich Patricia Peill ebenso geschlagen geben wie in seiner Heimatgemeinde Titz. Einziger Lichtblick: Wenigstens in seinem Wohnort Rödingen konnte sich Schüller mit 46,6 zu 33,9-Prozent behaupten. Seine Hoffnung aber, mit seiner guten Vernetzung im Karneval zu punkten, zerplatzte mit dem Landestrend wie eine Seifenblase.

Im Südkreis hat CDU-Wahlgewinner Ralf Nolten durchweg die Nase vorn. Selbst in der Stadt Düren war der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Cem Timirci chancenlos. Mit 34,8 Prozent blieb er sieben Punkte hinter dem 2012er Ergebnis seiner Vorgängerin Liesel Koschorreck, während Nolten mit 39,4 Prozent sogar noch sechs Punkte mehr als seine Partei mit der Zweitstimme erzielte.

Überhaupt sieht das Ergebnis der Dürener CDU auf den ersten Blick so aus, als wäre der positive Trend ein wenig an ihr vorbeigegangen. Während die CDU im Land 6,6 Prozentpunkte zulegte, waren es in Düren nur 4,5. Zum vergleich: Bei der Kommunalwahl 2014 erreichte die Dürener CDU trotz deutlichen Verlusten immer noch knapp 42 Prozent. Für Parteichef Thomas Floßdorf kein Grund zur Beunruhigung. „Unser kommunalpolitisches Ergebnis liegt immer deutlich über dem bei Land- und Bundestagswahlen“, betonte Floßdorf. „und im Übrigen liegen wir immer noch leicht über dem NRW-Ergebnis der CDU“.

Mit 56,85 Prozent lag die Wahlbeteiligung in Düren über der von 2012 (52,5), war aber immer noch die geringste im Raum Aachen. Im Vergleich zur Kommunalwahl 2014, bei der nur 42 Prozent der Dürener von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, ist es aber dennoch ein satter Anstieg.

Die scheidende FDP-Landtagsabgeordnete Ingola Schmitz erlebte den Wahlausgang als ehrenamtlicher Wahlvorstand im heimischen Wissersheim. „Ich habe geahnt, dass wir ein solch fulminantes Ergebnis einfahren können“, erklärte die 54-Jährige. Die Oberstudienrätin möchte auf jeden Fall in den Schuldienst zurückkehren, wohin aber ist noch offen.

Die ebenfalls nach fünf Jahren nicht mehr in den Landtag zurückkehrende Gudrun Zentis (Grüne) hat die Option, in die Finanzverwaltung des Landes zurückzukehren. Ob die 63-Jährige diesen Schritt geht, hat sie noch nicht entschieden. „Jetzt räume ich erst mal meinen Schreibtisch in Düsseldorf auf, dann werde ich in Ruhe entscheiden, wie es weitergeht.“ Heute steht für sie die letzte Fraktionssitzung auf dem Programm, anschließend fährt sie zur Stadtratssitzung in ihrer Heimatstadt Nideggen.

Rolf Seel und Josef Wirtz (beide CDU) gehen mit Ende der Wahlperiode Ende Mai in den Ruhestand, Peter Münstermann und Liesel Koschorreck von der SPD wollen sich nur noch kommunalpolitisch engagieren.

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