Musikkabarett-Duo: Blanker Unsinn und spitzfindige Aussagen

Von: Hendrik Buch
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Ist der Abstand zum Schluss gewollt? „Weil wir zu zweit sind“ sangen die beiden Komikerinnen am Ende ihrer Vorstellung. Ihre gemeinsame Zeit endet in Kürze. Die Künstlerinnen gehen dann getrennte Wege. Foto: Hendrik Buch

Düren. Der Blick in die Reihen des Publikums bot am Montagabend im Komm ein eindeutiges Bild. Nahezu ausschließlich Frauen füllten die Sitzreihen beim Auftritt des Musikkabarett-Duos Biggi Wanninger und Anne Rixmann.

Vielleicht mögen die Herren angesichts des Titels „200 Prozent Frauenquote“ in Erwartung einer bissigen Feminismus-Show lieber zu Hause geblieben sein. Aber weit gefehlt! Stattdessen erlebten die Gäste im Keller des Komm ein gekonntes Spiel mit verschiedenen Frauenbildern, das Klischees subtil aufgriff und ein humoristisches Spektrum von blankem Unsinn bis hin zu spitzfindigen Statements bediente.

Unsinn hatten die beiden Komikerinnen vor allem bei ihren musikalischen Einlagen im Repertoire. So sorgte ein Buchstabenwust im Weather-Girls-Hit „It‘s raining men“ für herrliches durcheinander mit dem Höhepunkt einem impulsiven „Lallehuja“ im Refrain – Hochstimmung im Publikum. In der ersten Zugabe reisten beide später mit „Heidewitzka, Herr Kapitän“ durch die Welt: Wiederum herrlich albern.

Mehr Hintergrund bekam der Humor da schon beim Spiel mit verschiedenen Frauenbildern. Mal standen sie als Hausfrauen, die über ihr schweres Leben rappen auf der Bühne, mal als reiche russische Ehefrauen und mal als Rentnerinnen, die im Alter die Protestkultur für sich entdeckt hatten. Ein Leckerbissen: Bei einer „Hypnosenummer“ über den Mangel an weibliche Vorbilder, schlüpften in Wanninger anstelle der Mutter Theresa verschiedene Herren von Reich-Ranicki bis Callmund. Dass letzterer in sie hineinpasse, wollte die Komikerin allerdings Partout nicht glauben.

Erfrischend auch der Umgang beider mit weiblichen Sex und anderen vermeintlichen „Unschicklichkeiten“. Hier funktionierte auch das – nicht überzeichnete - Zusammenspiel der gestenreichen, rheinischen Lebefrau Wanninger mit dem eher sachlichen Nordlicht Rixmann am Besten. Die Themenvielfalt der beiden ging dabei über Religion, Politik und Gesellschaft.

Bissig wurde es vor allem bei den ersten beiden Themen. In einem „Göttertest“ der Stiftung Warentest setzte es eine saftige Abrechnung mit Christentum und Islam. In einer herrlichen Parodie der Kanzlerin durch Anne Rixmann resümierte diese: „Ich habe eiserne Prinzipien; und wenn diese Ihnen nicht gefallen, auch noch ein paar andere.“

Im Resümee ein ausgesprochen lohnenswerter Besuch für die Gäste, welche die Komikerinnen mit lauten, teils unkontrollierten Lachern entlohnten. Das gilt übrigens auch für die Männer und ganz besonders für einen: Walter aus der zweiten Reihe wurde nach einem mutigen Wortbeitrag zum Frauenschwarm des Abends auserkoren und ein ganzer Saal voller Frauen forderte ihn gesanglich zum Beischlaf auf.

Eine nächste Chance die beiden gemeinsam zu erleben gibt es leider nicht. Der Auftritt im Komm war einer der letzten als Duo. Mit einer eigenen Version von „My Way“ würdigten sie die gemeinsame Zeit zum Finale.

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