Düren - Musikgruppe „Los Masis“ begeistert in der Annakirche

Musikgruppe „Los Masis“ begeistert in der Annakirche

Von: Anke Holgersson
Letzte Aktualisierung:
17003818.jpg
Mitklatschen und Mitsingen erwünscht: Die Gruppe „Los Masis“ brachte bei ihrem Konzert in der Annakirche einen Teil ihrer andinen Traditionen mit nach Düren. Foto: Anke Holgersson

Düren. „Los Masis“ heißt frei übersetzt „Die, die so sind wie alle anderen“. Es ist der Name einer Gruppe von bolivianischen Profimusikern, die in wechselnden Besetzungen die Welt bereisen, um die Musik ihrer Vorfahren aus dem Gebiet der Anden aufzuführen und weiterzuentwickeln.

Auf ihrer Europatournee machten sie am Samstag Halt in Düren und spielten in der Annakirche ein musikalisch höchst anspruchsvolles Konzert, das die Zuhörer begeisterte. Es ist nicht ihr erster Düren-Besuch. 1986 schon kamen „Los Masis“ nach Düren. Auch damals spielten sie in der Kirche am Ahrweilerplatz. Da gab es die Gruppe, die 1969 von Studierenden gegründet wurde, bereits fast 20 Jahre.

Welt-Tourneen waren nicht das einzige sichtbare Ergebnis ihrer Arbeit. In der bolivianischen Stadt Sucre eröffneten sie das „Centro Cultural Masis“. Dort wird Kindern aus indigenen Familien der ursprünglichen Bevölkerung Boliviens vermittelt, aus welcher Tradition sie kommen und wie wertvoll das kulturelle Erbe ihrer Vorfahren ist. Außerdem erhalten sie schulische und handwerkliche Starthilfen.

Dreiteiliges Konzertprogramm

Die andine, also aus den Anden stammende, Philosophie lehrt, dass alle und alles zusammen gehört und sich aufeinander bezieht. Darauf bezieht sich auch der Ensemblename: „Die, die so sind wie alle anderen“. Diese Philosophie der Wertschätzung von Mensch und Natur in Gemeinschaft findet sich auch in dem musikalischen Programm der Gruppe wieder.

Die Musiker haben ein dreiteiliges Konzertprogramm erarbeitet, dass Anfang, Gegenwart und Zukunft des Musikprojektes musikalisch erzählt. Der erste Teil repräsentiert die Wiederentdeckung der eigenen kulturellen Identität. Ende der 1960er-Jahre war diese verschüttet. Um ein positives Gegenbild zu etablieren, spürten die jungen Musiker von „Los Masis“ den Geschichten der Vorfahren nach, entdeckten deren Instrumente und Tänze neu und zeichneten die Geschichte der Kolonialisierung durch die spanischen Eroberer aus Sicht der indigenen Gruppen nach.

So wurde die Entwicklung des Instrumentes „Quena“ zu einem Musikstück verarbeitet. Roberto Sahonero, der gleichzeitig auch Direktor des Centro ist, erklärte auf Deutsch, dass die südamerikanische Kerbflöte, die heute aus Holz und Bambusrohr gefertigt wird, früher erst aus Stein, dann aus Keramik erbaut wurde.

Bezüge zur Kolonialzeit

Die Bezüge zu der Zeit der Kolonialisierung fanden immer wieder Eingang in diesen ersten Teil. Verständlich, galt es doch bei der Findung von „Los Masis“ verschüttete und teilweise überschriebene Kulturgeschichte zu bergen. Sie haben nicht nur Musik, sondern auch Tänze dabei gefunden. So wie den Tanz, der zu Carnival aufgeführt wurde und den sie jetzt auch in Düren zeigten. In traditioneller Kleidung und mit riesigen Schellen an den Füßen, katapultierten sie die Zuhörer und Zuschauer in ein südamerikanisches Karneval-Ambiente.

Die Gäste waren dankbar für die Erklärungen des Bandleaders, der zwischendurch auch immer wieder daran erinnerte, dass der Titel des Konzertes „Ch’allarikuna“ (Lasst uns gemeinsam feiern) sei. Er lud zum Mitklatschen und Mitsingen ein, machte Komplimente („Schön!“) aber bemerkte auch lächelnd, dass die Gäste eher zum Zuhören gekommen waren („Sie haben aber wenig Energie! Vielleicht die Hitze?“).

Beim Konzert in der Annakirche waren 50 Zuhörer anwesend. Sie ließen sich von einem auf höchstem künstlerischen Niveau stattfindenden Dialog von Panflöten und anderen traditionellen Blasinstrumenten, von Gitarrenklängen und Schlagzeug zum Träumen und Nachdenken anregen.

Die „Ch’allarikuna- Tournee 2018“ der Gruppe „Los Masis“ wird von dem Verein „Bolivien-Brücke e.V.“ organisiert. Die Konzerterlöse kommen dem „Centro Cultural Masis“ zugute. Weitere Informationen: www.bolivien-bruecke.de

 

Die Homepage wurde aktualisiert