Nach Brand: „Es hätte noch viel schlimmer sein können“

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Säcke voller Kleidung und Spielsachen haben Nachbarn und Bekannte der Familie gebracht, die bei einem Feuer alles verlor: Madeleine Löbus und Ferhat Yildirim mit Tochter Dünya. Foto: Berners

Düren. Dünya trägt einen lilafarbenen Hello-Kitty-Pullover, eine Jeans und – weil sie gleich draußen spielen möchte – eine Jacke mit lilafarbenen Blumen. Aber die Sachen gehören nicht ihr, sondern ihrer Cousine Leyla. Dünya, ihren sechs Geschwistern und der Mutter Madeleine Löbus ist nichts geblieben. Sie haben nur die Sachen, die sie am Leib trugen, als ihre Wohnung an der Euskirchener Straße am Neujahrstag vollkommen ausbrannte.

„Es ist schlimm, aber es hätte viel schlimmer kommen können“, sagt Madeleine Löbus. „Wir alle sind gesund, es ist niemandem etwas passiert. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Auch dem Baby, das die 30-Jährige in zwei Wochen zur Welt bringen wird, geht es gut.

Die Ereignisse vom Neujahrstag aber sitzen tief und es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis die Familie das Geschehene verarbeitet hat und bis so etwas wie Normalität in ihr Leben zurückkehrt. Derzeit lebt die Familie getrennt. Einige Kinder sind bei Tante und Oma untergekommen, andere leben mit der Mutter und dem Hund Lulu in der Wohnung von Schwager und Schwägerin. „Wir müssen alle ein bisschen zusammenrücken und Rücksicht aufeinander nehmen“, sagen sie. „Wir sind schließlich eine Familie.“

Viel Unterstützung

Und auch die Hilfsbereitschaft der Nachbarschaft, von Freunden und den Kindergärten, die die Kinder besuchen, war groß. Sofort wurden Kleider für die Kinder und ihre Mutter gespendet, andere Leute brachten Spielsachen vorbei. „Das hat mich wirklich überwältigt. Mit so viel Rückhalt und Unterstützung habe ich nicht gerechnet“, sagt Madeleine Löbus. In der Wohnung ist kaum Platz für die vielen Tüten und Taschen.

Als das Feuer in einem Kinderzimmer ausbrach, waren sechs Kinder, Madeleine Löbus und ihr Freund Ferhat Yildirim im Haus. Die älteste Tochter war bei einer Freundin. Als eines der Kinder den Rauch bemerkte, so schildert es die Familie, seien sie alle schnell in den Garten gelaufen. Nur die neunjährige Semiha war vor Schreck stehengeblieben. „Also bin ich zurück ins Haus gerannt und habe meine Tochter geholt“, erzählt Ferhat Yildirim. Nicht mehr retten konnte er die Katze. Das grässliche Jaulen sitzt ihm noch im Ohr. Die Nachbarn halfen der Familie über den Zaun.

Schwager Ozan Yildirim und seine Freundin Patricia hatten aus ihrem Wohnzimmer, dass nur einen Steinwurf entfernt liegt, die starke Rauchentwicklung gesehen. „Wir wollten noch anrufen, um sie zu warnen. Aber die Leitungen waren tot. Und dann sahen wir, dass es Madeleines Wohnung war.“

Jetzt blickt Madeleine Löbus vom Wohnzimmer ihrer Gastfamilie auf das Wohnhaus. Elf Jahre hat sie dort gelebt. Jetzt ist die Fassade rußgeschwärzt, die geborstenen Fenster sind verbrettert. Die Suche nach einer neuen Wohnung hat längst begonnen, allerdings ist das ein schwieriges Unterfangen. „Sind wir doch ehrlich. Viele Vermieter wollen keine Familie mit so vielen Kindern“, sagt Ferhats Bruder Ozan Yildirim. „Da gibt es so viele Vorurteile.“

Madeleine Löbus würde mit ihren Kindern gerne im Viertel bleiben. „Wegen der Schule und des Kindergartens. Die Kinder haben ja schon ihr Zuhause verloren“, sagt sie. Wer die Familie bei der Wohnungssuche unterstützen will, kann sich per E-Mail an nc-loebusro@netcologne.de wenden.

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