Mutig sein und drücken, drücken, drücken

Von: Jörg Abels
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Heute Kann Margret Schmitz (2.v.r.) wieder lachen - dank der erfolgreichen Laien-Reanimation ihrer Nachbarin Gisela Gierdal und der zügigen Weiterversorgung durch die Rettungssanitäter Dieter Hildebrandt (r.) und Christian Butzke (2.v.l.) sowie des Notarztes Detlef Foto: Abels

Dorweiler/Düren. Den 28. Oktober dieses Jahres wird Margret Schmitz so schnell nicht vergessen, auch wenn sie sich an Einzelheiten dieses so schicksalhaften Abends nicht mehr erinnern kann. Daheim in Dorweiler wollte Margret Schmitz gerade mit Freundinnen Karnevalskostüme basteln. Mehr weiß sie von diesem Abend nicht mehr.

Von einem auf den anderen Moment sackte sie zusammen, verlor das Bewusstsein: Kammerflimmern - Herzstillstand. Ihre Freundinnen reagierten sofort, riefen telefonisch Rettungswagen und Notarzt, viel wichtiger aber: Sie rannten zum Haus gegenüber, in dem Gisela Gierdal wohnt. „Die Margret atmet nicht mehr”, riefen sie nur. Und die Arzthelferin fackelte nicht lange, rannte los, erkannte blitzschnell die kritische Lage ihrer Nachbarin und begann mit Herzdruckmassage - bis binnen vier, vielleicht fünf Minuten die Rettungssanitäter vom Malteser Hilfsdienst (MHD) aus dem nahen Nörvenich herbeigeeilt waren.

Wenige Minuten, die Margret Schmitz vielleicht das Leben retteten, erklärt Notarzt Detlef Struck, der das 18 Kilometer entfernte Dorweiler vom Dürener Krankenhaus aus kommend nach gut zwölf Minuten erreichte. Minuten, die aber auf jeden Fall bleibende Gehirnschäden aufgrund des Sauerstoffmangels verhinderten, ergänzt Dr. Kirsten Oelbracht, leitende Notfallmedizinerin am Dürener Krankenhaus. Und damit Minuten, die für die Mediziner wieder einmal gezeigt haben, wie wichtig die Laien-Reanimation ist, wie wichtig es ist, dass Bekannte oder auch zufällig anwesende Personen im Notfall reagieren - im Freundeskreis, auf dem Weihnachtsmarkt, bei Konzerten.

Fast täglich werden die Retter im Kreis Düren zu Patienten mit Kammerflimmern oder Herzstillstand gerufen. Und dann ist eines überlebenswichtig: drücken, drücken, drücken: „Die Anwesenden dürfen nicht nur zugucken und den Notruf wählen, sie müssen sofort mit der Reanimation beginnen”, erklärt Kirsten Oelbracht, „ansonsten hat der Patient keine Chance”.

Mut ist gefordert, Mut über den eigenen Schatten zu springen. Denn auch die Mediziner wissen nur zu gut, dass viele Menschen, deren letzte Berührung mit Rettungsmaßnahmen vielleicht im Zuge der Führerscheinprüfung Jahrzehnte zurückliegt, große Angst haben, im Notfall etwas falsch zu machen.

Eine unbegründete Sorge: „Das Schlimmste wäre, überhaupt nichts zu tun”, erklärt die Medizinerin. Dass der Helfer in der Extremsituation daran denkt, den richtigen Rhythmus bei der Herzdruckmassage einzuhalten, sei zweitrangig. „Wichtig ist, dass der Kreislauf überhaupt wieder anspringt. Und dabei ist die Herzdruckmassage das A und O, noch vor der Mund-zu-Mund-Beatmung”, auf die man im Zweifel verzichten könne.
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