Musikschule Düren: Zwischen Rotstift und Bildungsauftrag

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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In über 30 Einrichtungen bietet die Musikschule Düren eine Musikalische Früherziehung an. Ein Kurs in der Kita Don Bosco musste nun gestrichen werden. „Weil es zu wenig Anmeldungen gab”, sagt die Schule. „Weil er dem Rotstift zum Opfer fiel”, vermuten die Eltern. Foto: ddp

Düren. An Verständnis herrscht kein Mangel. „Ich verstehe das Problem der Musikschule”, sagt Tanja Bürger im Namen des Elternrates der Kita Don Bosco. „Wir verstehen die Eltern”, betont Konny Hanrath-Elsen von der Musikschule. Und Schulleiter Johannes Esser sagt: „Wir sehen die Problematik - aber stoßen auch an unsere Grenzen.”

Worum es eigentlich geht, ist zum besseren Verständnis schnell erklärt.

In der Kita Don Bosco wurde bislang von der Musikschule ein Kurs Musikalische Früherziehung angeboten. Wie in mehr als 30 anderen Einrichtungen in Düren. Dieses Zusatzangebot ist nun von Seiten der Schule aufgekündigt worden.

Weil sich nur fünf Teilnehmer angemeldet haben, der Kurs aber erst ab acht Teilnehmern durchgeführt werden kann, erklärt die zuständige Fachgebietsleiterin Konny Hanrath-Elsen. Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende.

Aus Sicht der Elternvertreterin Tanja Bürger ist das Angebot vermutlich „dem Rotstift zum Opfer” gefallen. „Durch solche Sparmaßnahmen wird das Motto ,Bildung für alle´ von offizieller Seite ad absurdum geführt”, wendet sie sich in einem Brief an die Dürener Politik.

Ja, viele Kinder, die die Kita besuchen, kämen aus einkommensschwachen Familien und hätten in der Vergangenheit eine Kostenfreistellung beantragt. Aber nein, dies könne kein Grund sein, das Angebot zu streichen.

Diese Kritik lässt Johannes Esser so nicht im Raum stehen. „Wir weisen kein Kind zurück”, sagt er. Nicht nur in der Kita Don Bosco sei Kindern die Teilnahme an der Früherziehung im vergangenen Jahr mit Hilfe von Sponsoren und dem Förderverein der Musikschule ermöglicht worden.

Dass ein neuer Kurs nicht zustande kommt, liege nicht an der Finanzierung, sondern an den fehlenden Anmeldungen, stellt Esser noch einmal klar und sagt: „Wir haben den Eltern als Alternative angeboten, ihre Kinder zu einem Kurs in die Musikschule zu schicken.”

Die Geschehnisse in der Kita seien allerdings „Symptom einer Entwicklung”, sagt Esser. „Wir sollen alles machen, nur darf es nichts kosten”, wendet er sich Richtung Landes- und Bundespolitik. Qualifizierte Angebote in Kitas und in Offenen Ganztagsschulen seien richtig und notwendig - müssten aber auch finanziert werden.

Die Musikschule habe jedoch wie alle städtischen Einrichtungen Budgetkürzungen zu verkraften. Hinzu komme eine steigende Zahl von Kindern, die in einkommensschwachen Familien leben. „Es ist eine Frage der Würde, auch diesen Kindern Angebote zu ermöglichen”, findet Esser. Daher verbuche die Musikschule bewusst Einnahmeverluste.

Johannes Esser befürchtet jedoch angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung, dass die Musikschule und ihr Förderverein die nötigen Kompensationen nicht mehr aufbringen können. Der Rat der Stadt könne dann - rein theoretisch - beschließen, nur noch Kurse anzubieten, die hundertprozentig von Eltern finanziert werden. Stehen Angebote auf der Kippe? Kein Kommentar von Esser. Er sagt: „Es besteht prinzipiell die Gefahr, dass wir elitär werden.” Und dies sei nicht im Sinne der Schule.
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