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Nach 200 Jahren endet die bewegte Geschichte eines Restaurants

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Claus und Gaby Fuhs fällt der Abschied nicht leicht.
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Diese Postkarte der „Schönen Aussicht“ aus dem Jahr 1910 hat ein Freund der Familie Fuhs in Belgien auf einem Trödel entdeckt.

Merzenich. Die Geschichte des Restaurants „Schöne Aussicht“ am Rande von Merzenich ist lang. Schon vor 200 Jahren wurde dort gespeist und getrunken. Vielleicht sogar noch früher. „Die Grundmauern des Gebäudes sind noch aus Zeiten Napoleons“, erzählt Gaby Fuhs (55). Viel ist über die Geschichte des traditionsreichen Landgasthauses, das seit 140 Jahren im Familienbesitz ist, nicht überliefert.

Durch die Wirren der beiden Weltkriege sind viele interessante Dokumente verloren gegangen. „Die Kölner Landstraße war schon früh eine der Straßen, die strahlenförmig von Köln in das Umland führten“, erzählt Claus Fuhs (57). Und so sei vor langer Zeit eben die „Schöne Aussicht“ entstanden, als Pferdestation, Gasthof, vielleicht sogar als Poststation. Reisende, Geschäftsleute, Jäger und Landwirte kehrten in dem Restaurant ein.

Eines der Schätze in der roten Mappe ist eine Zeitungsannonce aus dem Jahre 1859. „In dem auf der Düren-Kölner Landstraße, dem Dorfe Merzenich gegenüber gelegenen Hause habe ich mit dem heutigen Tage eine Gastwirtschaft eröffnet und erlaube ich mir dieselbe dem reisenden Publikum bestens zu empfehlen, indem für alle Bequemlichkeiten, für vorzügliche Speisen und Getränke, so wie für gute und reelle Bedienung Sorge getragen ist“, heißt es in dem kleinen Abschnitt, den Mathias Reuth 1859 inserierte. Einige Jahre später ging der Gasthof in den Besitz von Claus Fuhs‘ Vorfahren über.

Die Pferde wurden von Autos abgelöst und die Verpflegung entsprechend angepasst: Eine Tankstelle stand vor dem Gebäude. An der Stelle, an der zu anderen Zeiten die Gäste an weißen Metalltischen auf eine Tasse Kaffee Platz nahmen. In den 200 Jahren haben sich das Haus und seine Umgebung verändert. So ist auf einigen Bildern noch die Allee zu sehen, die die gepflasterte Kölner Landstraße viele Jahre prägte.

Seit Montag gibt es das Restaurant Fuhs nicht mehr. Die letzten Gäste haben Silvester in der Gaststube gefeiert. Das Telefon klingelt dennoch häufig. Die Menschen wollen ihre Geburtstage und Familienfeste in dem Traditionshaus begehen. „Die Gäste bedauern unseren Entschluss sehr“, sagt Gaby Fuhs. Auch sie wird die vielen Stammgäste aus dem Umland vermissen.

Tektonische Störungen

Familie Fuhs hatten ohnehin geplant, sich irgendwann in diesem Jahrzehnt zur Ruhe zu setzen, zumal es in der Familie auch keinen Nachfolger gibt. Dass es jetzt soweit ist, hängt mit tektonischen Störungen zusammen, die dem Gebäude schwer zu schaffen machen. Noch steht es wie auf den alten Postkarten an der Kölner Landstraße, aber bald wird es Vergangenheit sein.

Leicht fällt dieser Abschied der Familie Fuhs nicht. Schließlich ist Claus Fuhs ist mit dem Restaurant aufgewachsen, seine Großeltern betrieben es viele Jahre, an die er sich gut erinnert. Als die Großeltern den Betrieb nicht weiterführten, wurde das Haus für einige Jahre verpachtet. Am 12. Dezember 1980 stand dann der gelernte Koch Claus Fuhs in der Restaurantküche, seine Frau Gaby übernahm den Service. Das junge Paar hatte den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. „Wir wollten die lange Tradition des bodenständigen Landgasthauses fortführen“, erklärt Claus Fuhs.

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