Muss die Feuerwehr noch schneller sein?

Von: Sandra Kinkel
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Die alte Feuerwache an der Brüsseler Straße ist stark sanierungsbedürftig. Foto: inla, kin
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Patric Ramacher (links) und Johannes Rothkranz.

Düren. Braucht Düren eine neue Feuerwache? Tatsache ist, dass für die Feuerwehr das Erreichen eines Einsatzortes innerhalb von acht Minuten von der Brüsseler Straße nur in weniger als 80 Prozent der Fälle möglich ist.

Johannes Rothkranz, Leiter des Amtes für Feuer- und Zivilschutz, und sein Stellvertreter Patric Ramacher haben gerade den neuen Brandschutzbedarfsplan erstellt, über den der Rat im Mai entscheiden wird. Aber was ist das eigentlich genau?

Warum braucht die Stadt Düren einen Brandschutzbedarfsplan?

Weil das im Gesetz für Brandschutz, Hilfeleistung und Katastrophenschutz so geregelt ist. Jede Kommune muss einen Brandschutzbedarfsplan erstellen. Das Gesetz sieht auch vor, dass dieser Plan alle fünf Jahre überprüft und fortgeschrieben werden muss.

Wer erstellt diesen Plan?

In Düren sind Johannes Rothkranz, Leiter des Amtes für Feuer- und Zivilschutz und sein Team für die Erstellung des Brandschutzbedarfsplanes verantwortlich. Der Stadtrat muss über den Plan entscheiden. Rothkranz: „Es gibt seitens der Politik genug Vertrauen in die Feuerwehr, dass wir den Plan gut und auch wirtschaftlich sinnvoll fortschreiben.“ In anderen Städten werden externe Gutachter mit der Erstellung eines Brandschutzbedarfsplans beauftragt. In der Regel liegen die Kosten für die Erstellung von Brandschutzbedarfsplänen im fünf- bis sechsstelligen Bereich.

Was steht in so einem Plan?

Kurz gesagt: Der Brandschutzbedarfsplan regelt, wie viel Brandschutz eine Kommune für ihre Bürger betreiben will. Unter anderem enthält er sogenannte Schutzziele, die die Feuerwehr erreichen soll. In Düren sehen diese Hilfefristen so aus, dass acht Minuten nach der Alarmierung neun Feuerwehrleute, die unterschiedliche Funktionen haben, am Einsatzort sein müssen, und nach weiteren fünf Minuten neun weitere Blauröcke.

Werden diese Schutzziele erreicht?

Nein. Seit dem Jahr 2015 hat die Feuerwehr konkrete Zahlen, weil eine Bachelor-Arbeit zum Thema „Gefährdungsanalyse Stadtgebiet Düren“ geschrieben wurde. Ergebnis dieser Arbeit ist unter anderem, dass die Wehr die gesteckten Hilfezeiten in mehr als 20 Prozent aller Einsätze nicht erreicht.

Wie sinnvoll sind diese Hilfefristen?

Ziemlich sinnvoll, wie Patric Ramacher, stellvertretender Amtsleiter, erklärt. Die oben genannten Fristen sind Empfehlungen der Bezirksregierung Köln, die sich auf eine sogenannte „Orbit-Studie“ stützen. Ramacher: „Diese Studie setzt sich damit auseinander, wie lange nach einer Rauchgasinhalation die Reanimation der Betroffenen noch erfolgreich sein kann. Deswegen sind diese Schutzzieldefinitionen durchaus sinnvoll.“

Warum kann die Feuerwehr diese Ziele nur in weniger als 80 Prozent erreichen?

Hauptgrund ist die recht ungünstige Standortsituation an der Feuerwache Brüsseler Straße. Rothkranz: „Den Süden und den Süd-Osten der Stadt erreichen wir gut. Schwieriger ist es, was den westlichen und nördlichen Teil der Stadt angeht; nur eine wesentliche Veränderung der Schutzzieldefinition könnte dazu führen, dass ein höherer Erreichungsgrad als 80 Prozent vom Standort Brüsseler Straße erreicht werden kann.“

Heißt das, dass Düren eine neue Feuerwache braucht, um bessere Hilfezeiten zu erreichen?

Wenn die bisherige Schutzzieldefinition beibehalten wird: ja. Personell sei die Wache gut aufgestellt, sagt Johannes Rothkranz. Zusätzliche Kräfte, wie auch leichte Veränderungen der Schutzzieldefinition, würden nicht dazu führen, dass die Einsatzzeiten besser würden. „Es ist sinnvoll, über eine neue Wache für den hauptamtlichen Wehrteil an einem neuen Standort nachzudenken, wobei Teile des Rettungsdienstes und des ehrenamtlichen Wehrteils am Standort Brüsseler Straße bleiben müssen“, meint der Amtsleiter. Alternativ werden derzeit organisatorische Ansätze geprüft, so zum Beispiel die Einrichtung von sogenannten „Green-Ways“, die zu besseren Hilfsfristen führen könnten: Nähert sich ein Rettungsfahrzeug mit Blaulicht einer Ampelanlage, springt diese automatisch auf Grün. Rothkranz: „Ob wir jedoch damit aber wirklich einen verlässlichen Gewinn erzielen, ist fraglich.“

Kann die Politik nicht einfach die Schutzziele von acht auf beispielsweise zehn Minuten erhöhen?

Theoretisch schon. „Das ist eine politische Entscheidung“, sagt Rothkranz. Bisher ist die Politik immer den von der Bezirksregierung empfohlenen Hilfezeiten gefolgt.

Wo könnte eine neue Feuerwache stehen?

Dazu gibt es noch keine konkreten Pläne. Je mehr sich der Standort nordwestlich vom derzeitigen Standort orientiert, desto besser sind die Auswirkungen auf den Erreichungsgrad der Feuerwehr.

Was würde eine neue Wache kosten?

Die Politik geht von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Konkret ist von 15 Millionen Euro die Rede. Gleichzeitig sind Gebäudeteile der Feuer- und Rettungswache an der Brüsseler Straße sanierungsbedürftig. Das Flachdach ist an vielen Stellen undicht, manche Fenster lassen sich nicht mehr öffnen, auch Teile der Elektro- und Sanitärinstallation müssen saniert werden. Der notwendige finanzielle Aufwand zur Ertüchtigung der sanierungsbedürftigen Gebäudeteile wird derzeit auf mindestens 1,6 Millionen Euro geschätzt.

Wann ist mit der Ratsentscheidung über den Brandschutzbedarfsplan und eine neue Rettungswache zu rechnen?

Der Brandschutzbedarfsplan wird innerhalb der nächsten 14 Tage der Verwaltungsspitze und anschließend den politischen Gremien vorgelegt und ausgiebig diskutiert. Der Plan könnte frühestens in der Ratssitzung am 11. Mai verabschiedet werden. Entscheidet die Politik sich gegen eine Veränderung der derzeitigen Schutzzieldefinition, gibt es zum Neubau der Feuerwache kaum eine Alternative, und es muss rasch nach einem geeigneten Standort gesucht werden.

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